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13 Kirchliches: Seelsorge, Unionistischer Kirchenfonds, unser Gotteshaus, Stiftung der Maria Gantert

15.  Kirchliches

 

In einer im Jahre 1095 (5.10.) zu Lyon erlassenen Bulle des Papstes Urban des II. wurde Besitz des Klosters Allerheiligen bezeichnet: Allerheiligen (b. Schaffhausen) besitzt im Schwarzwald den Ort Grafenhausen, Schluchsee und Berg Staufen. Seine Besitzungen gehen bis Titisee. Das Grafenhauser Stift war ein Frauenkloster. Das Kloster Allerheiligen wurde 1050 gegründet und ist von einem Stifter Graf von Nellenburg alsbald mit ausgedehnten Waldungen begabt worden.

 

Die Kirchlichen Verhältnisse in Grafenhausen um 1377 waren so, dass die Klosterleute, das sind die Bewohner des Klosters die von dem Seelsorger des Stifts St. Finden betreut, die übrigen Leute, die links des Grundbaches und an der Schlücht wohnten, von einem besonderen Leutpriester religiös gelenkt wurden, der in Birkendorf wohnte, und somit zählten diese Menschen zur Pfarrei Birkendorf.

 

Seiner Einkünfte wegen musste der damalige Pfarrer darauf bedacht sein, dass das Kloster ihm seine Bezüge nicht schmälerte.

 

Der Kreuzzugszehnt wurde hier verschiedenen Orts erhoben. Birkendorf hatte weniger gute Verhältnisse. Die Pfarreieinkünfte betrugen weniger als sechs Mark Silber, blieb daher vom Kreuzzugszehn verschont.

 

Mit dem Eingang des Klosters in Grafenhausen erlitt das religiöse Leben eine merkliche Einbuße. Die Klosterkirche wurde vom Birkendorfer Weltpriester pastorisiert, dadurch wurde St. Finden eine Filiale von St. Margarethen in Grafenhausen standen Birkendorf bis zum Jahre 1610. Ein Umstand brachte in diesem Jahre eine Änderung der Dinge. Das Pfarrhaus in Birkendorf war baufällig geworden und niemand traf Vorbereitungen zur Instandsetzung. In seiner Not wandte sich der Pfarrer an den Bischof von Konstanz und unterbreitete ihm den Vorschlag, den Pfarrsitz zu wechseln.

 

In Grafenhausen standen die alten Klostergebäude unbenützt und waren in gutem Zustande. Sie boten Raum genug für den Pfarrer. Der Bischof entsprach diesem Gesuch und St. Margareten wurde dadurch Filiale von T. Finden. Nur zwölf Jaqhre währten diese günstigen Verhältnisse. Im Jahre 1622, bei der schrecklichen Feuersbrunst, wurde der größte Teil des Ortes Grafenhausen vernichtet, auch Kirche und Pfarrhaus sanken in Schutt und Asche. der tatkräftige Abt Martin (1596 – 1625) ließ alsbald mit dem Kirchenneubau beginnen; doch es währte dreißig Jahre, bis der Bau fertiggestellt war. Erst 1656 konnte die neuerstellte Kirche eingeweiht werden. Die alten Leute, die noch die alte Klosterkirche geschaut hatten, waren bitter enttäuscht, da der Neubau an Schönheit und Wucht der alten weit nachstand.

 

Über 150 Jahre musste nach dem Brand der Seelsorger in einem Bauernhaus sein Asyl aufschlagen, ehe ein neues Pfarrhaus entstand.

 

Im Jahre 1763 wurde der Grundstein gelegt. Im gleichen Jahre gab es bald Schwierigkeiten. Im Birkendorfer Steinbruch gingen die Steine aus. Man sah sich genötigt, sie in Schleitheim brechen zu lassen. Bettmaringen, auch Dillendorf übernahmen das Herführen. Auch ein Birkendorfer Handwerker, Frz.Jos. Fritz, arbeitete 51 Tage am Bau mit seinem Bub und einem Gesellen die Dachrinnen und die Traufe am Dache. Von seiner Kunst zeugten die beiden Drachenköpfe. Als Stuckateur schaffte daselbst ein Gamb von Laufenburg. Die Schmiedearbeiten verrichtete z.T. Konrad Schnitzer und die Glaserarbeit Konrad Pflüger,beide von Birkendorf. Fronarbeiten wurden auch von Birkendorfern geleistet.

