BannerbildBannerbildBannerbildBannerbildBannerbild
Link verschicken   Druckansicht öffnen
 

29 Aus dem Gewerbeleben

32. Aus dem Gewerbeleben

(bis 1953)

 

Birkendorf ist kein ausgesprochenes Bauerndorf wie manches unserer Nachbarorte. Wir finden hier mannigfache Berufe, deren Träger nebenbei noch etwas Landwirtschaft betrieben.

 

An Handwerkern und Gewerbetreibenden etc. haben wir 1953 als selbständige Unternehmen:

1 Bäcker, 1 Metzger (Nur Fleischablage), 2 Sattler, 1 Polsterer, 1 Schreiner, 2 Zimmerleute, 2 Schlosser, 2 Mechaniker, 2 Schmiede, 1 Schneider, 2 Damenschneiderinnen, 2 Wagner, (1 9n Igelschlatt), 1 Maler, 1 Maurer, 3 Schuhmacher, 1 Uhrmacher, 2 Elektromeister, 1 Zahnarzt, 1 Viehaufkäufer, 4 Kaufladen, 1 Eisenwarengeschäft, 3 Gasthöfe (2weitere Wirtschaften z.zt. geschlossene, eine davon in Horben), 1 Café (mit Bäckerei), 1 Sägemühle, 1 Schuhladen, (auch Textilien), 1 Volksbank, 1 kleine Fabrik, heute auf Damenbekleidung eingestellt, erbaut einst von Johann Gantert.

 

Für dieses ehemalige Gantert’sche Anwesen suchte im Januar 1853 Josef Flügel von Birkendorf, s.Zt. Rechtsanwalt in Bonndorf, um die Konzession nach, aus dem zum Teil abgebrochenen oder zerfallenden Gebäude an der Schlücht eine Tabakstampfe, eine Schleife, eine Öle, eine Privatmühle und evtl. eine Hanfreibe errichten zu dürfen, weil diese Einrichtungen gewissermaßen ein öffentliches Bedürfnis für Birkendorf bilden.

 

Wenn auch unter Befürwortung der Gemeinde die Erlaubnis hierzu am 12. Februar 1853 erteilt wurde, so bestand hauptsächlich in Josef Berger, Müller von Igelschlatt, gegen die Errichtung einer Mühle ein großer Gegner. Ihm schlossen sich an:

Der Schlüchtmüller Georg Nägele von Grafenhausen und Müller Joh. Probst von Ühlingen, weil sich diese durch die Neuerrichtung einer Mühle in ihrem Gewerbe beeinträchtigt fühlten. Viele vorgebrachten Einwendungen führten zu einem langwierigen Rechtsstreit zwischen beiden Parteien.

 

Als weitere Gegner erhoben sich später:

 

Jakob Kaier, Mahl-, Öl-, und Reibemüller der Illmühle;

Müller Philipp Seth von Grafenhausen;

Josef Baschnagel von der Tannenmühle;

Isidor Beck von Riedersteg;

Isidor Fechtig von Igelschlatt (war eigentlich Säger)

und Alois Herr von Grafenhausen (war Bleicher)

 

Alle Einwendungen geschahen nur aus pekuniären Gründen. Da Säger und Bleicher noch von der Gegnerschaft Flügels zu Hilfe angerufen wurden, zeigt, mit welch unlauteren  Argumenten gegen Flügel vorgegangen wurde.

 

Flügel führte in seiner Verteidigung u.a. aus, dass er für die 19-20 Personen seiner Familie, Dienstboten und Verwandten einer Hanfmühle bedürfe, ferner durch die früher bestandene Tabakstampfe, Öle und Schleife kein gleiches Gewerbe in der Umgegend beeinträchtigt würde.

Lt. Beschluss des Bezirksamtes Bonndorf vom 21. Juni 1853 wurde ihm somit die gewünschte Erlaubnis zum Betrieb des verlangten Gewerbes erteilt.

