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09 Die Schlösser zu Roggenbach

                                               10.  Schlösser zu Roggenbach

 

Zu einem beliebten Ausflugsziel gehören die im oberen Steinatal gelegenen Schlossruinen Roggenbach-Weißenburg und Steinegg. Auf zwei Hügeln, und nicht weiter Ferne voneinander, deren Felsen die vorüberrauschende Steina grüßen, erheben sich die ehemaligen „Vesten“ , ie sich mit hren beiden Türmen aus dem dunklen Tannendickicht leicht bemerkbar machen. Die größere der beiden Ruinen, Roggenbach-Weißenburg, zeigt zwei im Geviert erbaute Türme, mit Mauern miteinander verbunden, doch hat jeder seinen besonderen Zugang. Der Turm, der Steina näher gelegen, wird als Grüningen, der andere als Weißenburg bezeichnet. Der ganze Burgstall heißt gewöhnlich Roggenbach: Auf dem anderen Hügel befindet sich das Schloss Steinegg, dessen überreste nur aus einem Gefiertturm bestehen. [und einer Mauer eines Gebäudes, dem Pallas?]  Ob diese Festen ursprünglich ein und der selben Stammesherrschaft gehörten, oder gleich zu  Anfang in verschiedenen Besitz aufgheteilt waren, darüber erteilt uns die Geschichte keine Kunde, auch der Volksmund weiß hierüber nichts zu melden. In Urkunden erscheinen zwar Herren von Grüningen, ob sie aber einst Besitzer dieses Schlossen waren, bleibt wohl fernerhin in Dunkel gehüllt.

[mehr in: Heinz Völlner, Die Burgen und Schlösser zwischen Wutachschlucht und Hochrhein, 1975, Schriften reihe, Heimat am Hochrhein]

 

Als erste bekannte Besitzer des Schlosses mit den beiden Türmen erscheinen die Herren von Roggenbach. Sie waren Ministerialen (Dienstadel) der Herzöge von Zähringen.

 

Die gewöhliche Schreibart ist Roggenbach, früher Rocken- und Rockinbach; in Urkunden von 1177 und 1185 Rocc- und Rockenbach geschrieben steht.

 

Das erste Auftraten der Edlen von Roggenbach in der Geschichte ist eine Handlung frommen Sinnes, die sich in der Teilnahme an der Stiftung der Gotteshauses in Friedenweiler zeigt (1123).

 

 

Werner von Roggenbach erscheint mit anderen Ministerialen als Zeuge in einer Urkunde, in der Berthold iV. Herzog zu Zähringen, die Abtei St. Peter seiner Gnade versichert und die Anordnung seiner Vorfahren bestätigt (1152). Die Herren von Roggenbach begegnen uns weiterhin gewissermaßen als Dienstleute der Herzöge von Zähringen, die hatten gegen Ende des 11. Jh. ihre schwäbischen Stammgüter verlassen und haben sich im Breisgau niedergelassen. Das ist evtl. die auch mit die Ursache, weshalb sie ihren bisherigen Wohnsitz im dunklen Waldesgrund gelegen, ebenfalls verlassen und mit dem freundlichen Aufenthalt im Breisgau vertauscht hatten, wo sie mit den Herzögen mit ansehnlichen Gütern belehnt wurden.

 

Wie gegen das Frauenkloster zu Friedenweiler, so zeigten die Herren von Roggenbach ihren frommen Sinn auch gegen das Gotteshaus von St. Peter; denn Werner von Roggenbach schenkte demselben zum Heile seiner Seele einen Hof in Heindingen ( vielleicht Endingen). Seine Gemahlin Itha tat gleiches mit einem Hofe bei Amoltern 1140 (bei Endingen a.K.)

 

Werner und Walter von Roggenbach erscheinen in Kaufurkunden als Zeugen des Klosters Tennenbach bei Emmendingen; (1158 es errichtet). So treten immer wieder bei Kauf- und Schenkungsurkunden Herren von Roggenbach als Zeugen auf.

 

Zu Anfang des 15. Jh. war eine Elisabeth von Roggenbach Seelenmeisterin im Frauenkloster Sitzenkirch (nähe Kandern). Maria von Roggenbach war Äbtissin des Klosters Günterstal (+1547)

 

In dem Schwaben- und Eidgenossenkrieg 1499 wurde die Stadt Tiengen hart bedrängt und zur Übergabe genötigt. Die Eidgenossen gewährten zwar den erbetenen Abzug der Besatzung, doch mit dem Vorbehalt, zwanzig Edle, Juden und treulos gewordene Schweizer zurück zu behalten, mit welchen sie nach Gefallen verfahren durften. Unter den zum Tode ausbedungenen befand sich auch ein Johann von Roggenbach. Nur mit einem großen Geldbetrag konnte er sich und einige andere vor dem Tode retten.

 

Der Name Roggenbach glänzt auch unter den Stiftern und Wohltätern des Münsters zu Freiburg, wo einige ihre Ruhestätte gefunden haben.