 

Mit dem Pfarrhaus wurde auf Beschluss des Fürst-Abtes Meinrad zugleich mit dem Bauen eines Weinlagers begonnen. Der weite Raum des Kellers zog natürlich ein großes Pfarrgebäude nach sich.

 

An Kommunikantengeldern, Aniversarien (für jährl. Gedenktage) uns Unterhalt des Pfarradjunkten zahlt die Vogtei Birkendorf 25 fl. Der Parrer von Grafenhausen musste ein Pferd halten, um seinen Dienst in Birkendorf besser versehen zu können. Geroldshofstetten und Rippoldsried gehörten ehemals zum Kirchspiel Birkendorrf.

 

Schwer lasteten die Kriegsdistributionen auf den Gemeinden hier. Freund und Feind waren gleichermaßen beteiligt, die Landorte auszuplündern.

 

Schon um die Mitte des unseligen 30-jährigen Krieges mussten die Orte Bonndorf, Boll, Birkendorf, Brunnadern, Ebnet, Grafenhausen, Gündelwangen, Münchingen, Igelschlatt, Hürrlingen und Wittlekofen einen Schuldschein unterschreiben dem Kloster St. Blasien für die an den Feind bezahlten Gelder.

 

Nach dem Spanischen Erbfolgekrieg 1713/14 war die Not ebenfalls groß; das Malter Korn kostete 12 fl., halb so viel wie ein Stück Großvieh.

 

 

Seelsoge

 

In einer Verordnung (1775) Martins II. des Hl. Röm. Reichsfürsten und Abt des fürstl. Reichsstiftes St. Blasien auf dem Schwarzwald und Herr der Reichs- und Vorderösterreichischen Herrschaft Bonndorf, Staufen und Kirchhofen auch zu Gurtweil und Oberried, Sr. Röm. Kaisers zu Ungarn und Böhmen Königl. Apostol. Majest. Erb. – Erz-Hof-Kaplan in den Vorderösterrr. Landen wie auch daselbst Löbl. Prälaten Standespräsident wird bestimmt, dass die Einwohner zu „Bürkendorf“ sollen in dem Ort selbsten in die Kirche gehen und Begräbnis nehmen, auch jeden in dieser Pfarrei gewöhnlich und gebotenen Feier- Fast- und Kreuzgang halten, die gewöhnlich festtäglichen Opfer geben und begebende „Fahl“ das übliche Seelengreut erstatten.

 

Anmerkung: Zum Seelengereuth (Seelenheil) war z.B. für Riedern angeordnet um 1770:

 

Da in der Pfarrkirche einem Abgestorbenen an Sonn- oder Feiertagen das Opfer gehalten wird, solle für alle dreimalen dem Priester 18 Kr. und der Kirche für Wachs 6 Kr., an einem Jahrestag dem Priester 8 Kr. und der Kirche 2 Kr. bezahlt werden

 

Im Falle aber etwa einer dem Verstorbenen das Opfer an einem Werktag halten und der abgeleibten Seel zu Trost ein absonderliche hl. Messe lesen lassenwill, soll derselbige sich deswegen allezeit auch mit einem Priester absonderlich vergleichen und dafür ihm geben, was billig (recht) ist.

 

Die Pfarrkinder sollen auf die vier hohen Festtage ihren Opfer. und zu österlichen Zeit den gewöhnlichen Beichtpfennig bringen, nit weniger so oft eine kranke Person zu Hause mit dem hl. Sakrament versehen wird, dem Priester wie von Alten ein Batzen auf den Tisch gelegt werden. Ferner ein sonder Mißbrauch gewesen, das was Zusammengebung einer Ehe der Hochzeiten dem Priester an Geld in das Buch gelegt, solches die Hochzeiterin wiederum herausgenommen, solle dieses hiermit abgetan sein und was von Teilen in das Buch gelegt wird, fürderhin einem Priester verbleiben solle.

 

 

16.  Unionistischer Kirchenfond.

 

Unter diesem Titel wir die Vereinigung bzw. gemeinsame Verwaltung der vereinigten Kirchen, sowie auch ihre gemeinschaftliche gegenseitige Verwendung der Einkünfte verstanden unter dem christlichen Grundsatz:

 

Die reichere Kirche soll der armen zur Hilfe kommen. Wann die Union ihren Anfang genommen hat, kann nicht mehr erwiesen werden. Nur aus Kirchenrechnungen ist zu ersehen, dass dieser Fonds 1543 bestanden hat.

