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22 Auszüge aus Ortsbereisungsberichten

 

25.   Auszüge aus den Ortsbereisungsberichten.

 

 

1848    Im März hat Birkendorf viele Soldaten im Quartier. Der Bürgermeister Weiler konnte daher an einer Tagfahrt in Bonndorf betr. Zehntablösung nicht teilnehmen.

 

1853    Die Strohfechterei für die Fabrik in Lenzkirch wird eifrich betrieben; 20 – 30 Kinder sind damit beschäftigt. Der Betrieb wirft einen mäßigen Gewinn ab.

 

            Es ist anzunehmen, dass die Strohflechterei und das Tragen der Strohhüte erst zu Beginn des 18. Jh. auf dem Schwarzwald heimisch wurden. Von der fürstenbergischen Regierung wurde dieses Gewerbe um die Mitte des 18. Jh. in ihren Landen eingeführt, namentlich deshalb, um den Hirten während ihrer Tätigkeit einen kleinen Nebenverdienst zu ermöglichen und sie von ihrem „lasterhaften Müßiggang“ abzubringen. Im Jahre 1823 entwickelte sich in Lenzkirch die erste Strohhutfabrik. Sie nahm großen Aufschwung. In der näheren und weiteren Umgebung dieses Fabrikortes wurden Strohgeflechte hergestellt. Man verarbeitete Stroh von unreifem Roggen.

           

            Mit solchen Unternehmen wurde auch in Tiengen begonnen, das aber unter dem Druck der damaligen Zeitverhältnisse nur von kurzer Dauer war.

 

            Die Nachfrage nach feinen Waren war stets vorhanden, weshalb geübte Flechter aus dem Ausland herangezogen wurden und Flechtschulen entstanden. Der Unterricht war unentgeltlich, ja sogar Belobigungen und Prämien zur Aufmunterung wurden verteilt und führten immer mehr Lernbegierige zu. Mit der Zeit wurde die Strohflechterei eine allgemeine Hausindustrie.

 

1856    Bei einer Amtsrevision in diesem Jahr wurde der Bezirksbehörde folgende Bitte vorgetragen:

            Im Interesse der ärmeren Klasse der Bevölkerung wird gewünscht, dass auch unseren Bäckern und Brothändlern ähnlich wie in anderen Amtsbezirken die Pflicht auferlegt wird, nicht bloß weißes Brot, sondern auch schwarzes, recht gut gebackenes und gesundes Roggenbrot, wie es die Bauernihren Dienstboten verabreichen, in den Verkehr zu bringen. Dieses ist nämlich nicht nur viel billiger, sondern auch Ökonomischer („bschüsslicher“) in der Haushaltung, bietet also wesentliche Ersparnisse, während man bei Weiß- und Halbweißbrot nicht wagen darf, sich mit starker Familie satt zu esen, weil es hoch im Preise steht und freilich Bäcker und Händler besser verdienen daran. Die Bäcker wurden dann auch vorgerufen und ihnen eröffnet, dass sie auch nach Vorschrift des Tarifs Schwarzbrot in den Verkehr zu bringen haben.

 

1854    Immer wieder wird noch der großen Zahl von Schulversäumnissen wegen von

-1858   höherer Behörde aus Klage geführt. Die Versäumnisse rühren meist daher, weil der Bürgermeister nur mit zwei Kreuzer straft, die Leute zahlen dies und verwenden ihre Kinder weiter zur Arbeit.

 

            Für Berthold Maier wird seines schlechten Lebenswandels wegen Antrag auf Auswanderung gestellt.

 

            Zwei Familien wurden auf Gemeindekosten nach Amerika speditiert; Gallus und Gottfried Ebner. Die Gesamtkosten betrugen 2178 fl. 11 Kr.

 

            Ferdinand Maier bfindet sich im Arbeitshaus.

 

            Die Dorfpolizei erhielt strenge Anweisung gegen Kinderbettel vorzugehen.

 

            Kreszenzia Schwarz von Löhningen ist mit drei unehelichen Kindern vom Bürgermeister sofort auszuweisen.

 

Durch die wachsende Unterhaltspflicht der unehelichen Kinder in der Gemeinde wird eine strenge polizeiliche Aufsicht über liederliche Dirnen empfohlen. Dass die sittlichen Zustände des Dorfes sich nicht gebessert haben, zeigen die vielen unehelichen Geburten und die hohe Zahl der Polizeistrafen. U.a. wird vermerkt, dass sich nicht weniger als dreiunddreißig Weibspersonen hier befinden, die 58 uneheliche Kinder haben, von denen sieben noch nicht ein Jahr alt sind.

 

            Im Konkubinat leben oder sind verdächtigt: Wilhelm Gamp von Faulenfürst mit Kreszenzia Rogg von Schluchsee.

            Bernhard Fischer mit Benedikta Metzler

            Karl Bleicher von Mettenberg mit Amalie Albicker

Sales Mutberger von Ühlingen mit Emelie Loth.

Verschiedene Männer erhielten Wirtschaftsverbot.

 

Die Kirchenuhr geht oft eine Stunde vor, worüber sich die Wirte der Feierabendstunde wegen beschweren.

 

Bei der Ortsbegehung am 2.8.58 wurde folgendes beanstandet:

Die Art und Weise, wie man das Birkendorfer Schulhaus verwahrlosen lässt, ist unverantwortlich. Das Schulhaus, einst ein schönes Haus, ist in unverantwortlichem Zustand. Die Lehrerwohnung gleicht einer Räucherkammer.

 

Ein Revisionsbericht vermerkt auch nebenbei: Gutmütig und große Offenheit, verbunden mit einer mäßigen Lebensart ist der hauptsächliche Charakterzug der Bewohner.

 

Der Bürgermeister bezog an Lohn jährlich              100 fl.

            3 Gemeinderäte jährlich                               24 fl.

            1 Ratschreiber, jährlich                                 30 fl.

            1 Polizeidiener, jährlich                                53 fl. 30 Kr.

 

Der Bürgernutzen an Allmendfeld, Gabholz und Weidefeld bestand in 1 Morgen Allmend, 2 Klafter Holz und 30 Wellen.

 

Es gab damals eine Wein- und eine Bierwirtschaft, die den Bedürfnissen genügten.

 

In den fünfziger Jahren gab es im Dorfe 60 Häuser mit Schindeldächern.

 

100 schulfähige Kinder besuchten die Schule

 

Der Einkauf in den Bürgergenuss erforderte s.Zt. 28 fl. 30 Kr.

 

Die Jahresausgaben der Gemeinde betrugen nach der Rechnung von

            1850                                       2584 fl. 31 Kr.

die Einnahmen                                  2593 fl. 55 Kr.

Die jährlichen Ausgaben für Handdienste 200 fl.