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19 Bittgesuche

22.  Bittgesuche.

 

Über die Errichtung einer Tabakstampfe an der Schlücht von Gantert liegt aus dem Jahre 1779 stammende Bittschrift vor; sie lautet:

 

            Hochwürdigster des Heil. Röm. Reichs

            Fürst Gnädigster Fürst und Herr!

Euer Hochfürstl. Gnaden wirfet sich ein treü gehorsamster Vaterlandsunterthan zu Füßen und er frechet sich unterthänigst vorzutragen:

Durch die in löbl. Nachbarschaft befindliche Tabakmühle- und Stampfen setze ich mich immer mehr in Rücksicht des diesfalls dortig ringenden Preises, an meinem Tabakhandel, mit dem ich doch mein Stück Brod für Weib und Kinder bishin gesucht, vernachtheiliger dergestalten, daß ich nun von Mathias Müller zu Seewangen ein halben Thaun eigentum Mattfeld an der Schlücht erkaufet, in der Absicht hierauf eine zwanzig Schuhweit und eben so breite Tabakstampfe, ohne jemanden mindestens Schaden, uns allein zu meinem und der Meinigen besseren Nutzen, erbauen zu lassen.

Es gelanget demnach an Eüer Hochfürstlichen Gnaden meinen gdgste Landesherrn die unterthänigst fußsällige Bitte, Höchst dieselbe geruhen ausf Landeväterlicher Milde, mir die Erlaubnis, eine Tabakstampfe von Mauerwerk zu errichten, gegen Erstattung einer leident Gebühr, gdgst. angedeihen zu lassen; weil ich ansonsten genötigt, ermeldeten Hamdel zu entlass.

 

Gnädigster Landesfürst! ich werde diese höchste Gnade mein Gebet zu Gott für Höchstderselben Wohl zu entrichten nicht vergessen der ich in tiefster Ehrfurcht und Erniedrigung ersterbe.

 

Euer Hochfürst. Gnaden unterthänig Treü gehorsamster Landesuntertan zu Birkendoerf

                                                                      

                                                                       Johann Gantert Krämer

 

 

Das Gesuchwurde unter Befürwortung und einiger Bedingungen des Oberamtes Bonndorf nach St. Blasien zur Genehmigung weitergeleitet. Die herrschaftliche Erlaubnis erfolgte am 23. Oktober 1779. Im Jahre 1893  [Tippfehler: 1793] wurde eine weitere Bittschrift um Errichtung einer „Öhle“ an Abt Berthold III. abgesandt und wurde gegen gewisse Auflagen der Bitte entsprochen.

 

In einer weiteren Bittschrift vom Jahre 1786 wendet sich Johann Gantert gegen den vielfach zu entrichtenden Zoll, den er zu bezahlen für jedes Fass Salz in Bettmaringen, Birkendorf und Grafenhausen mit je zwölf Kreuzer verpflichtet war, um diese Ware nach Seebrugg zu führen zu dürfen.

 

Die Zollstelle für Birkendorf befand sich s.Zt. im heutigen Ortsteil „Hecke“ bei Konrad Schnitzers Haus allwo dermahlen Zohl und das Wegegeld abgeleget wird.

 

Wie hoch der „Zohl“ jeweils berechnet wird, gibt eine Urkunde aus dem Jahre 1647 hinreichend Aufschluss.

 

Von jedem Wagen Faßholz „Dielen, Früchte, Kohl etc.              5 Kreuzer.

Von jedem ganzen Salzfaß                                                               6 Kreuzer

Von jedem beladenen Karren                                                         4 Kreuzer

Von einem Wagen mit Hausrat                                                      2 Kreuzer

Von einem Wagen mit Wein                                                           2 Kreuzer

Von einem Karren mit Wein                                                            6 Kreuzer

Von einem mit allerhand Waren außer einem

mit Gold und Silber beladenen Roß oder Esel                              2 Kreuzer

Von jedem Silberkrämer                                                                 16 Kreuzer

Von jedem Großvieh                                                                         1 Kreuzer

Von jedem Ross                                                                                  1 Kreuzer

Von jedem Kleinvieh (Saugkälber, Schafe, Geißen u. dergl.)      1 Rappen

Von jeder gegerbten und ungegerbten durchgeführten Haut     1 Kreuzer

Von jedem Fell                                                                                     1 Rappen

 

Von diesem Zoll waren nach altem Herkommen bestimmte Untertanen befreit.

 

 

Mit welcher Unterthänigkeit der sanktbasischen „gnädigsten Herrschaft“ gegenüber getreten wird, um eine Familie gründen zu können oder einen Arbeitsplatz zu erhalten etc zeigt nachstehende Briefabschrift. Das Original stammt aus dem Jahre 1774.

 

 

Großwürdigster Reichsfürst Allergnädigster

Fürst und Herr, Herr!

