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08 Von Waschhäusern und ausgestorbenen Gewerben

9.  Von Waschhäusern und ausgestorbenem Gewerbe

 

Die Gemeinde hatte vor 200 Jahren acht öffentliche Waschhäuser.

 

Das 1.  Waschhaus stand auf der Hofraite des Vogts Josef Isele.

das 2.  befand sich auf Thoma Fechtig, Wirts, Hofraite,

das 3.  war bei Josef Pflüger, Schreiners Garten, auf der Lachen genannt,

das 4.  bei der alten Straß in den Hecken an Ferdinand Bergers Garten

das 5.  stehet gegen das Brückle hinauf,

das 6.  im Vogelsang auf dem Allmendplatz bei Josef Graß, Webers Garten,

das 7.  bei Donat Nüßle, Hafners Brennhütten

das 8.  im hinteren Vogelsang, bei der Fohren genannt.

 

Durch genau erlassene Vorschriften war bestimmt worden, wem das Recht der Benutzung zustand und wer zum Erhalt dieser Waschhütten beizutragen hatte; gewöhnlich waren es die Bewohner einer Häusergruppe, welche die Benutzung eines solchen Häuschens beanspruchten. Nach jedem zweiten Waschtag hatte z-B- der Vogt Josef Isele Anrecht auf die Asche seines Waschhauses.

 

 

Es gab damals noch ein für uns heute das unbekannte Gewerbe der

 

                                               Pottaschesiederei.

 

Dieses chemische Produkt benötigt man in den Glasbläsereien. Überall blühten diese Siedereien und gestalteten sich äußerst rentabel.

 

Pottasche wurde aus Holzasche gewonnen. Färber und Bleicher benötigten sie ebenfalls, um Laugen daraus zu gewinnen. Das Aschesammeln wurde deshalb von der Herrschaft vergeben. Die großen Aschelöcher, die in den einst alten Häusern zu finden waren, rühren noch aus jener Zeit her. Der Vogt war streng verpflichtet, die Aschensamlung genau zu überwachen.

 

Der herrschaftliche Bestandswirt, Paul Mahler im „roten Haus“, betrieb eine Pottaschesiederei und erhielt die Erlaubnis, Asche zu sammeln in Birkendorf, Vogelsang, Seewangen, Tobel etc. für 25 fl. oberamtliche Gebühr. Er musste sich verpflichten, die erzeugte Asche in die Glasbläserei Äule zu liefern.

 

Weitere gänzlich ausgestorbene Gewerbe sind:

Der Beruf des Harzers, des Köhlers und des Naglers.

 

 

                                               Die Harzer

 

lieferten bekanntlich aus ihren Siedereien Terpentinöl, Pech, Kienruß und Wagenschmiere, Erzeugnisse, die heute alle auf synthetischem Wege gewonnen werden. Selbst Gerbereien und Bierbrauereien benötigten immer mehr Harz. Weil durch das Harzen die Bäume oft hart durch starkes einritzen mitgenommen wurden, erließ man verschiedenerorts Verbote gegen dieses Sammeln (schon 1670). Dieser Beruf starb dadurch in unserer Gegend aus.

 

Die Armut trieb natürlich die Leute in diese Berufe. Das Wenige der Landwirtschaft, das diese Menschen besaßen, etwa eine Kuh oder ein paar Ziegen dazu, konnte die Familie nicht ernähren und so stempelte die Not diese Leute zum Harzerberufe. Der Harzer zog täglich aus, riss in gesunde, kräftige und saftreiche Bäume Holzkanäle, um sie für das Herzen vorzubereiten und nach Tagen, wenn der Harzfluss eingetreten war, wurden mittels Kratzeisen die geritzten Kanäle vom Harz befreit, das hiernach weiter verarbeitet wurde. Das Gewerbe eines Harzers versah gegen Ende des 17. Jh. Adam Rheiner von „Bürkendorf“. Er hatte den Harzforst „in dem Bürkendorfischen Thaile und gegen Bettmaringen.