 

Hierzu gehörten die einberleibten Kirchen und Kapellen von:

Achdorf, Aselfingen, Bettmaringen, Birkendorf, Blumegg, Boll, Bonndorf, Brunnadern, Dillendorf, Eschbach, Eattingen, Fützen, Grafenhausen, Grimmelshofen, Gündelwangen, Lausheim, Lembach, Mauchen, Nünchingen, Opferdingen, Oberwangen, Schluchsee, Überauchen, Wellendingen und Wittlekofen an.

 

Ob die Union mit päpstlicher oder bischöflicher Bestätigung errichtet worden war, ist schwer zu beweisen, hingegen ist gewiss, dass die Bischöfe zu Konstanz mit vielem Eifer verlangt haben, dass ihre Abgeordneten dem Abhören der Kirchenrechnungen beiwohnen sollten, St. Blasien aber niemals einwilligte, obgleich die Union nach ihrem Ursprung nur allein zur gegenseitigen Unterstützung der darin einverleibten Kirchen dienen sollte, wurde dennoch das Einkommen nicht selten zu anderen Zwecken verwendet, in Kriegs- und Notfällen. Die Verwaltung der Vermögen geschah teils von geistlichen, teils von weltlichen Beamten. Die Amtsleute zu Bettmaringen und Bonndorf führten in Bezug auf ihre Obsorge und Rechnungsführung den Titel Oberpfleger.

 

 

7. Unser Gotteshaus

 

Unsere St. Margarethenkirche (13.7.) war sehr früh Pfarrkirche, deren Seelsorger um die Mitte des 14. Jh. an als sesshaft erwähnt werden, später wird unsere Pfarrei aus Selbstverschulden der Birkendorfer eine Filiale der St. Fideskirche zu Grafenhausen. Doch wurde nach einem Extraktus vom Jahre 1663 an Feiertagen die hl. Messe in Birkendorf gelesen und gewünscht, dass auch an Wochentagen selbige zelebriert werde.

 

Das Gotteshaus war mit der Zeit alt und Baufällig geworden, deshalb wurde im Jahre 1666 der Vorschlag zur Renovation und Erweiterung eingereicht. Die Neueinweihung erfolgte im Jahre 1671. (Bericht nach A.Kürzel).

 

ein zweites Gesuch um Wiedererrichtung der Pfarrei mit Hilfe des gestifteten Pfarrfonds von Johann Gantert und dessen Erben erfolgte am 19. Sept. 1829, doch zögerte sich des nötigen Kapitals wegen die Genehmigung um Jahrzehnte hinaus (bis1909).

 

Aus einem amtlichen Bericht von Bonndorf aus dem Jahre 1805 ist zu entnehmen, dass die ehemaligen Pfarrgüter zu Birkendorf 1667 verkauft wurden mit der Begründung, da ein Pfarrer, der nicht in Birkendorf wohnt, solche doch nicht gebrauchen kann.

 

Zur Wiedereinrichtung einer Pfarrei (Antrag vom Jahre 1807) erklärt sich der Gemeinderat bereit, 1500 fl. zum Pfarrhofbau beizutragen, sowie die nötigen Hand- und Fuhrfronten zu leisten. Die fehlenden 1000 fl. fielen dem allgemeinen Kirchenfonds zu, der aber s.Zt. imstande war, nur etwa 4-500 fl. beizutragen.

 

Unterschriftlich bekannten sich folgende Bürger für die Einrichtung einer Pfarrei:

1.  Gantert, Johannes                         2. Gantert, Lorenz                  3. Albrecht, Johannes

4. Vogelbacher, Johannes                  5. Fechtig, Anton                    6. Gantert, Benedikt  

7. Albicker, Johann                            8. Stiegeler, Joh.                    9. Stiegeler, Blasius

10. Josef, Johannes                            11. Gantert, Longin                12. Werner, Anton    

13. Rheiner, Philipp                           14. Albert, Lorenz                  15. Rheiner Johann

16. Beck, Bartolomä                          17. Rheiner, Johann               18. Eichkorn, Sebastian

19. Blatter, Jakob                               20. Kromer Leonhard             21. Wieser, Johannes

22. Berger, Johannes                         23. Ebner, Georg                    24. Seger, Vincenz

25. Berger, Joh.                                 26. Bergerin, Kathar.             27. Speth, Joh.

28. Leiber, Wendel                            29. Rebmann, Simon              30. Albrecht, Michael

31. Nüßle, Anton                                32. Fischer, Simon                  33. Graß, Konrad

34. Nüßle, Anselm                             35. Fischer, Willi                    36. Fischer, Bartolomä

37. Maier, Lorenz                              38. Stamm, Adam                  39. Kromer, Jos.

40. Rheiner, Alois                              41. Beck, Franz                       42. Matt, Adam

43. Pflüger, Alois                               44. Vogelbacher, Georg         45. Nüßle Raphael

46. Vogelbacher, Barto.                    47. Müller, Theodor               48. Stamm, Josef

49. Bick, Magnus                               50. Berger, Josef                    51. Kromer Donat

52. Flügel, Joh.                                   53. Albrecht, Thomas             54. Graß, Michael

55. Isele, Donat, Vogt                        56. Wieser, Joh.                     57. Fechtig, Fideli

58. Albrecht, Jakob                            59. Stritt, Antoni                     60 (Name unleserlich)

 

 

Die Stiftungsurkunde von Maria Gantert,

Tochter von Johann Gantert lautet:

 

S t i f t u n g

 

Nach reiflicher Überlegung habe ich mich bedachtsam entschlossen, nachstende Stiftung zu machen.

 

1.         Der Gemeinde Birkendorf schenke ich mein eigentümliches Haus mit Scheune und Stall, Schopf und Keller zu einem Schul- und Gemeindehaus und verlange aber, dass, wenn einstens eine Pfarrei errichtet werden sollte, dieses Haus ein Pfarr- und Schulhaus geben soll.

 

2.         In diesem Haus muss der Geistliche von Grafenhausen, wenn er zu geistlichen Verrichtungen hierherkommt, das Recht zum hinlänglichen Platz haben. Dafür müssen mir jährlich zwei Jahrtage gehalten werden:

einer am Samstag nach Kirchweihsonntag, der andere aber jedesmal an dem Tage, wo ich gestorben sein werde. Beide Tage müssen sowohl von dem Geistlichen als von dem Meßner unentgeltlich gehalten werden. Es muss Messe gelesen werden und das Grab besucht werden, wenn die Jahrtage gehalten werden. Dabei muss der Lehrer mit den Schulkindern fleißig erscheinen; er muss ebenfalls mit den Kindern an diesen Jahrtagen mittags um 12 Uhr in die Kirche gehen und durch andächtiges Gebet mein Andenken ehren. Dafür hat ein weweiliger Lehrer den Krautgarten und den Grasgarten bei und hinter dem Hause zu benutzen.

 

Wenn aber einstens eine Pfarrei errichtet werden sollte, so hat der Geistliche den ganzen Grasgarten und die untere Hälfte des Krautgartens zur Benutzung anzusprechen.

 

3.         Wenn aber einstens das Haus zu etwas andern als zu einem Pfarr- und Schulhaus verwendet werden soll oder die Jahrtage nicht mehr gehalten werden, so will ich ausdrücklich haben, dass dieses Haus alsdann verkauft und der Erlös zum Besten der Ortsarmen verwendet werden soll.

 

4.         Meine Schwester, Joh. Baptista, Klosterfrau in Berau, hat den ihr verschriebenen Platz im hinteren Stübchen samt dem halben Krautgarten während ihrer Lebzeit zu benutzen, wenn sie allenfalls einmal hierher kommen sollte.

 

Auf diese Art will ich der Gemeinde nützlich werden und will durch diese Stiftung den allgemeinen Nutzen fördern.

 

                                   Birkendorf, den 20. November 1830

                                               gez. Stifterin Maria Gantert

                                               Beistand: Andreas Berger, Vogt.

 

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Die heute versammelte Gemeinde nimmt mit dem herzlichen Dank diese Stiftung an und bewilligt der Stifterin Maria Gantert als Erkenntlichkeit folgendes:

 

1.         Werden ihr aus der Gemeindekasse dreihundert Gulden bares Geld ausbezahlt.

 

2.         Gibt man ihr das alte einstöckige Schulhaus als Eigentum, wohin sie das Bürgerrecht mit Bezug der Holzes aus ihrem bisherigen Haus hinziehen kann. Zugleich wird dasselbe während ihres Lebens von allen Gemeindefronen befreit.

 

3..        Da die Stifterin ledig ist und sich nicht mehr verheiratet, so darf das alte Schulhaus zu ihrer künftigen Verfügung nur um ein Stockwerk erhöht werden.

