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16 Unsere Heimatsprache

20.  Unsere Heimatsprache

 

Unsere Birkendorfer Sprache, unser Mutterlaut, ist das Alemannische. Es ist keineswegs ein verdorbenes Hochdeutsch oder eine Sprache der gemeinen Leute, es ist wie alle unsere Mundarten ein Altdeutsch, das unsere Ur- Ur- Eltern schon gesprochen haben, während das Schriftdeutsch, unsere Hochsprache, ein Neudeutsch ist, das erst in der Schule gelernt wird und erst als Sprache für den schriftlichen Verkehr geschaffen wurde und zur  Verständigung der verschiedenen Stämme untereinander. Wir wollen unsere alemannische Sprache die Sprache unserer Väter  und Urväter, sprechen daheim und bei jeder sich bietenden Gelegenheit und in der Heimatpflege muss selbstverständlich auch auf die verkannte Bedeutung der Muttersprache oder Mundart und auf ihre Erhaltung derselben Bedacht genommen werden. Es ist das gewissermaßen eine Verpflichtung; denn in der Mundart spiegelt sich die Seele des Volkes wieder.

 

Durch die große Menschenvermischungen heutiger Zeit geht leider viel altes Gut verloren. Wir brauchen uns ja unserer Mundart nicht schämen, sie ist eine Umgangssprache, überliefertes Volkstum, das zu erhalten wir uns zur Ehre anrechnen dürfen. Wer sich seiner Muttersprache schämt, begeht Verrat an der Heimat, und wer draußen eine andere Mundart nachzuäffen sucht, macht sich lächerlich vor einem aufrechten geraden Menschen; es ist sogar ein bestimmtes maß von Charakterschwäche, wenn jemand ao rasch seine Mundart ablegt.

 

Wir aber wollen und müssen heute feste und aufrechte Menschen sein, aufrecht und treu stehen wie unsere Schwarzwaldtannen im Oberholz und an dem Mutterlaut festkleben wie unser Blick am Bühl. Die Heimatdichter bringen die Mundart zu Ehren und wir lesen gern ihre Werke.

 

Es mögen zum Vergleich für späterhin einige mundartliche Ausdrücke aus Birkendorf folgen:

 

Die kleine Ameise, die in Gärten und Wiesen anzutreffen ist heißt Wurmeise; die große im Wald lebende wird Klammeere geheißen. Der Apfelbutz wird Öpfelbixe und das Ausspucken spaize genannt. Wird jemand zum Aufhorchen aufgefordert, so heißt das¨Du los e‘ mol!

Ein Bettkeil ist eine Hobbede.

wer weint, der brieget oder pläred.

Steht man vor einer fast unüberwindbaren Aufgabe, so trösten die Worte: ‚S wird ase wieder go; oder es will sich nicht schicken, nicht einlenken = er will sich nicht fisme.

Das Kind gedeiht gut = es trüjet.

Wer am Sonntagmorgen, während die übrigen Hausbewohner den Gottesdienst ebsuchen, zu Hause die notwendigen Arbeiten verrichtet, der gaumet.

Gestern Nacht heißt hinicht.

Die Granne  an der Ähre ist ein Gerstnagel oder Sputze.

Statt Handtuch sagt man Zwelle und der Haushahn ist ein Güggel.

 

Wer die Haut auf der Milch nicht liebt, muss den Schlempe oder Iddel zuerst entfernen.

Den schönen Eichelhäher nenn der Birkendorfer Igerscht und die geschwätzige Elster Hätzle

Das Nadel einfädeln heißt die Näherin fesme und das nachlässige Stricken ist eine Kellehänke.

In der Küche hängt das Salzfass oder Muttle.

Das  Stricken wird lisme geheißen.

Am Stachelbeerbusch günnet man die reifen  Chruzelle ins Beckli, hierzu braucht man schon e Rung (ein Weilchen).

Der bekannte Wassermolch  mit seinem rötlichgelben Bauch heißt Brunnemüetterli.

Aus Holz etwas anfertigen = er tut bäschele.

Etwas krank sein und dabei jammern = er dröset.

Der Sarg ist ein Dodebaum und das Totenmahl oder Gastig wird noch im engen Rahmen gehalten.

Schimpfenschnurre, jemand abeputze

e Mäschli = e’letsch; Teesieb = Sächte

Anzug = Montur ; baufälliges Haus ist eine alte Arche

blaue Bluse, einst getragen von Viehtreibern heißt Welschhemd.

Eine fremde Frau geht durchs Dorf = Des isch aä Uswärtigi.

Ein großer Mensch = e Latte oder Gschtell

Honif = Hung;   Eiter = Maderi; Hühner = Einzahl = e Hue, Mehrzahl = Hüer;

Kater = Rölli, Rabe = Quak; Konditor = Gutslebeck; Kopf = Nüschel; Rosenkranz = Nüschter; Heiligenbild = Helgatle; in der Miete wohnen = bei jemand z‘ hus si; niesen = fluckse;  Pfannenkuchen = Pfanneblätz; Leitseil an einem Kuhgespann = Haile.

 

Völlig in Vergessenheit geraten sind Lötz und Wetti. Hierüber wird um die Mitte des 18. Jh. berichtet: Es ist eine Lötz bei Jo. Albrechts Schlüchtwiesen und diese haben zu gebrauchen:

Jos. Albrecht, Kaspar Beck, Weber; Joh. Pflügel, Krämer und Andreas Vogelbacher, auch Joh. Wießer mit Heu ind Öhmd, welche alle den Weg zu gehen schuldig sind, somit handelt es sich um ein Auffahrtsrecht vom Feld bis zur Straße

Wetti Vor dem Wirtshaus ist bei dem Waschhaus genugsamer Platz, um eine Wetti dahin errichten zu können. In dieser Wetti sollen alsdann die Abwasser von dem Heinz Vogelbacher liegenden Brunnen zu allen Zeiten geleitet werden. Das aus dem Wetti fließende Wasser wird in einem Graben bis zu Thoma Fechtig, Wirts Brühl geführt.