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14 Feste und Bräuche

18. Kirchliche und bürgerliche Feste und Bräuche

 

Wie beginnen mit der Betrachtung der Feste und Bräuche mit Weihnachten, das den Reigen der christlichen Feste eröffnet; denn auf diesen Tag legte die Kirche die Geburt des Heilands. Weihnacht heißt so viel als geweihte oder heilige Nacht. Es ist an Stelle des Mittewinter – oder Julfestes getreten. Von unseren heidnischen Vorfahren wurde die Sonne als höchstes Wesen verehrt; sie spendet Licht, Wärme und somit Leben und gewährt die notwendigen Vorbedingungen für das Erwachen in der Natur. Im Mittelpunkt des Weihnachtsfestes stehen der Lichterstrahlende Weihnachtsbaum und die Bescherung. Der Tannenbaum ist zwar eine Errungenschaft neuerer Zeit. Er ist bei uns bunt geschmückt mit allerlei Flitterkram. Unter ihn legen in der Heiligen Nacht viele Leute unseres Dorfes zwölf Zwiebelschalen mit einer Prise Salz darin. Die Schalen, in denen das Salz vergangen ist, sollen die nassen, die übrigen, die trockenen Monate bedeuten. Wettervoraussagend soll auch gelten für das ganze Jahr:

Wie die Witterung vom Weihnachtstage bis Hl. Dreikönig sich verhält, so ist es das ganze Jahr bestellt, also das Wetter der sog. heiligen zwölf Nächte ist maßgebend für das der einzelnen Monate des neuen Jahres. Auch das Karfreitagswetter soll bestimmend für den folgenden Sommer sein. Doch viele Wettersprüche und Bauernregeln erweisen sich freilich als unbrauchbar, besonders diejenigen, in denen das Wetter eines einzelnen Tages, eines sog. Lostages, entscheidend für die Wetterlage eines späteren Zeitraumes hingestellt wird. –

 

An Weihnachten beschenken sich die Kinder und Erwachsenen einer Familie gegenseitig, je nachdem der Geldbeutel es erlaubt. Die Bescherung ist gewöhnlich am Heiligen Abend und ihr gehen vielfach größere Heimlichkeiten voraus. Wie vielerorts ist auch hier das „Weihnachtsgutselebacken“ üblich. Der Lebkuchen ist ebenfalls ein treuere Begleiter des Weihnachtsfestes.

 

Die Sylvesternacht geht ohne besonderen Brauch in unserem Dorfe vorüber; sie wird meist familiär bei etwas Wein und Brötchen oder einem guten Schmaus, wer es sich leisten kann, gefeiert. Um 12 Uhr nachts begrüßt die Musik das anrückende Jahr; die Glocken läuten und die Jugend bei Tanz, geht nach Hause und wünscht den Angehörigen das neue Jahr an. Am Neujahrstag findet das übliche Glückwünschen statt. Die Kleinen gehen in den Häusern herum, um ihre guten Wünsche „an den Man“ zu bringen.  Das Wichtigste hierbei ist ihnen aber das Geldgeschenk, das sie für ihre Verslein erhalten; vielfach findet das Glückwünschen in Form Gesungener Verse statt. Als besonderes Gebäck gibt es über die Jahreswende in den Häusern Eiringe, Kränze oder Zöpfe aus Hefeteig und „Birrewecke“ aus Brotteig mit gedörrte, gemahlenen Birnen hergestellt.

 

Jedes Jahr am 2. Januar ist der „Gmeiwerktig“. Morgens gegen 9 Uhr, versammeln sich an diesem Tag die Bürger des Dorfes in einem Schulsaal der Volksschule unter Leitung des  Bürgermeisters. Die Tagung beginnt mit Beten von fünf Vaterunser und dem Glauben; hernach werden die Gemeindedienste vergeben, wie Fahnentragen bei Prozessionen, Kirchenaufsicht, der Stundenlohn bei Gemeindearbeit wird festgesetzt, die Bürger der Gemeinde werden bekanntgegeben und wer in den Genuss der Allmendfelder nachrückt im Falle eines verstorbenen Bürgers.

 

Der 6. Januar, der Dreikönigstag, wird von Jugendlichen als die frei Könige: Kaspar, Melchior und Balthasar verkleidet, gefeiert. Sie gehen von Haus zu Haus, singen ihre Sternlieder und lassen sich dafür gern mit Geld beschenken. Die drei Burschen sind in weiße Gewänder gehüllt mit zackiger Krone auf dem Kopfe und einer trägt einen großen Stab mit einem leuchtenden Stern darauf. Natürlich fehlt der schwarze König dabei nicht. Mit diesem Dreikönigstag finden die Weihnachtsbräuche ihren Abschluss. Über den Türen werden noch die Buchstaben K+M+B mit Kreide angebracht, die drei Weisen mögen das Haus beschützen und segnen.

