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02 Allgemeines

                        3.         Heimatgeschichtliches von Birkendorf

 

Allgemeines von unserem Heimatort und seiner Umgebung.

 

Wer von Tiengen das herrliche, romantische und felsenreiche Schlüchttal entlang geht, kommt nach mehrstündiger Wanderung über Witznau und Riedersteg an den Oberlauf unserer Schlücht, die hier ihr Tal aufwärts verbreitert und endlich gelangt man nach dem 785 m ü.d.M. sich erhebenden Birkendorf, auf einer kleinen Hochfläche gelegen, die sich südwärts abdacht und von Schlücht im Westen und Steina im Osten tief durchfurcht wird.

 

Unser Dorf gehörte lange zum Amtsbezirk Bonndorf, dessen südlichster Teil ein Stück des Albgaues war z.Zt. der Karolinger und Rudolfs von Habsburg.

 

Dieser Gau reichte im Norden bis zum Gebirgsstock des Feldbergs und des Seebaches, im Osten bis zur Wutach; die Südgrenze bildete der Rhein, und die Westgrenze scheidet den Albgau vom Breisgau.

 

Diese Gaue wurden in kleinen Stücken an Edle als Lehen abgegeben, die als Vasallen ihrem Hernn zu dienen und sich zu stellen hatten. Je mehr Vasallen er hatte, desto größer war natürlich seine Streitmacht. Die Bauern durften damals keine Waffen tragen, sie folgten somit auch nicht bewaffnet dem Tross des Heeres. In Parteikämpfen und Bruderkriegen wurden die Burgen und Festen zerstört und auch der Albgau in viele kleine Ritterschaften zerstückelt.

 

P. Hergott führte in seiner Genealogie u.a. folgende Dynasten auf, die in unserer Gegend lagen:

Allmut, Bonndorf, Boll, Ebersbach, Bettmaringen, Weißenburg oder Roggenbach und Birkendorf.

 

Der größte Teil des oberen Abgaues verblieb dem Grafen von Stühlingen, dessen Nachfolger die Herren von Lupfen ab 1296 den Titel als Landgrafen von Stühlingen annahmen.

 

Die Grafen und Dynasten sind wohl als die eigentlichen Herrschaften, die Lehens- und Dienstleute dagegen als ihre Söldlinge zu betrachten, die gegen Sold ihre Lehensgüter empfingen und die Besoldung und die Besoldung in Naturalien als sogenannte Lehens- oder Bodenzinsen und Vogtsgebühren zu leisten hatten und über den ihnen verliehenen Grund und Boden die niedere Gerichtsbarkeit auszuüben hatten.

 

Nach dem Erlöschen der gräflichen Familie von Lupfen 1582 wurden die Herren von Pappenheim von Kaiser Maximilian II mit der Landgrafschaft Stühlingen belehnt. Von genannter Familie hatte das Stift St. Blasien die Hoheitsrechte über den von ihm erworbenen Anteil dieser Herrschaft, sowie über früher erworbene Teile des Albgaues erkauft.

 

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Die unseren Ort umgebenden Höhen sind mit Tannen gekrönt, meist sind es Rottannen, die Täler mit frischem Grün geschmückt, die von sprudelnden Quellbächlein bewässert werden.

 

Die früheren Weiden und Ödungen sind durchweg mit Fichten bepflanzt worden im Laufe der vergangenen Jahrzehnte, oder ihr Boden wurde umgestürzt und mit Gerste, Hafer, Roggen z.Z. auch mit Weizen bestellt und vor allem mit Kartoffeln angepflanzt. Der entstandene Hochwald bildet heute eine wahre Goldgrube, besonders in Zeiten finanzieller Nöte und wurde daher auch tüchtig gelichtet und mit ihm leider auch der Wildbestand. Hirsche sind keine mehr vorhanden, dagegen tauchten in neuerer Zeit herdenweise Wildschweine auf, die den Feldfrüchten schweren Schaden zufügten. Der Weihbischof Hornstein von Konstanz durfte sich nicht mehr freuen, wie geschrieben steht, auf seiner Weih- und Firmungsreise einen Zehnender zu erlegen (1775).

 

Aus der Jagdgerichtsbarkeit über Hoch- und Niederforste geht hervor, dass vor ungefähr 250 Jahren noch in den dichten Waldungen der Reichsherrschaft Bonndorf Bären, Wölfe, Luchse, Wildschweine und Hirsche anzutreffen waren.

 

A.Kürzel  führte in seinem Buche:

            „Die ehemalige sanktblasische Reichsherrschaft Bonndorf

             geschichtliche Beschreibung“

folgendes aus:

 

Nach der Jagdfrohnde wurde für einen Bären bezahlt:

1 fl. (Gulden), für einen Luchs 1 fl. und für einen Wolf 12 Batzen und der Teil, worin solch ein Tier gefällt worden war, bezahlte noch einmal darüber für jeden Wolf 4 fl.

