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15 Die Schulverhältnisse im Dorf

19. Die Schulverhältnisse im Dorf

 

Unterm 9. Oktober 1828 meldete das Bezirksamt Bonndorf der Kreis-Direktion Konstanz:

 

älteste SchuleNach beykommenden Akten bestand bisher in Birkendorf weder ein Schulhaus noch eine Lehrerwohnung, sondern die Schule wurde in einem kleinen Stübeli in einem der Gemeinde gehörigen kleinen Häusel abgehalten. (Es ist das heute vergrößerte Haus des Sattlermeisters Karl Friedrich Fechtig).

Dieses Stübel ist für die gegenwärtige Schülerzahl offenbar zu klein und kann in dem kleinen Gemeindehäusel nicht mehr vergrößert werden.     

Schulraum unten links     

 

[davor war das Schulzimmer im einstigen Haus von "Leander Kaiser", heute Helmut Kaiser, in der Hecke]

 

Es tritt daher der erste Baufall zu notwendigen Erbauung eines Schulhauses mit Lehrerwohnung ein.

Das Dekanat und Pfarramt sind mit dem Riss und Überschlag in pädagogischer Hinsicht einverstanden. Grundherr ist der Pfarrer zu Grafenhausen, welcher der Gemeinde einen Beitrag von 156 fl. in drei Jahren anbietet. Hiermit ist aber die Gemeinde nicht zufrieden, sondern legt eine Abschrift der Zehntgefällsteuer in reinem Betrag von 633 fl. 29 Kr. mit der Bitte vor, nach Genehmigung des Schulhauses den gesetzlichen hälftigen Zehntbetrag also 316 fl. 45 Kr. auf den Zehntherr zu devotieren. –

 

Nach Angaben des herrschaftlichen Vogts zu Birkendorf vom 3. März 1815 bezog der Pfarrer (Häfele) von Grafenhausen aus der Gemeinde Birkendorf an Großzehnten nach Schaffhauser Maß:

 

                        Kernen                                               24    Viertel

                        Vesen              96 Muth          3 ¼  Viertel

                        Gerste             5 Muth            1 ¼  Viertel

                        Mischelten      7 Muth            3 ¼  Viertel

                        Hafer              45 Muth          3 ¼  Viertel

                        Zusammen an Wert:                                     583 fl. 29 Kr.

 

Ferner an Kleinzehnten, welcher durch Abschätzung auf jährlichen Betrag mit 50 fl. festgesetzt wurde. Somit beträgt der Jahresempfang

633 fl.  29 Kr.

Nach dem Bericht des Amtes Bonndorf beläuft sich der Kostenvoranschlag für den geplanten Bau auf 1995 fl. 22 Kr. ; die Kinderzahl betrug damals siebzig. –

 

Nach dem Großh. Bad. Anzeigeblatt für den Seekreis Nr. 38 vom 12.5.1830 war der Zehntherr nur zur Erbauung eines ersten Schulhauses verpflichtet. In Frage kam hier für diese Zeit der Pfarrer von Grafenhausen.

 

Er berichtete an die Kreisdirektion Konstanz, dass die Filialgemeinde Birkendorf, wo der Zehntherr ist, schon 1786 ein Haus erbauen ließ, worin Schule gehalten werden sollte und auch zu diesem Zwecke benutzt wurde, aber keine Lehrerwohnung enthält, weil die Gemeinde immer einen Bürger mit eigener Wohnung als Lehrer besaß und lehnt aufgrund obiger Verfügung als dezimatorischer [Zehntberechtigter]Pfarrer zu Birkendorf seine Beitragspflicht ab. Dem jahrelangen Streit wegen des neuen Schulhauses wurde ein rasches Ende bereitet durch die Stiftung bzw. Überlassung des schule im rathausGantert‘schen Hauses an die Gemeinde Birkendorf. Die Gemeinde war schon durch eine frühere Stiftung bedacht worden und zur Beseitigung der schlechten Schulverhältnisse stiftete die ledige Maria Gantert, Tochter des 1820 verstorbenen Johann Gantert ihr eigenes geräumiges Wohnhaus nebst Garten, Scheune, Stall und Schopf der Gemeinde zu einem Schul- und Rathaus. Die Bedingungen unter welchen diese Stiftung gemacht wurde – Stiftungsurkunde vom 20. Nov. 1830 – verspricht die Gemeinde zu erfüllen. (siehe früher).