 

In wessen Hände das Schloss und die Herrschaft Roggenbach von der einheimischen Famile unmittelbar gekommen war, lässt sich nicht mit Bestimmtheit angeben.  Vielleicht an die Herren von Nellenburg oder von Grüningen. Um das Ende des 13. Jh. ging die Herrschaft als Besitztum an die Herren von Krenkingen über. Dieses uralte Dynastengeschlecht teilte sich in zwei Hauptstämme, wovon der jüngere sich nach der klettgauischen Feste Weißenburg benannte und nach Erwerbung von Schloss Roggenbach dasselbe mit einem Turme gleichen Namens erweiterte, weshalb es von nun an den Namen Roggenbach-Weissenburg führte. Diejenigen Krenkinger, welche Roggenbach bewohnten, nannten sich „von Weißenburg, Herren in Rogggenbach“.

 

Bei Käufen und Verkäufen, in Stiftungs- und Schenkungsurkunden treten stets Männer und Frauen dieses Geschlechts als Urkundenpersonen auf.

 

So klein die Herrschaft Roggenbach an und für sich war, so zerfiel sie dennoch später in mehrere Teile, doch die vielgeteilte Herrschaft sollte bald wieder in einer Hand vereinigt werden. Elisabeth von Weißenburg verkaufte 1482 ihren Anteil an Johann, den Grafen von Lupfen, der auch die übrigen Teile mit seiner Grafschaft zu vereinigen suche. Nach dem damaligen Kaufbriefe wird die Herrschaft beschrieben:

 

Das Burgstall Roggenbach, der vordere Turm samt Hofgerichtstatt, allem Gemäuer und Gebäuden über und unter der Erde zwischen dem vorderen und hinteren Turm gelegen, ebenso der Bauhof darunter und bei dem nächstgemeldeten Burgstall gelegen, …“

 

Der Hof zu Roggenbach, auch Schweikhof genannt, (bedeutet Viehhof oder Herdplatz) war sanktblasisch befreites Gut, d.h. frei von allen Beschwerden; er war sowohl unter dieser Herrschaft als auch späterhin ein Pachtgut, bis er 1840 abgebrochen wurde.

 

Wie früher schon erwähnt, war man von St. Blasien aus bemüht, die Herrschaft durch Neuerwerb zu erweitern und kaufte auch die ansehnliche Reichsherrschaft Bonndorf; hierzu kam ebenfalls Roggenbach.

 

Kehren wir noch einmal zurück zu den Herren von Krenkingen, unter denen sich das Schicksal der Feste Roggenbach entschieden hat. Die Bedrückung, welche diese an Gotteshäusern und anderem Besitz verübten, hatte sich bitter gerächt. Die Zeit blieb auch damals nicht stehen. Durch die Beunruhigungen und Plünderungen an Gotteshäusern zu Riedern und St. Blasien, ferner an zwei Klosterhöfen zu Schönenbach (1453) wandte sich Abt Nikolaus von Berau voller Entrüstung an das zu Basel tagende Konzil und erwirkte die Ächtung dieser Edlen. Zum Schutzes des Abts und Konvents rief man die Herzöge, Grafen und andere Edle sowie auch Städte auf, z.B. Basel. Straßburg, Konstanz, Breisach, Neuenburg, Villingen und besonders noch Städte der Eidgenossenschaft: Schaffhausen, Zürich, Bern, Solothurn, Freiburg, Baden, Brugg, Bremgarten, Winterthur, Aarau u. Lenzburg.

 

Johann von Weißenburg soll da keine Aufnahme, keine Freundschaft und keinen Schutz mehr finden. Sein Umgang mit all diesen Edlen muss bei dreijähriger Exkommunikation und des Bannes gemieden werden. (nach Geberti, Historia nigrae silvae).

 

Der Verbannte unterwarf sich nicht dem Urteil, er kümmerte sich wenig darum, und setzte seine Raub- und Brandzüge fort; besonders suchte er auch Riedern mit seinen unliebsamen Besuchen heim und somit wurde die Acht einige Jahre später vollzogen. Auch die Feste, die er bewohnte, traf der Fluch der gotteslästerlichen und räuberischen Handlungen. Werner von Staufen zog mit seinem Kriegsvolk vor das Schloss Roggenbach, belagerte es und nahm es ein. Die Zerstörung geschah aber durch sanksblasische Dienstleute. Bei dieser Belagerung wurde auch Schloss Steinegg hart mitgenommen, das Heinrich und Georg von Erzingen als Pfand inne hatten und deshalb von St. Blasien Schadenersatz verlangten.

 

Der Sohn des Geächteten, Ital Johann, stellte die in Schutt und Asche gelegte Burg in ihrem früheren Glanze wieder her.

 

Wir dürfen darüber kaum Zweifel hegen, dass beide Burgen, Roggenbach-Weißenburg und Steinegg im Bauernkrieg in Trümmer fielen, nachdem man bedenkt, dass die erste Flamme dieses wilden Aufstandes durch den tollen Befehl der Gräfin von Lupfen angefacht wurde und Bonndorf als naheliegender Ort der Platz der Versammlung war, wo der Schwur getan wurde:

 

Alle Schlösser und Klöster und was den Namen geistlich hat zu zerstören.