 

Nach dem damaligen Jägerrecht war bestimmt zu zahlen:

Von einem jagdbaren Hirsch von zehn Enden oder darüber 1 fl, von einem unter zehn Enden, Spießhirsch oder Gewildreh 12 Batzen (Gewildreh, Spießhirsch und Gewildkalb waren ganz zu liefern)

 

von einem hauenden Schwein 1 fl., von einem Frischling 8 Batzen und eine Bache 1 fl.  (1Batzen =4 Kreuzer = 12 Pfennig).

 

Nach derselben Jägerordnung wurden bezahlt:

Von einem Reiher      2 Batzen

Hasel- oder Rebhuhn 2 Batzen

Auerhuhn                    6 Batzen

wilde Tauben              2 Batzen

wilde Krähen              6 Batzen

Drossel, Amsel, ....    1 Heller

1 Dtzd. Finken            6 Heller

1 Dtzd. Lärchen       12 Heller

1 Wachtel                   3 Heller

1 Ente                         2 Batzen

 

Die Haut des halbgewachsenen Wildschweines wurde zum Einband der Bücher gebraucht, daher sie den Klöstern geschenkt zu werden pflegte.

(Entschluss vom 25. November 1669)

 

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Die Obstbaumzucht ird hier noch in bescheidenem Maße betrieben, besonders gedeihen die Bäume in denen vor kalten Winden geschützten Niederungen, jedoch gibt es kaum einen Ort, wo sich nicht eine Baumfrucht zeigt, die des Pflanzers Mühe lohnt. Ja man muss sich wundern, dass übrigens auf solcher Höhenlage noch Obstbäume anzutreffen sind. Wir haben hier besonders Salemer Klosterapfel, den Gravensteiner, Lederapfel, Bohnapfel neben einigen Lokalsorten.

 

Die Flora teilt sich in die des Urgesteins und in die des Kalkbodens. Es finden sich hier neben vielen anderen: der blaue Enzian, die schöne Trollblume, der Talstern, Bisamhyaznthen, Orchideen, einig Arten, Deutscher und Lungenenzian, Türkenbund und Frauenschuh sind in der Nachbargemeinde Bettmaringen zu finden.

 

Unsere Gegend gehört zu den reuen Teilen des Schwarzwalds; die Winter dauern oft sehr lang und reichlicher Schnee deckt lange Zeit die Fluren. Frühling, wie er in tieferen Lagen sich wunderbar und angenehm auswirkt, fehlt uns, und diese Jahreszeit geht rasch in den Sommer über, der in der Regel sehr warm ist, wodurch das Wachstum der Früchte gefördert wird, obgleich des Nachts sehr kühle Winde wehen, namentlich Südwest- und Nordwinde.

 

Eine wunderbare Aussicht kann man hie genießen vom Bühl aus, wo im Osten die Jurazüge gen Südwesten weiterziehen, bei klarem Wetter erschaut man in nordwestlicher Richtung den Feldberg, den König der Schwarzwaldberge, und weiter gleitet unser Blick nach Süden, wo uns die Alpen grüßen: das herrliche Jungfraugebiet mit Eiger und Mönch, der Titlis, das Sustenhorn, die Windgälle und viele andere schneebedeckte Berge leuchten hervor mit ihrer Pracht.

 

In den Sommertagen sind die Alpenberge meist durch eine bläuliche Dunstschicht unsichtbar, nur bei Witterungswechsel, d.h. wenn schlechtes Wetter im Anzu ist, treten sie wieder hervor. Der Herbst ist hier oben schön, die Sonne steht in dieser hohen Gebirgsgegend mit dem großen Horizont bis zum späten Abend am Himmel und auch im Winter herrscht oft Sonnenschein, währenddessen im Rheintal dichter Nebel liegt.

 

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Über die ersten Anfänge unseres Dorfes und über dessen Entstehung liegen noch keine Urkunden vor, bzw. sind bis jetzt keine Nachweise über die Gründer erbracht worden. Doch muss unser Dorf schon früh bestanden haben, das aus folgendem zu entnehmen ist.

 

Der 4. Abt vom Stift Allerheiligen (Schaffhausen) namens Siegfried war aus dem Benediktinerstift Hirsau hervorgegangen; er gründete die Filialen Wagenhausen (bei Stein am Rhein) und Grafenhausen von St. Blasien Schaffhausen aus. Ersteres zu Ehren der Königin des Himmels und letzteres zu Ehren der hl. Fides. Die Gründung dieser Zelle liegt in den Jahren 1080 – 1085.