 

Die Urkunde vom 21. Januar 1831 sagt, dass die Abhaltung der Jahrtage für die Kirchenfabrik  Birkendorf [?] mit Auflagen verbunden ist, der Zehntherr, Pfarrer von Grafenhausen, durch diese Stiftung gewinnt, ihm als 300 fl. im Sack bleiben, weil ein Schulhausneubau sich durch diese Stiftung erübrigt. Nach Einholung der behördlichen Genehmigung zum Um- bzw. Ausbau des Gantert‘schen Anwesens für Schulzimmer und Lehrerwohnung und nach Regelung weiterer Formalitäten, wurde dieses Haus zum Schulhaus bis 1928.                                                                                                                                                               

             

Wie aus vorstehendem zu ersehen ist, lag die Aufsicht des Schulwesens einst in Händen der Kirche. Der Pfarrer von Grafenhausen stand hier an der Spitze der Schulbehörde und überwachte den Unterricht. Er war Inspektor und Visitator. An Stelle der Geistlichen traten in den späteren Jahren weltliche Aufsichtsbeamte. Nur noch Beaufsichtigung des Religionsunterrichtes steht den Geistlichen zu. Durch das Unterrichtsgesetz von 1868 entstand die Simultanschule fakultativ und ab 1876 wurden sie obligatorisch eingeführt, d.h. die Kinder aller Bekenntnisse besuchen dieselbe Schule, nur der Religionsunterricht wird nach Bekenntnissen getrennt.

 

Entsprechend der Einwohnerzahl ist die Zahl der Kinder an der Volksschule seit Jahrzehnten in solcher Stärke, dass zwei Lehrkräfte hier beansprucht werden. Das Schulhaus, weit über 100 Jahre alt, heute Rathaus, Kindergarten (Seit 1. Juli 1936) und im 2. Stock Privatwohnungen, genügen den Anforderungen nicht mehr, weder in räumlicher noch in hygienischer Beziehung, ganz abgesehen davon, dass das ganze Jahr kaum ein Sonnenstrahl infolge der nahen Kirchengebäulichkeiten in den einen Schulsaal dringen konnte, während die Hauptfenster des 2. Saales nach Norden liegen.

 

Aus diesen und anderen Gründen befasste sich im März 1924 die Gemeindeverwaltung ernstlich mit dem  Plane, ein neues Volksschulgebäude zu erstellen. Leider war die Zeit für ein solches Projekt weniger günstig; denn das angesammelte Kapital war im Krieg als Anleihe angelegt worden und ist durch die Inflation verloren gegangen (50.000 Mark). Aber trotz aller Schwierigkeiten wagt sich damals Bürgermeister Heinrich Bernauer an die schwere Aufgabe. Die Geldfrage war natürlich die schwerste und daher wurden zur ersten Finanzierung verschiedene Geldinstitute angegangen um Darlehen wie: Die Landesversicherungsanstalt in Karlsruhe, die Bad. Staatsschuldenverwaltung in Karlsruhe, die Badische Bauernbank Freiburg, die Bad. Bank in Karlsruhe, der Vorschussverein in Birkendorf, die Rheinische Hypothekenbank in Mannheim, die Schaffhauser Kantonalbank, die Bad. Bauernbank in Bonndorf, die Liegenschafts-Hypothekenverwaltung Freiburg, die Bad. Fürsorgekasse für Gemeinde- und Körperschaftsbeamte Karlsruhe, die Bad. Girozentrale Mannheim, ja selbst private Adressen wurden aufgesucht bis zum Minister der Finanzen (Finanzminister Köhler) aber alles ohne Erfolg.

 

Doch: Steter Tropfen höhlt den Stein. Durch wiederholte Eingaben, Bittschriften und selbst Gänge des Bürgermeisters an staatliche Stellen um Kredite und Beihilfen wie zum Ministerium des Kultus und Unterrichts und Mitgliedern des Landtages wurde erstmals ein Steuerzuschuss von 25.000Mark erreicht, für später nochmals ein Nachtrag versprochen

 

 

 

neue SchuleDie Baugenehmigung wurde am 9. Sept. 1924 vom Bezirksamt Waldshut (heute Landratsamt) erteilt. Mit den Bauarbeiten wurde im Frühjahr 1925 begonnen. Die Gesamtkosten für den Bau waren auf 105.000 Mark (ohne Einrichtung) veranschlagt. Der Aufpreis für den Platz betrug 4.500 Mark. ein außerordentlicher Holzhieb von 1500 fm war zur Deckung von Kosten genehmigt worden; später nochmals 1000 Festmeter.

 

Andere Ortsgemeinden kamen zur Deckung der Neubaukosten nicht in Frage. Die Ortsgemeinde Igelschlatt besaß keinerlei Vermögen. Die Höfe Horben sind fast ausschließlich Eigentum der Domäne und konnten nicht zur Mittragung der Kosten herangezogen werden.

 

Wenn auch seiner Zeit die hiesige Gemeinde einen Umlagesatz von nur 0,30 Mark für 100 M Steuerwert hatte, so wurde in einer Eingabe an das Ministerium des Kultus und Unterrichts dieser niedrige Satz damit begründet, dass die Ertragsverhältnisse der Grundstücke hier auf dem hohen Schwarzwald sehr gering sind und 10 Pfennig von den hiesigen Bewohnern schwerer verdient werden müssen als im Rheintal oder anderswo eine Mark, ferner, die männlichen Bewohn ihren Verdienst außer in landwirtschaftlichen Betrieben als Holzhauer, Wegarbeiter oder Steinklopfer suchen müssen. Die Bewohner leben trotz härtester Arbeit in ärmlichen Verhältnissen. Die Verdienstmöglichkeiten sind aus Mangel an Industrie sehr gering. Die Erträgnisse aus Gärten und Feldern können infolge der Weltabgeschiedenheit des Dorfes nicht nur auf Wochenmärkten abgesetzt werden, das gleiche gilt auch für Butter und Eier. Diese und andere angeführten Gründe bestimmten bisher die Gemeindeverwaltung die Umlage so niedrig als möglich zu halten.