 

Und heute klettert aus dem grauen zerfallenen Gemäuer Efeu hervor, in den Rissen und Fugen suchen Tännchen ihren Halt und ihre Nahrung, und das dunkle Grün der Föhren deckt die einstigen Zinnen dieses Schlosses, dessen Namen Jahrhunderte hindurch hier rankte. Doch das Geschlecht der Roggenbacher, das einst zu den breisgauischen Rittern gehörte, ist bis auf den heutigen Tag erhalten geblieben. Zwar wird bisweilen in Zweifel gezogen, ob dieses einst so edle Geschlecht von jenen Edlen abstamme, die ehemals die Burg in unserer Heimatnähe bewohnt haben.

 

Wie das Leben vieler alter Schlösser uns Burgruinen unseres Heimatlandes durch Sagen und Geschichten neuersteht, so lebt auch unsere benachbarte Burg auf durch die im Volksnund überlieferten Erzählungen, von denen hier drei erwähnt werden:

 

 

                                               1.         Die Braut von Roggenbach 

 

Die beiden Schlossherre der zwei Schlösser zu Roggenbach sollen Brüder gewesen sein. Der eine hatte einen Sohn, der andere eine Tochter. Allzufrüh war die Mutter des Burgtöchterleins gestorben; das Fräulein kam zur Erziehung zu den Klosterfrauen in das Berauer Kloster. Nach Vollendung ihrer Bildung sollte sie wieder zu ihrem Vater zurückkehren, und damit wurde der junge Roggenbacher mit der Kammerfrau des gräflichen Fräuleins betraut.

Auf dem Reimwege verlobten sich die jungen Leute, die sich schon von frühester Jugend an als Spielgefährten gekannt hatten. Sie beschlossen gleich nach ihrer Ankunft zu Hause um den Segen der Eltern zu bitten. Doch der Vater der jungen Braut befand sich als Jagdgast auf dem Schlosse des Grafen Pappenheim in Stühlingen. Beim Jagdgelage warb der Graf von Stühlingen um die Hand der jungen Gräfin von Roggenbach. In heiterer und froher Stimmung wurde dem Bittsteller die Tochter versprochen mit dem Ausruf: “Ich bringe dir meine Tochter lebend oder tot!“ Die junge Roggenbacherin suchte alsbald den heimgekehrten Vater von seinem Plane abzubringen, aber trotz aller Überredungsversuche blieb der Vater bei seinem gegebenen Wort. Dieser väterliche Entschluss traf die Burgtochter schwer. Ihr schon angefertigtes Hochzeitskleid sollte bald als Sterbekleid dienen; denn der Tod holte nach wenigen Tagen durch eine schwere Krankheit das Grafenkind. Der alte Graf konnte sich fast nicht trösten, doch unsein Versprechen zu halten, brachte er die Entseelte bräutlich geschmückt nach Stühlingen auf das Schloss des Grafen Pappenheim.

 

 

                                               2.         Der Schatz im Schlosse Roggenbach

 

Dem Pächter des Hofes, am Fupe des Schlosses gelegen, nahte sich eines Tages ein fahrende Schüler und eröffnete ihm das Geheimnis, dass in der Schlossruine eine Kiste voll Gold verborgen sei, die er ihm zeigen werde, wenn er ihm folge. Nachdem sie die dunklen Räume durch wandelt hatten, gelangten sie zu dem gewünschten Ziele der Kiste, auf der ein schwarzer Pudel als Hüter des Schatzes saß und mit einer Rute von seinem Platz vertrieben wurde.

 

Der fahrende Schüler öffnete den Schatz und erlaubte sich, nach Gefallen daraus Gold zu nehmen. Do anstatt Gold war nur Spreu zu sehen, wovon der Pächter ohnehin genug besaß und nicht mehr zu bedürfen glaubte; trotz allem aber nahm er davon etwas weniges in seiner Tasche mit, worauf der Verweiser des Schatzes die Kiste Schloss und den Schlüssel an die nahe Tenne hing., von wo er ihn auch geholt hatte. Nachdem der Pächternach Hause gekommen war, zeigte sich das Wunder. Als er nämlich seine Tasche öffnete, machte er die freudige Entdeckung, dass die Spreu zu reinem Gold geworden war. Der Pächter bereute es nicht mehr genommen zu haben, doch gedachte er jetzt ohne die Hilfe des Schülers die Kiste nochmals zu öffnen und sich mit Gold bereichern zu können. Als er an den fraglichen Ort kam, fand er weder Schlüssel noch Kiste, und der Wächter des Schatzes war verschwunden.

 

 

                                               3.         Das Bonndorfer Silberglöcklein

 

Wenn diese dritte Sage nicht vollständig im dem Roggenbacher Gemäuer sich abspielt, so hängt sie doch eng mit dieser Gegend zusammen.