Zu diesem Bau gibt man ihr das notwendige Bauholz und die Bretter unentgeltlich ab und führt dieses zu dem alten Schulhause. Die anderen Baumaterialien muss die Stifterin aus ihrem Vermögen bestreiten; die Gemeinde führt ihr dieselben unentgeltlich zum Schulhause.

 

4.         Von Seiten der Gemeinde wird man sorgen, dass die vorstehenden Bedingnisse der Stifterin jederzeit genau und pünktlich vollzogen und befolgt werden.

 

                                   Birkendorf, den 21. November 1830

                                               gez. Vogt Berger

                                               Gemeinderechner Weiler

                                               Johann Wießer

                                               Michael Graß

                                               Ewald, Gerichtsschreiber

Es war ein harter Kampf bis zur Wiedererrichtung einer Pfarrei (lt.Akten). Die St Stiftungsvorstände der Gemeinde Grafenhausen, zu deren Kirchspiel Birkendorf gehörte, stimmten natürlich gegen die gewünschte Wiedererrichtung der Pfarrei Birkendorf.

 

Die Stiftungsvorstände zu Schhönenbach erschienen zur Abstimmung überhaupt nicht. Selbst von Birkendorf hatten von 31 Abstimmenden 27 gegen und nur 4 für das Projekt gestimmt.

 

Endlich hat der 22 Mitglieder große Ausschuss bei der Abstimmung in Birkendorf bezüglich der Opfer, die die Gemeinde für den Fall der Errichtung einer eigenen Pfarrei bringen sollte, gleichfalls „gegen“ abgestimmt, mit 12 zu 10 Stimmen, trotzdem zur Gründung einer Pfarrei oder wenigstens einer Kaplanei an Grundkapitalien vorhanden waren:

 

1.         Das Zehntkapital                                15078 fl 20 Kr.

2.         Grundablösungskapital                         868 fl. 20 Kr.

 

Das jährliche Einkommen eines Geistlichen würde demnach m ganzen 847 fl. 30 Kr. betragen bei einem 5% Zins vom Hauptkapital zuzüglich 50 fl. Stolgebühren, eine Dotation, wodurch das standesgemäße Leben eines Geistlichen gesichert wäre.

 

Selbst die Gemeinde hat sich zur nötigen Holzabgabe an ihren zukünftigen Pfarrer und zur baulichen Unterhaltung des Pfarrhauses bereit erklärt.

 

In der Antwort des Erzbischöfl. Ordinariates Freiburg vom 22. Dez.1859 wird vermerkt:

„Wir haben schon einigemal erklärt, dass zur Zeit wegen noch nicht hinreichendem Fonds eine eigene Pfarrei oder Kaplanei in Birkendorf  noch nicht errichtet werden kann, um so weniger, als auch die Gemeinde, die von den Wohltätern Gantert dazu bestimmte Fonds und Gebäude auf andere Weise verwendete wie der dortige Gemeinderat in seiner Eingabe vom 16. April 1859 selbst erklärt und eingestanden hat.“

 

                                                           gez. Dr. Ludw. Buchegger, Generalvikar.

 

Eine weitere Vergrößerung und Instandsetzung der Kirche brachte das Jahr 1931, wobei auch eine Heizungsanlage miteingebaut wurde. Im Innenraum auf der Epistelseite (Südwand) in Eingangsnähe ist ein Gedenkstein eingemauert, der die Namen edler Stifter trägt:

 

                                   Den Wohltätern unserer Kirche:

                                   Josef Schropp

                                   und dessen Ehefrau, geb. Rheiner von Genf

                                   und den übrigen Stiftern

                                   zum ewigen Gedenken.

 

Unsere Kirche hat eine West-Ostlage, d.h. der Chor zeigt gen Osten, und diese Stellung war im Mittelalter die Regel. Die Gründe hierfür liegen teils in der Geschichte des Christentums, teils auch in Beziehung auf Bibelstellen. In historischer Hinsicht war für Europa die Stellung des Chores eine Erinnerung, dass die christliche Kirche im Osten gegründet wurde, also auch der Kirchenbau sich darnach richten soll.