 

Es harzte 1774 und in den folgenden Jahren Fischer, Josef im Vogelsang; in einer Rechnung aus dem Jahre 1856 (Gemeindeakten) wird noch ein Harzer Pirmin Ebner erwähnt. Ersterer besaß ein Gütchen von 5 Jucharten 3 Vierling und 9 Ruten.

 

 

Überall in den Wäldern sind noch Spuren aus den Zeiten des

 

                                               Kohlbrenners oder Köhlers

 

anzutreffen. Die schwarzen Böden da und dort „im Holz“ weisen auf das Dasein dieses schwarzen Handwerks hin; auch die Namen Kohlwiesen und Köhlrütte etc. sind hiermit erklärt. Unsere Hufschmiede und Schlosser brauchten täglich für ihre Arbeit Holzkohlen. Die Herstellung bildete für viele Leute eine wichtige Erwerbsquelle und diese Tätigkeit trieb den Köhler in unwirtschaftliche Wälder. Beim Anblick dieses rußgeschwärzten Mannes hat die Fantasie der Menschen allerlei Sagen und Geschichten hervorgezaubert. Dem Köhler war früher jedes Holz willkommen, selbst das sonst so wertlose Hasel- und Erlengestrüpp, das eine in der Schweiz so begehrte Kohle gab, fand reichlich Verwendung.

 

 

                                               Die Metallfabrikation

 

hatte Eingang gefunden durch die Nagelfabrikation. Sie brachte der Einwohnerschaft etwas Nebenverdienst. Einige Nagelschmieden waren vorhanden in der Glanzzeit des Naglergewerbes; es nagelte und schaffte, was an Kräften entbehrlich war von früh bis spät abends. Durch den billigen Vertrieb von Maschinennägeln, schließlich auch durch die weiten Absatzwege und Rohstoffzufuhr ging die Produktion zurück, bis dieses Gewerbe endlich ganz verdrängt wurde.

 

Als Besitzer von Nagelschmiedern werden um 1775 genannt:

            Joß, Franz; Pflüger, Dranz, Josef (Meßner); Pflüger Konrad; Rheiner, Klaus; Wießer, Marx;, dieser und Schnitzer Konrad hatten auch Schlosserschmieden. Letzterer besaß auch noch eine Badestube und zahlte nach St. Blasien an Hofstatt Zinsen 20 Eier oder 8 Kreuzer Geld, für gleischen Besitz (Schmiede und Badestube) dem Frauenkloster Riedern a.W. 12 Kreuzer.

 

Wo früher die Landwirtschaft und Viehzucht die Bewohner völlig ernähren musste, suchte man zur Verbesserung der Lebenslage auf die verschiedenartigste Weise Verdienstmöglichkeiten zu  bekommen, auch für Frauen. Es gab Stricker-, Sticker- und Strohflechterinnen, Seidenzwirnerei, da und dort auch Weber; diese alle suchten durch die Heimarbeit ihre kärgliche Einnahme aus der Landwirtschaft etwas zu vermehren; denn die Felder brachten in der damaligen Zeit nicht den Ertrag wie heute, weil der Kunstdünger fehlte, durch langes Weidenlassen der Tiere viel Dung verloren ging, und Wiesendüngung kaum üblich war. In den 90er Jahren des 18. Jh. ging die Stickerei infolge der französischen Revolution im Bonndorfischen und Stühlingischen stark zurück, doch ein Aufleben kam wieder 1851; auch Birkendorf und andere Orte nahmen an diesem Verdienst teil zur Verbesserung des Lebensunterhalts. Der tägliche Lohn betrug etwa 15 Kr. Infolge flauen Geschäftsgangs ging der Lohn zurück und so verschwand auch diese Beschäftigung aus dieser Gegend.

 

In Bezug auf die Berechtigung des Lumpensammelns wurde das Gebiert ser sanktblasischen Reichsherrschaft Bonndorf der „lumpenforst“ genannt (nach Mone).