 

Ein Fräulein aus Tannegg (T. liegt auf einemsteilen Hügel der Wutachhalde bei Boll, nördlich Bonndorf) stiftete einst ein Silberglöcklein für den Rathausturm zu Bonndorf. Lange war das Glöcklein nach dem Willen der Stifterin durch das nächtliche Geläute den Wanderern in dieser einsamen Gegend eine Weiserein und du auch die Bewohner zur Ruhe ein, bis es bei einem großen Brand des Jahres 1827 (27.XXII.) ein Raub der Flammen wurde.

 

Folgen wir nun der Veranlassung dieser Stiftung, so erzählt uns die Sage, dass  das edle Fräulein von Tannegg eines Tages einen Besuch auf dem Schlosse Roggenbach machte, wo es in traulichem Kreise ihrer nachbarlichen Gespielinnen allzulange   verweilte; denn sie hatten gar vieles von Minne und anderen Dingen zu reden, so dass ihnen die Trennung schwer fiel. Schon war die Sonne ihrem Untergang nahe und die Tannen warfen schon lange Schatten über die einsame Wohnnung, als sie voneinander schieden. Auf dem Wege wurde das Fräulein mit ihrem Gefolge vom Dunkel der Nacht überrascht, wodurch sie den Weg verfehlten. Lange irrten sie umher und die Edle fürchtete, ihr Schloss nicht mehr erreichen zu können. Auf einmal ertönte plötzlich von der Klosterkiche zu Bonndorf die Glocke, die die Brüder des hl. Paulus zum nächtlichen Gebet mahnte. Es war dies wie die Stimme eines Rettungsengels, der sie auf den rechten Weg leitete. Eingedenk der Gefahr, aus der sie so seltsam errettet wurden, wünschte das Fräulein, das solches Geläute doch länger in der Winternacht ertöne und fasste den Entschluss, ein Glöcklein aus lauter Silber auf das Rathaus zu Bonndorf zu stiften, das allnächtlich um nen Uhr eine Stunde lang geläutet werden solle, bis dass im Frühling der Pflug im Felde gewendet wird.

 

Nachstehendes Gedicht, entnommen aus dem Freiburger Unterhaltungsblatt von 1841, enthält die Sage in etwas veränderter Form:

 

                        1.         Zu B onndorf auf dem Rathaus,

                                   Da hängt ein Glöcklein fein;

                                   Das ist von purem Silber

                                   Und istt’s auch wert zusein.

                                   Und wie hinauf gekommen

                                   Das köstliche Metall,

                                   Und wem sein Klang soll dienen,

                                   will ich berichten all.

                        2.         Schloss Tannegg an der Wutach,

                                   Jetzt liegt’s in Trümmernacht –

                                   War einst der bange Zeuge

                                   Von einer langen Jagd.

                                   Es deckte Schnee die Fluren,

                                   Hell schien die Sonne drein, Das lud die junge Gräfin

                                   Zum Jagdvergnügen ein-

 

                        3.         Durch dunkle Tannen glänzte

                                   Der letzte Sonnenstrahl,

                                   Da stiegen Nebelwogen

                                   Ringsum hinauf zumal.

                                   Und durch den Urwald heulend

                                   Ein Sturm aus Osten zog

                                   Dass dumpf die Eiche krachte,

                                   Und sich die Tanne bog

 

                        4.         Der Jägertross, der irrte

                                   Zerstreut in Angst umher;

                                   Des Jagdhorns Ruf erreichte

                                   die Irrenden nicht mehr.

                                   Und auf den hohen Fluren,

                                   Wo Weg und Steg verweht,

                                   Die Gräfin auf dem Rosse

                                   Um Rettungszeichen fleht.

 

5.         Nie hat zuvor ein banges

            Geschick ihr Herz gequält.

            Von Not und Leiden anderer

            Noch niemand ihr erzählt.

            Jetzt fühlte sie vor allem,

            Wie es dem Wandrer sei,

            Wenn ihn die Nacht umfange

            In solcher Wüstenei.

 

 

6.         Und wie der späte Morgen

            Sie in ihr Schloss geführt,

            hat sie alsbald dem Burgvogt

            Den frommen Schluss diktiert:

            „Nach Bonndorf auf dem Rathaus

            Stift ich ein Glöcklein fein,

            Das soll, zur größ‘ren Ehre,

                                   Aus purem Silber sein“:

 

7.         „Das soll, wenn Schnee und Nebel

            Und Nacht den Pilgrim hält,

            Und seine Seele bebet,

            Und sei Hoffen fällt,

            Mit heller Silberstimme

            Und tröstlichem Geläut‘

            Sich nächtlich lassen hören

            Die ganze Winterszeit.

 

8.         Und dass nicht Willkür frevle

            An diesem Willen mein,

            Soll das Glöcklein tönen

            All nächtlich um die Neun,

All nächtlich eine Stunde,

            Bis dass mit frohem Zug

            Sich auf dem Acker wendet

            Im Lenz der dritte Pflug.“

 

9          Das haben sie gehalten

            Gewissenhaft bis heut,

            Nur eine Stunde später

            Und auch zur Sommerszeit,

            Weil noch in andren Dingen

            Als Nebel, Schnee und Nacht

            Man sich verirren könnte,

So haben sie gedacht.