 

Von einem Ort Grafenhausen wurde damals nichts erwähnt, doch fürfte ein socher Ort schon bestanden haben, da sich alsbald Unstimmigkeiten zeigten zwischen geistlicher Obrigkeit und weltlicher Herrschaft. Genannter Ort soll um das 7. oder 8. Jahrhundert entstanden sein. Das oben erwähnte Kloster Allerheiligen besaß einst den Ort Grafenhausen und Schluchsee, sowie den Berg Staufen; die Besitzungen gingen bis Titisee (Heute hat der Kanton Schaffhausen in Grafenhausen noch größeren Besitz).

der Bischof Gebhard III. von Konstanz soll neben dem Kloster Grafenhausen (1096) auch das Kloster Berau geweiht haben. Das erste war ein Frauenkloster, letzteres ein Benediktinerkloster. Beide waren Frauenklöster. Riedern war eine Augustinerprobstei.

 

Im Jahre 1349 erkaufte „apt“ Jakob zu Schaffhausen dem Kloster Grafenhausen einen Weinberg unten an der Bogelsteig zu „Tüngen“ von Herren von Küssenberg (Ritter)

 

um 20 Mark Silber. Die Nutzung der Trotte und des Weingartens waren ungeschmälert für die Klosterfrauen von St. Finden bestimmt. Heute leitet man noch den Namen Fidibuck davon ab.

 

Das Ende des St. Fidesstifts dürfte in der Zeit von 1534 – 1529 liegen. Einige Zeit früher fiel der gesamte Besitz Allerheiligen an die reformierte Stadt Schaffhausen. Die Seelsorge in St. Finden versieht ein Weltpriester [Leutpriester von Bkd.]

 

(Durch die Napoleonische Zeit kamen gewaltige Änderungen in die Gegend. Nach mehr als zehnjährige Verhandlungen mit dem Großherzoglichen Haus kam Grafenhausen in den großen Waldbesitz)

 

Ita von Birkendorf schenkte damals dem jungen Kloster Grafenhausen als Seelgreuth (für ihr Seelenheil) „ein Hueb“ (Hof samt Zehnt). Die Hube ist der Besitz eines Freien von ungefähr 40 Morgen. – Damit sich damals die Kirche in Birkendorf nicht beklagt wegen der Schenkung, erhielt sie ein Gut in Mettingen.

 

Einst führten Ritter ihre Namen von unserem Dorfe, die Lehensleute der Dynasten von Krenkingen waren. Sie bekleideten das Vogt- und Schultheißenamt der Herren von Wolfurt, zogen sich dann nach Schaffhausen zurück, wo sie im 15. Jahrhundert erloschen.

 

In sanktblasischen Urkunden wird unter den Edlen des Schwarzwaldes im Jahr 1150 ein Heinrich von Birkendorf erwähnt; 1298 tritt ein Erlawin von Birkendorf als Zeuge auf in einer Verkaufsurkunde eines Hofes in Heubach an St.Blasien. Ein Heinrich von Birkendorf verkaufte 1353 den Klosterfrauen zu Riedern sein Gut zu Seewangen, das er zu eigen besaß.

 

Im Jahre 1397 bestand ein Streit zwischen dem Stift St. Blasien und der Herrschaft von Wolfurt über Güter und leibeigene Leute. Um diese Zeit wird erwähnt, daß die Herren von Wolfurt ihren Sitz bald auf dem Schloss Tannegg bei Boll, unweit von Bonndorf, bald auf jenem zu Birkendorf hatten. Wo aber genau das Schloss hier gestanden haben soll, ist unbekannt bis jetzt.

Heute lebt bei den Birkendorfern noch fest der Glaube, dass der Bühl der Träger eines einstigen Schlosses gewesen sein soll. Spuren davon sind nicht mehr zu sehen, doch die örtlichen Verhältnisse lassen leicht die Vermutung zu. Es wäre auch denkbar, dass auf dem Bühl sich ein sog. Herrenhof befunden hätte und dieser, wie vielerorts geschehen, mit der Zeit stark bewehrt (ummauert) wurde und so eine Art Burg bildete.

Wenn jemals auf dem Bühl sich ein Schloss oder eine Burg befunden hätte, wäre doch anzunehmen, dass sicher diese Anhöhe den Namen Schlossberg oder Burgberg tragen würde.

 

Am östlichen Abhang des Birkbühls fand man in den fünfziger Jahren des vorigen Jahrhunderts in einem Ackerfeld alemannische Plattengräber mit Eisenwaffen und einige gutgeschmiedete Hufeisen.

 

Im Jahre 1403 erkaufte Erlawin von Birkendorf „ze disen Ziten Vogt zu Blumenegg“ von Ulrich von Wolfurt das Vogteirecht in Lausheim und trat seine Güter in Birkendorf an Johann von von Wolfurt gegen den Zehnten in Münchingen und Ebnet ab. In dieser Verkaufsurkunde nennt sich dieser: „Ich, Hans von Wolfurt, sesshaft zu Birkendorf“ (1406). Dieser Hans von Wolfurt wird noch 1428 in Birkendorf erwähnt.