 

Weitere Rekursergreifung  seiner Gegner bei  Hoher Seekreisregierung wurde aber verworfen und Flügel will nun statt der geplanten Privatmühle eine Kunstmühle errichten lassen. Die Ausführung dieses Vorhabens scheiterte aus unbekannten Gründen. Es ist heute von solch bestandener Mühle nichts bekannt, auch die vorhandenen Akten geben keinen Aufschluss. –

 

Das Gantert’sche Fabrikgebäude an der Schlücht ging durch Kauf am 12. Mai 1888 an Firma Chr. Ringwald und Co. aldkirch (Inhaber Gütermann, Waldkirch) über samt einem Wiesengrundstück um den Preis von 9900 M. Es wurde ine Zwirnerei eingerichtet.

 

Im Jahre 1928 trat die Gemeinde in Unterhandlung mit dem Eigentümer wegen Rückkauf des Gebäudes. Doch da der Kaufpreis von der Firma zu hoch angesetzt wurde (22.00 M) erfolgte der Kaufabschluss erst am 26. November 1928 in Höhe von 15.000  M. Im gleichen Jahre trat die Gemeinde noch mit der Firma Mez und Söhne, Freiburg, in Verbindung wegen Errichtung eines Industrie-Unternehmens, was auch zum Erfolg führte.

 

Die Arbeitslöhne betrugen pro Stunde im Jahre 1928:

 

                                                    weiblich              männlich

14 – 15 Jahre                         18 Pfennig         20 Pfennig

17 – 20                                               20                    25

20 – 23                                               24                    30

23 – 25                                               26                    36

über 25                                              30                    42

 

            Arbeiterstand der Filiale 1m 1. April 1929:

           

            unter 16 Jahren                    über 16 Jahren

            männlich         1                                 9

weiblich          3                                 29     

zusammen      4                                 38        = Insgesamt 42

 

Durch die pachtweise Übernahme durch die  Firma Mez hatte die Gemeinde hohe Kosten für Ausbesserungsarbeiten am Gebäude sowie Neulegung von Kanalröhren zu tragen. Schon im Jahre 1930 (Januar) fasste die Firma den Plan zur stillegung des Filialbetriebes, und auf 30. Juni des gleichen Jahres wurde die Kündigung ausgesprochen, angeblich wegen Unrentabilität. Große Anstrengungen wurden von Seiten der Gemeinde gemacht, um die Verdienstmöglichkeiten für hiesige Bewohner zu erhalten.

 

Es erfolgte jetzt die Übernahme der Seidenzwirnerei durch Gütermann Co. Gutach (Breisgau). Halbjährliche Pacht 750 M., ab1. Januar 1932 wurde infolge der damals erlassenen Notverordnung die Pachtsumme auf 1400 jährlich ermäßigt. Auf 1. April 1939 wurde von Gütermann & Co offiziell der Vertrag über die Verpachtung des Fabrikgebäudes gekündigt. Es wurde aber weiter gearbeitet, wohl angsichts der schweren Zeit und auf Drängen des damaligen Rührigen Bürgermeisters Bernauer wurde ein weiterer Mietvertrag auf 5 Jahre abgeschlossen. Die Firma löste 1949 ihren Betrieb hier auf.

 

Eine Weiterverpachtung erfolgte nach mehrmonatigen Bemühungen der Gemeinde an Glunk, dem Besitzer des Berghauses. Es wurden unter ihm hauptsächlich Lampenschirme und Schuhriemen neben anderen kleinen Gegenständen angefertigt. Doch dauerte dieser Betrieb kein ganzes Jahr. Er wurde angeblich wegen Absatzschwierigkeiten aufgegeben.

 

Im Jahre 1951 übernahm Günter Schmidt aus Berlin-Pankow pachtweise das Anwesen, um Damenkleider und Morgenröcke anzufertigen.