                                               10.  Schlösser zu Roggenbach

 

Zu einem beliebten Ausflugsziel gehören die im oberen Steinatal gelegenen Schlossruinen Roggenbach-Weißenburg und Steinegg. Auf zwei Hügeln, und nicht weiter Ferne voneinander, deren Felsen die vorüberrauschende Steina grüßen, erheben sich die ehemaligen „Vesten“ , ie sich mit hren beiden Türmen aus dem dunklen Tannendickicht leicht bemerkbar machen. Die größere der beiden Ruinen, Roggenbach-Weißenburg, zeigt zwei im Geviert erbaute Türme, mit Mauern miteinander verbunden, doch hat jeder seinen besonderen Zugang. Der Turm, der Steina näher gelegen, wird als Grüningen, der andere als Weißenburg bezeichnet. Der ganze Burgstall heißt gewöhnlich Roggenbach: Auf dem anderen Hügel befindet sich das Schloss Steinegg, dessen überreste nur aus einem Gefiertturm bestehen. [und einer Mauer eines Gebäudes, dem Pallas?]  Ob diese Festen ursprünglich ein und der selben Stammesherrschaft gehörten, oder gleich zu  Anfang in verschiedenen Besitz aufgheteilt waren, darüber erteilt uns die Geschichte keine Kunde, auch der Volksmund weiß hierüber nichts zu melden. In Urkunden erscheinen zwar Herren von Grüningen, ob sie aber einst Besitzer dieses Schlossen waren, bleibt wohl fernerhin in Dunkel gehüllt.

[mehr in: Heinz Völlner, Die Burgen und Schlösser zwischen Wutachschlucht und Hochrhein, 1975, Schriften reihe, Heimat am Hochrhein]

 

Als erste bekannte Besitzer des Schlosses mit den beiden Türmen erscheinen die Herren von Roggenbach. Sie waren Ministerialen (Dienstadel) der Herzöge von Zähringen.

 

Die gewöhliche Schreibart ist Roggenbach, früher Rocken- und Rockinbach; in Urkunden von 1177 und 1185 Rocc- und Rockenbach geschrieben steht.

 

Das erste Auftraten der Edlen von Roggenbach in der Geschichte ist eine Handlung frommen Sinnes, die sich in der Teilnahme an der Stiftung der Gotteshauses in Friedenweiler zeigt (1123).

roggenbach

 

Werner von Roggenbach erscheint mit anderen Ministerialen als Zeuge in einer Urkunde, in der Berthold iV. Herzog zu Zähringen, die Abtei St. Peter seiner Gnade versichert und die Anordnung seiner Vorfahren bestätigt (1152). Die Herren von Roggenbach begegnen uns weiterhin gewissermaßen als Dienstleute der Herzöge von Zähringen, die hatten gegen Ende des 11. Jh. ihre schwäbischen Stammgüter verlassen und haben sich im Breisgau niedergelassen. Das ist evtl. die auch mit die Ursache, weshalb sie ihren bisherigen Wohnsitz im dunklen Waldesgrund gelegen, ebenfalls verlassen und mit dem freundlichen Aufenthalt im Breisgau vertauscht hatten, wo sie mit den Herzögen mit ansehnlichen Gütern belehnt wurden.

 

Wie gegen das Frauenkloster zu Friedenweiler, so zeigten die Herren von Roggenbach ihren frommen Sinn auch gegen das Gotteshaus von St. Peter; denn Werner von Roggenbach schenkte demselben zum Heile seiner Seele einen Hof in Heindingen ( vielleicht Endingen). Seine Gemahlin Itha tat gleiches mit einem Hofe bei Amoltern 1140 (bei Endingen a.K.)

 

Werner und Walter von Roggenbach erscheinen in Kaufurkunden als Zeugen des Klosters Tennenbach bei Emmendingen; (1158 es errichtet). So treten immer wieder bei Kauf- und Schenkungsurkunden Herren von Roggenbach als Zeugen auf.

 

Zu Anfang des 15. Jh. war eine Elisabeth von Roggenbach Seelenmeisterin im Frauenkloster Sitzenkirch (nähe Kandern). Maria von Roggenbach war Äbtissin des Klosters Günterstal (+1547)

 

In dem Schwaben- und Eidgenossenkrieg 1499 wurde die Stadt Tiengen hart bedrängt und zur Übergabe genötigt. Die Eidgenossen gewährten zwar den erbetenen Abzug der Besatzung, doch mit dem Vorbehalt, zwanzig Edle, Juden und treulos gewordene Schweizer zurück zu behalten, mit welchen sie nach Gefallen verfahren durften. Unter den zum Tode ausbedungenen befand sich auch ein Johann von Roggenbach. Nur mit einem großen Geldbetrag konnte er sich und einige andere vor dem Tode retten.

 

Der Name Roggenbach glänzt auch unter den Stiftern und Wohltätern des Münsters zu Freiburg, wo einige ihre Ruhestätte gefunden haben.