 

Auch die zweite Ankunft Christi am jüngsten Tage führt auf die östliche Stellung der Kirche; denn Christus wird kommen, wie ein gewaltiges Licht und von Osten nach Westen leuchten. Daraus folgt, dass man in der Kirche mit unverwandtem Blick sich vorbereiten soll auf die plötzliche Ankunft Christi, was natürlich zur östlichen Richtung der Kirche führte. Als „Licht der Welt“ wurde Christus im Mittelalter genannt (sol und oriens) und mit dem Sonnenaufgang verglichen, was ebenfalls nicht ohne Einfluss auf den Kirchenbau war. –

 

 

Jedes Mal wurden die Glocken während der beiden Weltkriege vom Turm geholt, doch im Frühjahr 1947 konnten glücklicherweise die beiden abgegebenen Stücke auf dem Glockenfriedhof in Hamburg aufgefunden und zurückgeholt werden, zur Freude der Einwohnerschaft.

 

Die Glockenablieferung in beiden Weltkriegen zwecks Herstellung vob Kriegsmaterial war jedesmal ein Geschehnis, das die Dorfbewohner tief im Herzen und Gemüt packte und nichts Gutes ahnen ließ.

 

Die Enkelin des Glockenfießers Kolumban Schnitzer hier (Luise) hat der großen Glock zu ihrem Abschied 1942 (16.III.) nachstehende Verse gewidmet:

 

Vom Hohen Turme schwer und bang

tönt der Glocke Abschiedsklang;

sie singt heut ihren Grabgesang. –

Achtundneunzig Jahre lang

rief ich vom Turme oft freudig, oft bang,

verkündete Freud und Leid und mahnte zur Ewigkeit.

 

Generationen sah ich geh’n und kommen,

mahnte Sünder und die Frommen

zum Gebet, zur Arbeit und Ruh,

rief mahnend allen Menschen zu.

 

 

 

 

Glockengießer Schnitzer, Kolumban

führte mich zur hohen Bahn.

Ich, als harter, guter Guss,

rief ihm übers Grab den Scheidegruß.

 

Ich rief das Kind zur Kirche erstem Gang,

das Hochzeitspaar mit hellem Klang,

dem Wand’rer  auf den letzten Wegen,

erflehte ihm des Himmels Segen.

 

Im Weltkrieg 26 Helden im fernen Grab

beklagte ich vom hohen Turm herab.

Mögen wohnen sie im ew’gen Frieden

nach hartem Kampf und Leid hinieden.

 

Und wieder kam der Krieg so blutig rot,

viele Deutsche starben den Heldentod.

Meine Klage dringt zum Sternenzelt

für deutsche Brüder, gefallen in aller Welt.

 

Doch auch ich blieb nicht verschont,

im hohen Turm, wo sonst der Friede wohnt;

ich musste hinuntersteigen zur Erde,

dass ich waffe gegen Deutschlands Feinde werde.

 

Vergesset nicht, dass ich rief so lange Zeit,

kurz ist das Leben, lang die Ewigkeit,

dort erst ist Ruh‘ und Frieden

nach Streit und Leid hinieden.

 

Dies ist meine Bitte, Zum Angedenken möge

Gott der Welt bald Frieden schenken,

dass kommt der große Friedenstag,

das ist mein Wunsch beim letzten Glockenschlag.

 

            Luise Schnitzer, Tochter des Glockengießers

 

 

Die Glocken verkünden heute wieder das Wohl und Wehe der Einwohnerschaft. Auf der größten, der zwölf Zentner schweren Glocke steht:

 

Im Jahre 1844 wurde ich von der löblichen Bürgerschaft Birkendorf

unter tätiger Mitwirkung des Bürgermeisters Weiler und

Gemeinderechners Keßler hierher gestiftet und vom

Glockengießer Kolumban Schnitzer gegossen.

 

 

 

 

Verzeichnis der Glocken,

die von Columban Schnitzer

bis zum 1. Januar 1881 gegossen wurden

 

OZ       Jahr     Empfänger     Ort                              Amtsbezirk                Gewicht in Pfund

1.         1843    kath. Gde        Kappel                        Neustadt                     900

2.         1843                             Kappel                        Neustadt                     450

3.         1843                             Kappel                        Neustadt                     270

4.         1844    kath. Gde        Birkendorf                  Bonndorf                    1200

5.         1844                             Birkendorf                  Bonndorf                    360

6.         1845    ev. Gde            Gächlingen                 Schaffhausen              2100

7.         1845                             Gächlingen                 Schaffhausen              900

8.         1845                             Gächlingen                 Schaffhausen              538

9.         1845                             Gächlingen                 Schaffhausen              260

10.       1845    kath. Gde        Staufen                       Bonndorf                      70

11.       1845    Rathaus           Riedern                       Bonndorf                    140