 

Zusammenstellung der Baukosten für den Rohbau des Schulhauses.

 

Grabarbeiten                                                 1517.66 M

Bruchsteingewinnung                                  1471.96 M

Bruchstein-Anfuhr                                         1030.37 M

Maurerarbeiten                                           18500.12 M

Maurerarbeiten, kleinere                             1269.18 M

Zimmerarbeiten (Holz)                                 5995.25 M

Abbinden (Isele)                                            4860.72 M

Blechnerarbeiten                                          2593.40 M

Eisenbetonarbeiten                                       7304.80 M

Kunststeinlieferung                                       5584.67 M

Dachdeckerarbeiten                                      1016.84 M

Schmiedearbeiten (Kaiser – Blatter)            1260.10 M

                                                                     52405.07 M

 

Hierzu von der Gemeinde                             6000.—M

Müller, Architekt, Freiburg                            6900.—M

weiter von der Gemeinde geliefert             4810.—M

                                                                  70156.07 M

 

Hierzu kommen die Auslagen für Glaser, Schreiner, Maler, Tapeziererarbeiten, Boden- und Wandbeläge, Elektro-Installationen, Heizungsanlagen, weitere Architektenhonorare, Kosten der Bauleitung, Reisespesen etc., so dass die Gesamtkosten für den Bau im Jahre1926 auf 147.600.—Mark    veranschlagt wurden.

 

Es ist mehr als lobenswert, dass das Hais wehen der Höhenlage der Gemeinde äußerst solide gebaut wurde.

 

Am 12. Februar 1928 (Sonntag) war Schulhauseinweihung. Das damalige Volksblatt (Bonndorf) berichtet darüber in einem zweispaltigen Artikel folgendes:

 

 

Trotz Sturm und Schneegestöber herrschte Festesfreude in der Gemeinde. Bei feierlichem Geläute der Glocken begab sich die Gemeinde zum Festgottesdienst, wo Pfarrer Schmiederer in seiner Predigt des Tages gedachte. Im Festzug bewegten sich hernach sämtliche Vereine zum neuen Schulhaus, wo die kirchliche Weihe begann mit dem „Te Deum“.

 

Nachmittags ½ 2 Uhr begann die weltliche Feier mit dem Abschied vom alten Schulhaus, wo der damalige Hauptlehrer Schwörer einen Überblick gab über die Geschichte des alten Schulhauses, das fast 100 Jahre als solches diente und einstens ein Geschenk an die Gemeinde war von einer Tochter des ehemaligen Gantert’schen Geschlechtes.

 

Der Fortsetzung der Feier im neuen Hause folgten kurze Ansprachen von Architekt Müller, Frbg., Bürgermeister Bernauer, Hauptlehrer Schwörer, Regierungsrat Dr. Straub und Kreisschulrat Eisinger.

 

Der schöne Bau ist wirklich eine Zierde des Dorfes, ein Wahrzeichen für kommende Geschlechter zur denkwürdigen Erinnerung, dass kein Opfer gescheut wurde, der Nachwelt ein nützliches Denkmal zu erstellen, dass, wenn auch die Stürme kommen, der Bau ein Zeugnis sein wird von Opfermut und Opfergeist der Birkendorfer.

 

Aber auch heute noch gedenken wir in Ehren des schon verstorbenen Bürgermeisters, der keine Mühe und keinen Weg scheute, das für die Jugend begonnene Werk zu Ende zu führen.

 

Ehre sei seinem Andenken!

 

Die Lehr säle der Volksschule liegen im Erdgeschoß, darüber die Wohnung des Schulleiters und ein Saal für die Gewerbeschule. Im Kellergeschoss befinden sich drei Badekabinen, ein Duschraum und eine Küche für die Mädchenberufsschule.

 

Bei Schuljahresbeginn im Herbst 1951 zählte die Volksschule 85 Schüller, 41 Knaben und 44 Mädchen. Unter den Schülern waren 10 Flüchtlinge, die teils aus Ostpreußen und Schlesien, teils aus Pommern, der Berliner Gegend oder Mecklenburg stammten. Nach der Religion verteilten sich die Schüler in 75 Katholiken und 10 Evangelische, zu letzteren zählten hauptsächlich die Flüchtlingskinder. Die Volksschüler von Igelschlatt, Horben und Witzhalden besuchen ebenfalls die hiesige Schule.l