 

In wessen Hände das Schloss und die Herrschaft Roggenbach von der einheimischen Famile unmittelbar gekommen war, lässt sich nicht mit Bestimmtheit angeben.  Vielleicht an die Herren von Nellenburg oder von Grüningen. Um das Ende des 13. Jh. ging die Herrschaft als Besitztum an die Herren von Krenkingen über. Dieses uralte Dynastengeschlecht teilte sich in zwei Hauptstämme, wovon der jüngere sich nach der klettgauischen Feste Weißenburg benannte und nach Erwerbung von Schloss Roggenbach dasselbe mit einem Turme gleichen Namens erweiterte, weshalb es von nun an den Namen Roggenbach-Weissenburg führte. Diejenigen Krenkinger, welche Roggenbach bewohnten, nannten sich „von Weißenburg, Herren in Rogggenbach“.

 

Bei Käufen und Verkäufen, in Stiftungs- und Schenkungsurkunden treten stets Männer und Frauen dieses Geschlechts als Urkundenpersonen auf.

 

So klein die Herrschaft Roggenbach an und für sich war, so zerfiel sie dennoch später in mehrere Teile, doch die vielgeteilte Herrschaft sollte bald wieder in einer Hand vereinigt werden. Elisabeth von Weißenburg verkaufte 1482 ihren Anteil an Johann, den Grafen von Lupfen, der auch die übrigen Teile mit seiner Grafschaft zu vereinigen suche. Nach dem damaligen Kaufbriefe wird die Herrschaft beschrieben:

 

Das Burgstall Roggenbach, der vordere Turm samt Hofgerichtstatt, allem Gemäuer und Gebäuden über und unter der Erde zwischen dem vorderen und hinteren Turm gelegen, ebenso der Bauhof darunter und bei dem nächstgemeldeten Burgstall gelegen, …“

 

Der Hof zu Roggenbach, auch Schweikhof genannt, (bedeutet Viehhof oder Herdplatz) war sanktblasisch befreites Gut, d.h. frei von allen Beschwerden; er war sowohl unter dieser Herrschaft als auch späterhin ein Pachtgut, bis er 1840 abgebrochen wurde.

 

Wie früher schon erwähnt, war man von St. Blasien aus bemüht, die Herrschaft durch Neuerwerb zu erweitern und kaufte auch die ansehnliche Reichsherrschaft Bonndorf; hierzu kam ebenfalls Roggenbach.

 

Kehren wir noch einmal zurück zu den Herren von Krenkingen, unter denen sich das Schicksal der Feste Roggenbach entschieden hat. Die Bedrückung, welche diese an Gotteshäusern und anderem Besitz verübten, hatte sich bitter gerächt. Die Zeit blieb auch damals nicht stehen. Durch die Beunruhigungen und Plünderungen an Gotteshäusern zu Riedern und St. Blasien, ferner an zwei Klosterhöfen zu Schönenbach (1453) wandte sich Abt Nikolaus von Berau voller Entrüstung an das zu Basel tagende Konzil und erwirkte die Ächtung dieser Edlen. Zum Schutzes des Abts und Konvents rief man die Herzöge, Grafen und andere Edle sowie auch Städte auf, z.B. Basel. Straßburg, Konstanz, Breisach, Neuenburg, Villingen und besonders noch Städte der Eidgenossenschaft: Schaffhausen, Zürich, Bern, Solothurn, Freiburg, Baden, Brugg, Bremgarten, Winterthur, Aarau u. Lenzburg.

 

Johann von Weißenburg soll da keine Aufnahme, keine Freundschaft und keinen Schutz mehr finden. Sein Umgang mit all diesen Edlen muss bei dreijähriger Exkommunikation und des Bannes gemieden werden. (nach Geberti, Historia nigrae silvae).

 

Der Verbannte unterwarf sich nicht dem Urteil, er kümmerte sich wenig darum, und setzte seine Raub- und Brandzüge fort; besonders suchte er auch Riedern mit seinen unliebsamen Besuchen heim und somit wurde die Acht einige Jahre später vollzogen. Auch die Feste, die er bewohnte, traf der Fluch der gotteslästerlichen und räuberischen Handlungen. Werner von Staufen zog mit seinem Kriegsvolk vor das Schloss Roggenbach, belagerte es und nahm es ein. Die Zerstörung geschah aber durch sanksblasische Dienstleute. Bei dieser Belagerung wurde auch Schloss Steinegg hart mitgenommen, das Heinrich und Georg von Erzingen als Pfand inne hatten und deshalb von St. Blasien Schadenersatz verlangten.

 

Der Sohn des Geächteten, Ital Johann, stellte die in Schutt und Asche gelegte Burg in ihrem früheren Glanze wieder her.

 

Wir dürfen darüber kaum Zweifel hegen, dass beide Burgen, Roggenbach-Weißenburg und Steinegg im Bauernkrieg in Trümmer fielen, nachdem man bedenkt, dass die erste Flamme dieses wilden Aufstandes durch den tollen Befehl der Gräfin von Lupfen angefacht wurde und Bonndorf als naheliegender Ort der Platz der Versammlung war, wo der Schwur getan wurde:

 

Alle Schlösser und Klöster und was den Namen geistlich hat zu zerstören.