 

Maria Lichtmess (2.II.) spielt bei den Bräuchen unseres Dorfer keine große Rolle. Nur hört so um diese Zeit herum das „Stubete gehen“ allmählich auf. Es sind das Nachmittagsbesuche von älteren und jüngeren Frauen bei gut bekannten und verwandten Familien, wobei allerlei Dorfneuigkeiten und –vorkommnisse gründlich durchgesprochen werden.

 

Die Fastnacht bringt, wie vielerorts, ausgelassenes Leben in unser Dorf.

Das Wort Fastnacht hat nichts mit Fasten oder sich Entbehrungen auferlegen zu tun, sondern hängt mit „vasen“ – herumschwärmen oder ausgelassen sein, zusammen. Fastnacht deutet den Beginn der christlichen Fastenzeit an, wo man sich nochmals ordentlich gütlich tut an Essen und Trinken, Spiel und Scherz. Am Donnertag vor der eigentlichen Fastnacht, am „feisten Duschtig“, beginnt man hier zum ersten Mal mit der Verkleidung. Am schmutzigen Donnerstag ist der Hemdglonkerumzug durch das ganze Dorf mit Voranttritt der hiesigen Dorfmusik, die dabei ihren Narrenmarsch spielt. In manchen Häusern werden Fastnachtsküchle gebacken, hierfür ist besonders der schmutzige Donnerstag ausersehen. Mit Anmalung der Gesichter oder mit den Masken will man schließlich die bösen Geiste erschrecken oder vertreiben. Das lustige Treiben findet am Fastnacht-Dienstag sein Ende mit der Fastnachtsverbrennung, der „Bög“, einer Puppe aus Stroh, deren Sterben unter Heulen und dem Gejammern der Schuljugend vor sich geht.

 

Am Sonntag nach der Fastnacht, der sof. „alten Fasnet“ findet abends auf einer kleinen Anhöhe das Abbrennen eines Funkens (großer Reisighaufen) statt. Die Holzwellen hierzu werden nachmittags von der männlichen Schuljugend, von Haus zu Haus gehend, gesammelt mit dem Ruf:

                        Welle, Welle,Strau oder e alti Frau

                        und e alte Huet, denn isch alles guet.

 

Größere, ältere Burschen des Ortes nehmen sich die Ehre, den Haufen anzuzünden. Beim Abbrennen werden Lieder gesungen und Scheiben geschlagen unter dem Vers:

 

                        Schibo, Schibi über de Rhi,

                        wem soll denn au die Schibe si?

                        Die Schiebe soll de (Marie) si.

 

Später löst sich dann der Menschenhaufen auf und zieht heimwärts.

 

Die Fastnachtszeit ist vorüber, der Winter geht auch so gemächlich dem Ende entgegen und die Karwoche beginnt und endet, ohne dass ein besonderer Brauch aus früherer Zeit Stammend, erhalten geblieben wäre. Zu nennen wäre eigentlich nur das Backen der Judasküchle am Karfreitag, und wer als erster eines ist, gilt als der Judas des Tages. –

 

Der Palmsonntag steht vor der Türe. Tags zuvor suchen die Buben ein passendes Tännchen im Walde, das am Palmsonntagmorgen reich mit Papierbändern und –rosen geziert an einer langen Stange befestigt zur Weihe in die Kirche betragen wird. Die geweihte Palme wird zu Hause am Gartenhag befestigt. Es wird ihnen eine besonder Heil- und Zauberkraftzugeschrieben.

 

Mit dem Osterfest halten Freude und Fröhlichkeit wiederum ihren Einzug. Bei unseren Altvorderen galt schon das Ei als Sinnbild der Fruchtbarkeit, ähnlich wie das Samenkorn. Es spielt auch an Ostern bei uns eine angenehme Rolle, besonders bei Kindern. Die Ostereier sind bunt bemalt und die Kleinen bekommen sie sodann vom Osterhasen ins Osternest gelegt, das irgendwo im Hause oder im Freien versteckt liegt und gesucht werden muss, zur Freude der kleinen Sucher.

 

Wie vielerorts, so wird auch in Birkendorf in der Nacht zum Wonnemonat (30.IV.- 1.V.) der Maibaum aufgestellt. In größter Heimlichkeit holen die Burschen im Walde Tannenbäumchen, schmücken sie mit bunten Bändern und in dieser ersten Maiennacht wird der „Maie“ auf dem Dache des Hauses, worunter die geliebte Dorfschöne ruht, befestigt. Wenn der erste Maitag erwacht, schaut die Jungfrau heimlich zum First des Hauses, ob ihr wirklich die Ehre eines „gesetzten Maien“ angetan wurde. Es kommt auch vor, dass aus irgend einem Grund die Hübsche übergangen oder ihr, falls sie durch ihr Verhalten sich unbeliebt bei den Jungmännern gemacht hatte, ein Besen oder ein dürres Bäumchen gesteckt wurde.