 

Euer Hochfürstlichen Gnaden geruhen allergnädigst zu vernehmen, was sich untertanigster Supplikant (Bittsteller) von Berau gebürtigt und in Birkendorf schon sieben Jahre an ein und anderen Orten meine knechlichen Dienste ehrlich und getreu versehen, anjetzo aber willens und vorhabens mich mit Elisabeth Vogelbacherin als verbürgte Tochter zu verehelichen, weil mir Vogt und Geschworener dazu verhilflich seyn wollten und verlangten mir die künftige ein und aufmachung, dass orth als Hintersäß nicht entsprechen, weilen  Dominikus Rheiner, Beckh allda mich auf 6 oder mehr Jahre auf mein wohl verhalten samt Weib und Kind annehmen und behalten wollte, bis das ich einstens etwas Eigenes bekommen würde, wann an durch Euer Hochfürstl. Gnad und die hohe Gnad und gnädigste Erlaubnis willfahre, dieses mein Vorhaben vereinen zu dürfen, um welche hohe Gnad ich demüthig und unterthänigst Bitte und in Hoffnung gelebe, eine Gnädige Resolution zu erhalten dero ich in hohe Gnad demüthigst Empfehle und in Tiefster Erniedrigung versterbe.

Euer Hochfürstl. Gnaden Allerunterthänigster

                                   Hans Jörg Schwarz

                                   von Berau anjezo in Bürkendorf.

 

Viele andere Beschwerden un Bittgesuche gingen „tief unterthänigst“ an gnädigste Herrschaft in St. Blasien ein z.T. wegen Zehntnachlass, Erlassung des Bürgergeldes infolge Vermögenslosigkeit, um Aufnahme eines Bürkendorfers als Leibeigener nach mehrjähriger Abwesenheit, um Anerkennnung als Hintersaß , um Zinsnachlass des erblindeten Simon Fischer, um Fruchtzinsnachlass der Gemeinde wegen erlittenem Hagelschaden oder um Erlaß der Wanderjahre des Maurers Dyionißius Rheiner wegen Verheiratung u.ä. mehr.

 

Alle diese Gesuche und Bittschrifen fanden in den seltensten Fällen Erhörung.

 

 

Abschrift eines Bittgesuches aus dem Jahre 1777.

 

Hochwürdigster Reichs-Fürst

Allergnädigster Fürst und Herr, Herr!

 

Euer Hochfürstl. Gnaden komme ich allerdemütigster Supplicant in tiefster Submissio gehorsamst vorzutragen, was maaßen ich einen Sohn habe mit Namen Dionysius Rheiner, seiner Profession ein Maurer. Dieser ist willens sich mit Magdalena Käßlerin verbürgerte Wittibin in Bettmaringen zu verehelichen allein aber da Er seine Schuld, gebührende Wandes Jahre noch nicht vollzogen, als Komme ich aller erstens Euer Hochfürstl. Gnad untertänigst zu bitten, Hochdieselbe belieben ihm solche Wanders Zeit in hohen Gnad nachzusehen und die Gnädigste Erlaubnis zu Willfahren, diese vermeldete Wittibin heürathen zu dürfen. Weile in Bettmaringen kein Maurer war. Da aber die Wittibin ein sehr schwach und schlechtes Güthlein, und noch drei Kleine unerzogene Kinder hat; So habe Hierdurch mich gleichfahls zu dero Gnädigen Füßen niederlassen und noch um diese Gnad Bitten wollen, auf dass Euer Hochfürstl. Gnad meinem Sohn ein Gnädigen Nachlass des Bürgerrechtes möchten angedyhen lassen. Zur Gnädigsten Bitte – Erhör mich demüthigst Recommendire, und in tiefer Erniedrigung ersterbe.

 

                                               Euer Hochfürst.

                                               allerdemüthigster Matthias Rheiner

                                               Bürger in Birkendorf

 

Antwort:             Wir Martinus II. St. Blasien 1777

                               0/Amt Bonndorf

 

In Rücksicht der in euerm gestrigen Bericht ausgeführtem Umstande wollen wir unseren Landesunterthan Dionisius Rheiner von Birkendorf die Landesherrliche Dispensation und Wanderjahre und eine gnädigste Verminderung des Bürgergeldes von 20 fl. auf 12 fl. angedeihen lassen.

 

Und verbleiben Euch des übrigen mit fürstl. Hulden wohl beygethan

                                               Unterschrift

                                               gez. Martin

 

 

Abschrift:

Gnadengesuch des Josef Albrecht, Bauer

zu Birkendorf vom Jahre 1778.

 

Hoch würdigster des Heil. Röm. Reichsfürst.

Allergnädigster Fürst und Herr, Herr!