 

Und heute klettert aus dem grauen zerfallenen Gemäuer Efeu hervor, in den Rissen und Fugen suchen Tännchen ihren Halt und ihre Nahrung, und das dunkle Grün der Föhren deckt die einstigen Zinnen dieses Schlosses, dessen Namen Jahrhunderte hindurch hier rankte. Doch das Geschlecht der Roggenbacher, das einst zu den breisgauischen Rittern gehörte, ist bis auf den heutigen Tag erhalten geblieben. Zwar wird bisweilen in Zweifel gezogen, ob dieses einst so edle Geschlecht von jenen Edlen abstamme, die ehemals die Burg in unserer Heimatnähe bewohnt haben.

 

Wie das Leben vieler alter Schlösser uns Burgruinen unseres Heimatlandes durch Sagen und Geschichten neuersteht, so lebt auch unsere benachbarte Burg auf durch die im Volksnund überlieferten Erzählungen, von denen hier drei erwähnt werden:

 

 

                                               1.         Die Braut von Roggenbach 

 

Die beiden Schlossherre der zwei Schlösser zu Roggenbach sollen Brüder gewesen sein. Der eine hatte einen Sohn, der andere eine Tochter. Allzufrüh war die Mutter des Burgtöchterleins gestorben; das Fräulein kam zur Erziehung zu den Klosterfrauen in das Berauer Kloster. Nach Vollendung ihrer Bildung sollte sie wieder zu ihrem Vater zurückkehren, und damit wurde der junge Roggenbacher mit der Kammerfrau des gräflichen Fräuleins betraut.

Auf dem Reimwege verlobten sich die jungen Leute, die sich schon von frühester Jugend an als Spielgefährten gekannt hatten. Sie beschlossen gleich nach ihrer Ankunft zu Hause um den Segen der Eltern zu bitten. Doch der Vater der jungen Braut befand sich als Jagdgast auf dem Schlosse des Grafen Pappenheim in Stühlingen. Beim Jagdgelage warb der Graf von Stühlingen um die Hand der jungen Gräfin von Roggenbach. In heiterer und froher Stimmung wurde dem Bittsteller die Tochter versprochen mit dem Ausruf: “Ich bringe dir meine Tochter lebend oder tot!“ Die junge Roggenbacherin suchte alsbald den heimgekehrten Vater von seinem Plane abzubringen, aber trotz aller Überredungsversuche blieb der Vater bei seinem gegebenen Wort. Dieser väterliche Entschluss traf die Burgtochter schwer. Ihr schon angefertigtes Hochzeitskleid sollte bald als Sterbekleid dienen; denn der Tod holte nach wenigen Tagen durch eine schwere Krankheit das Grafenkind. Der alte Graf konnte sich fast nicht trösten, doch unsein Versprechen zu halten, brachte er die Entseelte bräutlich geschmückt nach Stühlingen auf das Schloss des Grafen Pappenheim.

 

 

                                               2.         Der Schatz im Schlosse Roggenbach

 

Dem Pächter des Hofes, am Fupe des Schlosses gelegen, nahte sich eines Tages ein fahrende Schüler und eröffnete ihm das Geheimnis, dass in der Schlossruine eine Kiste voll Gold verborgen sei, die er ihm zeigen werde, wenn er ihm folge. Nachdem sie die dunklen Räume durch wandelt hatten, gelangten sie zu dem gewünschten Ziele der Kiste, auf der ein schwarzer Pudel als Hüter des Schatzes saß und mit einer Rute von seinem Platz vertrieben wurde.

 

Der fahrende Schüler öffnete den Schatz und erlaubte sich, nach Gefallen daraus Gold zu nehmen. Do anstatt Gold war nur Spreu zu sehen, wovon der Pächter ohnehin genug besaß und nicht mehr zu bedürfen glaubte; trotz allem aber nahm er davon etwas weniges in seiner Tasche mit, worauf der Verweiser des Schatzes die Kiste Schloss und den Schlüssel an die nahe Tenne hing., von wo er ihn auch geholt hatte. Nachdem der Pächternach Hause gekommen war, zeigte sich das Wunder. Als er nämlich seine Tasche öffnete, machte er die freudige Entdeckung, dass die Spreu zu reinem Gold geworden war. Der Pächter bereute es nicht mehr genommen zu haben, doch gedachte er jetzt ohne die Hilfe des Schülers die Kiste nochmals zu öffnen und sich mit Gold bereichern zu können. Als er an den fraglichen Ort kam, fand er weder Schlüssel noch Kiste, und der Wächter des Schatzes war verschwunden.

 

 

                                               3.         Das Bonndorfer Silberglöcklein

 

Wenn diese dritte Sage nicht vollständig im dem Roggenbacher Gemäuer sich abspielt, so hängt sie doch eng mit dieser Gegend zusammen.