12.       1845    kath. Gde        Bärental                     Neustadt                     200

13.       1845                             Bärental                     Neustadt                       90

14.       1846    kath.Gde         Raßbach                     Waldshut                    100

15.       1846    kath. Gde        Schönenbach              Bonndorf                  140

16.       1847    kath .Gde        Obermettingen          Bonndorf                    340

17.       1848    kath. Gde        Breitnau                     Neustadt                     125

18.       1848    kath. Gde        Epfenhofen                 Bonndorf                    400

19.       1848    Sternen           Freiburg                                                             80

20.       1849    kath. Gde        Horheim                     Waldshut                    120

21.       1849    kath. Gde        Boll                             Bonndorf                     100

22.       1849    kath. Gde        Unteralpfen                Waldshut                    600

23.       1849                             Unteralpfen                Waldshut                    300

24.       1849                             Unteralpfen                Waldshut                    140

25.       1849    kath. Gde        Rechberg                    Waldshut                    140

26.       1851    kath. Gde        Gündelwangen           Bonndorf                   400

27.       1852    kath. Gde        Höllsteig                     Freiburg                         80

28.       1852    kath. Gde        Unterwangen             Bonndorf                    140

29.       1852    kath. Gde        Seewangen                 Bonndorf                    200

30.       1859    kath. Gde        Stühlingen                  Waldshut                    200

31.       1860    kath. Gde        Hochsal                       Waldshut                    3200

32.       1860                             Hochsal                       Waldshut                    1450

33.       1860                             Hochsal                       Waldshut                    900

34.       1860                             Hochsal                       Waldshut                    450

35.       1867    kath. Gde       Grafenhausen             Bonndorf                    2700

36.       1867                            Grafenhausen             Bonndorf                    1200

37.       1867                           Grafenhausen             Bonndorf                     737

38.       1867                           Grafenhausen             Bonndorf                     400

39.       1873    kath. Gde      Wellendingen             Bonndorf                    900

40.       1873                           Wellendingen             Bonndorf                    450

41.       1873                           Wellendingen             Bonndorf                    270

42.       1874    Boll                 Steinabad                   Bonndorf                    100

43.       1875    kath. Gde      Bulgenbach                Bonndorf                    450

44.       1875                            Bulgenbach                Bonndorf                    190

45.       1875    Joh. Stritt       Reiselfingen               Bonndorf                      70

46.       1875    kath. Gde        Fützen                         Bonndorf                    450

47.       1875                             Fützen                         Bonndorf                    188

48.       1877    J.Hierholzer    Oberwihl                    Waldshut                    594

49.       1877    Rathaus           Reiselfingen               Bonndorf                    191

50.       1877    kath. Gde        Binzgen                       Säckingen                   240

51.       1877    kath. Gde        Binzgen                       Säckingen                   140

52.       1877    kath. Gde        Riedern                       Bonndorf                    1300

53.       1877                              Riedern                       Bonndorf                    670

54.       1877                              Riedern                       Bonndorf                    394

55.       1877                              Riedern                       Bonndorf                    178

56.       1878    kath. Gde        Schlageten                  St.Blasien                    342

57.       1878    kath. Gde        Mauchen                    Bonndorf                    1320

58.       1878                             Mauchen                    Bonndorf                    695

59.       1878                             Mauchen                    Bonndorf                    362

60.       1878                             Mauchen                    Bonndorf                    154

61.       1878                             Mauchen                    Bonndorf                    131

62.       1878    kath. Gde        Bettmaringen             Bonndorf                    164

63.       1878    Notburga Ebner  Tiefenhäusern      Waldshut                    428

64.       1878    Alois Rogg       Aha                               St.Blasien                    58

65.       1878    kath. Gde        Grimmelshofen          Bonndorf                    316

66.       1878    Dörflinger Fr.  Birkingen                     Waldshut                    362

67.       1878    Wunderle, P.   Fischbach                    St.Blasien                    35

68.       1880    kath. Gde        Detzeln                       Waldshut                    160

69.       1880    Kromer, Joh.   Detzeln                       Waldshut                    106

70.       1880    kath. Gde        Überauchen                Bonndorf                    104

71        1880    kath. Gde        Kiesenbach                 Waldshut                    170

 

 

Kolumban Schnitzer,  ein hiesiger Bürgersohn, war einst eine weit über die Grenze unseres Heimatgaues hinaus bekannte Persönlichkeit und ist am 2. Dez. 1818 in Birkendorf geboren. Sein Vaterhaus ist das heutige Wohnhaus von Malermeister Julius Kaiser, [Bühlstraße 1], das vom Vater des Kolumban, Dominikus Schnitzer, erbaut wurde.