 

Aber auch böse Geister gehen in dieser Nacht im Dorfe um, und die suchen nach Schubkarren, Wagenrädern, Gartentüren, Bänken und ähnlichen herumstehenden Gegenständen, die dann bei Tagesanbruch auf einem Dach, oder im Brunnentrog oder auf Bäumen zu finden sind. Dieser Brauch ist nicht immer lobenswert und hat schon oft viel böses Blut gegeben.

 

An Fronleichnam werden die Straßen, durch die sich die Prozession bewegt, auf beiden Seiten mit frischbelaubten Buchenästen geschmückt, wie auch die Altäre. Vor vielen Häusern sind mitunter z.T. kunstvolle Blumenteppiche angelegt. Nach Schluss der kirchlichen Feier nehmen die Ortseinwohner von den geweihten Zweigen an den Altären mit nach Hause und, da ihnen wie dem Palmwedeln eine geheime Kraft zugeschrieben wird, werden sie in Stallung und Speicher gebracht, wo sie vor Unglück schützen sollen.

 

Inzwischen ist der Heuet angekommen, der dem tätigen Landwirt auch Unangenehmlichkeiten beschert, zu denen vro allem die starken Gewitter zählen. Von den oft niedergehenden Hagelkörnern holt man sich einige solcher Hagelsteine, legt sie in den Weihwasserkessel in dem Glauben, das Unwetter mildere dadurch den Schaden. Bei einem Hausbrand wirft man Agathasalz oder solches Brot in das Feuer, mit dem Wunsche, der Brand möge keine größere Ausdehnung nehmen.

 

Am 15. August ist Kräuterweihe. Ein mehr oder weniger kunstvoller Strauß, im Volksmund „Chrüterbuschle“ geheißen, aus einem großen Krautblatt bestehend, worauf Gartenfrüchte aller Art in schöner Form angeordnet sind, werden an diesem Tag zur Weihe in die Kirche getragen. Nach dieser Zeremonie wird die Buschele zu Hause „usg‘hüttlet“ (zerlegt), die Kräuter erhält das Vieh, und der Mensch die essbaren Früchte als Speise. Von den „Ähri“ erhalten einen Teil die Hühner, und der Rest kommt auf die Schütti, d.i. der obere Speicher als Schutz gegen Blitzgefahr.

 

Kleinere religiöse Bräuche begleiten den Menschen in seinem ganzen Leben. Hochzeiten warden  ehemals mit Böllerschüssen begangen. Das Schießen wurde jedoch wegen der vielen Unglücksfällen, die da und dort vorkamen, mit Recht verboten. Die oft mehrere Tage dauernden Hochzeitsfeiern wurden ebenfalls von Amts wegen eingeschränkt. (siehe früher)

 

Dass die Birkendorfer auch die Toten ehren, sieht man schon an dem gepflegten Gräbern, die vom zeitigen Frühjahr bis zum Herbst im Blütenschmuck stehen. Sie kommen ihren Dahingeschiedenen auch mit hl. Messen und Gebeten zu Hilfe.

 

Es war vor Jahrzehnten die Totenwache üblich, bei der allerdings nicht allein gebetet, sondern manchmal auch gezecht und gespielt wurde. Darum wurde der Brauch der Totenwache abgeschafft. Statt dieser Wache wird abends, solange der Verstorbene im Haus liegt, der Rosenkranz in der Kirche gebetet. Das Totenmal oder Gastig wird nur noch in bescheidenem Maße abgehalten.

 

Zu einer bestimmten Zeit im Jahre gedachte man schon früher allgemein der Toten, etwa zu Beginn des Herbstes oder aber in dessen Mitte. Unter der Einwirkung der Kirche ist der Monat November, die dem Gedenken der Toten gewidmete Zeit Geworden. Auch hier in Birkendorf gehen die Bewohner am ersten und zweiten November in einer Prozession auf den Friedhof, wo schon Tage zuvor die Gräber der lieben Verstorbenen hübsch geziert und mit verschiedenartigen Blumen geschmückt wurden, um an dieser Stätte zu beten. Selbst bei so manchem fröhlichen Fest zu Hause oder in Gemeinschaft vergisst man die Toten nicht. Die Brautleute besuchen vielfach nach der Trauung die Grabstätte der Eltern oder naher Verwandten. Immer bleibt die Liebe und Anhänglichkeit den Verstorbenen gegenüber groß und stark.