 

Ein Fräulein aus Tannegg (T. liegt auf einemsteilen Hügel der Wutachhalde bei Boll, nördlich Bonndorf) stiftete einst ein Silberglöcklein für den Rathausturm zu Bonndorf. Lange war das Glöcklein nach dem Willen der Stifterin durch das nächtliche Geläute den Wanderern in dieser einsamen Gegend eine Weiserein und du auch die Bewohner zur Ruhe ein, bis es bei einem großen Brand des Jahres 1827 (27.XXII.) ein Raub der Flammen wurde.

 

Folgen wir nun der Veranlassung dieser Stiftung, so erzählt uns die Sage, dass  das edle Fräulein von Tannegg eines Tages einen Besuch auf dem Schlosse Roggenbach machte, wo es in traulichem Kreise ihrer nachbarlichen Gespielinnen allzulange   verweilte; denn sie hatten gar vieles von Minne und anderen Dingen zu reden, so dass ihnen die Trennung schwer fiel. Schon war die Sonne ihrem Untergang nahe und die Tannen warfen schon lange Schatten über die einsame Wohnnung, als sie voneinander schieden. Auf dem Wege wurde das Fräulein mit ihrem Gefolge vom Dunkel der Nacht überrascht, wodurch sie den Weg verfehlten. Lange irrten sie umher und die Edle fürchtete, ihr Schloss nicht mehr erreichen zu können. Auf einmal ertönte plötzlich von der Klosterkiche zu Bonndorf die Glocke, die die Brüder des hl. Paulus zum nächtlichen Gebet mahnte. Es war dies wie die Stimme eines Rettungsengels, der sie auf den rechten Weg leitete. Eingedenk der Gefahr, aus der sie so seltsam errettet wurden, wünschte das Fräulein, das solches Geläute doch länger in der Winternacht ertöne und fasste den Entschluss, ein Glöcklein aus lauter Silber auf das Rathaus zu Bonndorf zu stiften, das allnächtlich um nen Uhr eine Stunde lang geläutet werden solle, bis dass im Frühling der Pflug im Felde gewendet wird.

 

Nachstehendes Gedicht, entnommen aus dem Freiburger Unterhaltungsblatt von 1841, enthält die Sage in etwas veränderter Form:

 

                        1.         Zu B onndorf auf dem Rathaus,

                                   Da hängt ein Glöcklein fein;

                                   Das ist von purem Silber

                                   Und istt’s auch wert zusein.

                                   Und wie hinauf gekommen

                                   Das köstliche Metall,

                                   Und wem sein Klang soll dienen,

                                   will ich berichten all.

                        2.         Schloss Tannegg an der Wutach,

                                   Jetzt liegt’s in Trümmernacht –

                                   War einst der bange Zeuge

                                   Von einer langen Jagd.

                                   Es deckte Schnee die Fluren,

                                   Hell schien die Sonne drein, Das lud die junge Gräfin

                                   Zum Jagdvergnügen ein-

 

                        3.         Durch dunkle Tannen glänzte

                                   Der letzte Sonnenstrahl,

                                   Da stiegen Nebelwogen

                                   Ringsum hinauf zumal.

                                   Und durch den Urwald heulend

                                   Ein Sturm aus Osten zog

                                   Dass dumpf die Eiche krachte,

                                   Und sich die Tanne bog

 

                        4.         Der Jägertross, der irrte

                                   Zerstreut in Angst umher;

                                   Des Jagdhorns Ruf erreichte

                                   die Irrenden nicht mehr.

                                   Und auf den hohen Fluren,

                                   Wo Weg und Steg verweht,

                                   Die Gräfin auf dem Rosse

                                   Um Rettungszeichen fleht.

 

5.         Nie hat zuvor ein banges

            Geschick ihr Herz gequält.

            Von Not und Leiden anderer

            Noch niemand ihr erzählt.

            Jetzt fühlte sie vor allem,

            Wie es dem Wandrer sei,

            Wenn ihn die Nacht umfange

            In solcher Wüstenei.

 

 

6.         Und wie der späte Morgen

            Sie in ihr Schloss geführt,

            hat sie alsbald dem Burgvogt

            Den frommen Schluss diktiert:

            „Nach Bonndorf auf dem Rathaus

            Stift ich ein Glöcklein fein,

            Das soll, zur größ‘ren Ehre,

                                   Aus purem Silber sein“:

 

7.         „Das soll, wenn Schnee und Nebel

            Und Nacht den Pilgrim hält,

            Und seine Seele bebet,

            Und sei Hoffen fällt,

            Mit heller Silberstimme

            Und tröstlichem Geläut‘

            Sich nächtlich lassen hören

            Die ganze Winterszeit.

 

8.         Und dass nicht Willkür frevle

            An diesem Willen mein,

            Soll das Glöcklein tönen

            All nächtlich um die Neun,

All nächtlich eine Stunde,

            Bis dass mit frohem Zug

            Sich auf dem Acker wendet

            Im Lenz der dritte Pflug.“

 

9          Das haben sie gehalten

            Gewissenhaft bis heut,

            Nur eine Stunde später

            Und auch zur Sommerszeit,

            Weil noch in andren Dingen

            Als Nebel, Schnee und Nacht

            Man sich verirren könnte,

So haben sie gedacht.