Als die Zeit seiner Berufsausbildung an ihn herantrat, entschloss er sich Glockengießer zu werden. Auf seiner Wanderschaft besuchte er zu seiner Vervollkommnung München und bereiste Ungarn. Reich an Kenntnissen und Erfahrungen kehrte er in seine Heimat zurück und baute am Ortausgang gegen Bettmaringen trotz wenig vorhandener Geldmittel das jetzige Wohnhaus des Heinrich Schupp, der mit der Enkelin des Columban Schnitzer, Luise verheiratet ist und errichtete in seinem Anwesen eine Glockengießerei, die Schnitzer zeitlebens betrieb. Sein Tod erfolgte am 9. Juli 1901 in einem Krankenhaus in Zürich an den Folgen einer Operation. Er liegt auf dem Friedhof hier begraben.

Sein Erdendasein war ein Leben, reich war sein Schaffen in seinem Berufe, davon zeigt die noch vorhandene Liste seiner bis zum Jahre 1881 gegossenen Glocken.

 

Neben seinem Hauptberufe goss er auch Stücke und Teile für Brauereieinrichtungen, Feuerspritzen und dergl. Tag und Nacht fühlte er sich zur Arbeit hingezogen. Man sagte von ihm, er wäre aus Stahl und Eisen. Seine Landwirtschaft vergrößerte er zusehends, was ihm nur durch Fleiß und äußerste Sparsamkeit möglich war. Seine drei Söhne unterstützten ihn in seiner vielseitigen Arbeit.. Der letzte dieser Söhne, Bernhard, starb 1953 in Birkendorf. Durch Zeitverhältnisse bedingt, konnte dieser das väterliche Hauptgeschäft nicht mehr weiter betreiben.

 

Die Ehefrau von Kolumban Schnitzer war eine geborene Rosalie Gantert und stammte von dem Horbener Hof. Ihre Schwester, Maria Agathe war mit dem Igelschlatter Müller, Hans Berger, verheiratet. Der Wirt von der „Bräue“ – heute Gasthaus zur Birke – war ein Bruder des Müllers von Igelschlatt. –

 

 

 

Nach kurzer Unterbrechung nochmals Kurzberichte über unser Gotteshaus.

 

Im Jahr 1852 wurde vermerkt:

Die auf dem Kirchhof stehende Kapelle ist keine Zehntlast.

Anmerkung:  Vielleicht ist die auf der Südseite der Kirche befindliche Muttergottesgrotte noch eine Gedenkstätte an diese Kapelle. –

 

Der Haupteingang zum Gotteshaus befand sich wie heute noch, in der Mitte des westlichen Giebels, eine weitere Seiteneingangstüre ist auf der Südseite es Langhauses. Die Empore wird von hölzernen Säulen getragen. Nach einem im Jahre 1819 abgeschlossenen Vertrag hat die Gemeinde die Kirche aus ihren Waldungen unentgeltlich zu beholzen, ferner waren die nötigen Hand- und Fuhrfronten ohne Entgelt zu leisten.

 

Am Schlussbogen der Haupteingangstüre war die Jahreszahl 1669 eingemeißelt. Durch die Erweiterung der Kirche 1921 1931 wurde die Zahl entfernt.

 

Die Orgel wurde von der Gemeindeangeschafft und musste daher von der Kirchspielsgemeinde unterhalten werden, desgleichen auch die größte Glocke.

 

Der unionierte Kirchenfonds Bonndorf war primär bauverpfllichtet für Langhaus, Chor, Sakristei mit Zubau und Umfassungsmauer der Kirche, auch zum Turm, zu zwei Seitenaltären, den zwei kleinen Glocken, dem Glockenstuhl, der Uhr, sowie zu Kanzel, Taufstein, zwei Chorstühlen und einem Beichtstuhl.

So aufgezeichnet am 28. April 1848 und 1852

                                                                                              Gez. Binder

 

Einst befand sich der Gottesacker um die Kirche. Im Jahre 1856 erfolgte eine Neuanlage auf dem Kreuzbuck. Die Maurerarbeiten wurden von Maurermeister Benedikt Kistler ausgeführt. Der alte Friedhof wurde 1858 geschlossen.