Die bey dem Throne Eürer Hochfürstl Gnaden reichlich aufgedrückte Unterthanen ausfließende Barmherzigkeit gibet auch mir den tröstlichen Anlasse meine Beschwerde in ansehnung des Fruchtzinses demütigst voranzustellen. Die unumschränkte Vorsicht des Schöpfers hat es zugelassen, dass in verwichenem 1777stn Jahre ein schreckvolles Hagelwetter in die im Felde gestandenen lieben Früchte zur Zeit da der Landmann selbe bald einzusammeln Hoffnung hatte ins Verderben geschlagen.

Andnoch wurde ich nun in die betrübste Umstände, und noch über das außer Stande gesetzt, den Hochfürstl. Gnädigster Herrschaft schuldigen 3 Muth Roggen Zins an schafhausermess auf den Kasten Seebrugg in Natura zu liefern; demnach ergehet an Eüer Hochfürstl Gnaden mein unterthänigstes bitten womit Hochdieselbe mildväterlich geruhen möchten mir die gnädigste Srlaubnis zu erteilen, gedachten Zins mit Gelde, jedoch in Ansehnung des Hageljahres in einem leidentlichen Preise, Bezahlen zu dürfen.

 

Und da ich auch bey gesegneten Fruchtjahren mit größter Noth, kaum so viel Zins abzureichen im Stande bi, ist ebenfalls mein inständig gehorsamstes bitten, um mir noch die  große Gnade mildtätigst angedeihen zu lassen bemeltem Zinse = 6 Viertel Roggen, nach Maßgabe der billig und Gerechtigkeit, in Kernen zu verwechseln, um sodann künftig nur 6 Viertel Roggen und das übrige zu Kernen getreulich entrichten zu können.

 

Der allerhöchste Segen dagegen mitteln unzählig Himmlischen Segen zuflüßen die theuerste Regierungsjahre Euer Hochfürstliche Gnaden welches eifrig wünscht, der, welcher sich zu gdgst. Bitterhöhung unterthänigst anempfehlet, und mit allertiefster Erniedrigung geharret.

 

Euer Hochfürstl. Gnaden! Unterthänig-treu-gehorsamster Unterthan und Bürger zu Bürkendorf

                                               Josef Albrecht Bauer

                                               gefertigt, den 4. Hornung 1778.

 

Antwort:

(Von gnädigster Herrschaft) Jos. Albrecht, Bauer von Birlkendorf hat den schuldigen Roggenzins pr. 3 Muth mit Gold- und zwar das Viertel 1 fl. auszulösen. Hingegen wird selbiger mit seiner weiteren Bitte, die Hälfte dieses Roggenzinses nach proportion in Kernen zu verwandeln, lediglich abgewiesen.

 

                                               St. Blasien, den 11. Aprilis 1778

                                                               gez. Martin.

Abschrift eines Bittgesuches aus dem Jahre 1880

 

Hochwürdigster des Heil. Röm. Reiches Fürst

Gnädigster Fürst und Herr, Herr!

 

Euer Hochfürstlichen Gnaden wirft sich ein unterthänigster Supplicant (Bittsteller) zu füßen von Höchst derselben weltbekannten Milde sich eine Gnade unterthänigst zu erflehen. Vor wenigen Wochen geschah, dass ich endesunterzeichneter sich mit Marianne Bergerin von Birkendorf verheuratet und in der Absicht mich nach Ungarn zu begeben, die gnädigste Manumission erhalten. Zu dem letzteren hat mich ein unbedachtsames Überlegen verleitet und mein geringes Vermögen setzet mich allerdings außer Stande, so eine Reise zu bestreiten und dürfte mir alldorten eben eine so drückende Armut bevorstehen, die mir immer die schmerzlichste Reue verursachen und täglich erneuern würde die izo schon mein und meines Weibes Herze bitterlich quälet.

 

Die Gemeinde Birkendorf unser unüberlegtes Entschließen bedauernd, hat in Rücksicht, dass wir beide Bürgerkinder waren und meinen mit Tachdecken ihr geleisteten Diensten uns beiden die Geduldung im Orte verheißen, wnn eine gnädigdte Erlaubnis es genehmigen werde.

 

Es gelanget demnach an Euer Hochfürstl. Gnaden meinem gnädigsten Herrn die unterthänigste fußfällige Bitte, Höchstderelbe geruhen aus fürstmildester Gnade mir die Erlaubnis in der Gemeinde Birkendorf als Hintersäß mich einlassen zu dürfern barmherzigst angedeihen zu lassen.

 

Gnädigster Herr! ich werde für diese höchste Gnade mein Gebet zu Gott für Höchstderselben Wohl jener lebhaftester Unterthänigster Dankerstattung verbinden, mit der ich in tiefster Ehrfurcht und Erniedrigung ersterbe.

 

Euer Hochfürstlichen Gnaden Unterthänigst gehorsamster Supplicant

 

Donat Graß Decker

von Birkendorf

bezeugt: Jos. Isele Vogt

Johann Flügel Geschworener

Joha. Wieser Geschworener

 

Das Gesuch wurde genehmigt gegen Abführung des jährlichen Hintersassengeldes und auf Wohlverhalten.