 

Die Advokatei über diesen Ort und seine Zugehörigkeit hatten die Herren von Roth. Durch die Heirat des Friedrich von Roth mit Anna, Tochter des Gottfried von Grießen, kam die Anwaltschaft 1363 an diese und von Erzingen, doch besaßen diese Herren nur ein gewisses Patronatsrecht über die Kirche, während der Ort im Besitz des Klosters Allerheiligen war. Heinrich von Erzingen verkaufte es 1494 an den Grafen von Lupfen.

 

Damals lagen zwischen Birkendorf und Grafenhausen zwei Weiher, die an Junker von reischach (O.A.Sigmaringen) verkauft wurden. der Damm des großen Weihers ist heute noch gut erhalten; seine Höhe beträgt etwa 3-4-m.

Die Edlen von Reischach waren (nach Mone) ein hegauischer evtl. nellenburgischer Adel. In einer Urkunde aus dem Jahre 1290 erscheint ein Zeuge Wezelo von „Reischach“. Die familie erhielt viele Lehen im Hegau z.B. Höwen, Stoffeln und Krähen.

In älteren Zeiten war das Weiherfeld ein herrschaftliches Fischwasser; heute mit Wald bewachsen, zeigt noch sehr sumpfigen Boden.

 

Wie schon erwähnt, bildete Birkendorf den dritten Teil der Herrschaft Bonndorf und hatte ein besonderes Gericht. Hierher gehörten:

Vogelsang, Igelschlatt,die Höfe Rombach und Rohr (Dieser wurde später Grafenhausen zugesprochen.), ferner Hürrlingen und die hohe Obrigkeit über Buggenried samt Bulgenbach. Alle diese Orte wurden 1612 von Max Pappenheim um 77.500 fl an das Stift St. Blasien verkauft.

 

Zur Zeit der Reformation kam Birkendorf mit Grafenhausen nach Aufhebung des Klosters an die Stadt und Kanton Schaffhausen, ging aber durch Tausch (1530) an die Grafen Wilhelm und Christof von Lupfen über. Ihnen folgten die Grafen von Pappenheim.

Der alte Sitz der Herren von Wolfurt ist das Dorf mit seiner Burgruine gleichen Namens am Eingang des St. Gallischen Rheintales, etwa eine Wegstunde oberhalb Bregenz. Kaum ein Adelsgeschlecht, so schreibt A. Kürzel in seinem Buche, hat eine rätselhaftere Geschichte als die Wolfurter. im 10. Jahrhundert soll die schottische Familie M’Dewa the Wolf wegen politischer Verfolgung ihr Vaterland verlassen und sich in deutschen Landen niedergelassen haben, wo ihr Name in Wolfesford und Wolfurt überging. Der Name Wolfurt wurde ein ziemlich verbreiteter in Schwaben, im Schwarzwald, im Breisgau und im Bregenzer Rheintal.

 

Zu Anfang des 15. Jahrhunderts wanderte dieser Zweig der Familie aus; wahrscheinlich bildeten die unruhige Zeit, hervorgerufen durch das Umsichgreiffen der Schweizer Eidgenossenschaft, Grund hierzu. Nachdem Rudolf von Wolfurt die österreichische Pfandschaft der Stadt Bräunlingen an den Grafen von Fürstenberg abtrat, erscheint nieman dieses Geschlechts in diesseitigen Landen. Von Ihrem Wappen mit der Birke befindet sich noch ein alter Grabstein im Kreuzgang des Klosters Allerheiligen.

 

Anastasia von Wolfurt vermählte sich mit Erhard von Falkenstein (im Schiltachtale) infolgedessen die Herrschaft Bonndorf als Heiratsgut an die neue Adelsfamilie überging, doch von Erhard von Falkenstein 1440 an das Haus Rechberg wieder verkauft wurde. (Er war begütert im Jaxtkreis.) Ein Ritter von Wolfurt kaufte 1340 das Schlösschen Burgberg bei Überlingen.

Nicht lange stand die Herrschaft Bonndorf unter diesem Herrn; sie ging schon nach 20 Jahren an einen neuen Besitzer über und bildete von nun an einen Teil der Landgrafschaft Stühlingen, von der sie wieder nach 115 Jahren getrennt wurde.

 

1582 erlosch das Geschlecht der „Lupfen“, wie schon erwähnt und es entspannen sich lang andauernde Erbstreitigkeiten.

 

Graf Konrad, Erbmarschall von Pappenheim, erhielt 1572 von Kaiser Maximilian II. die Anwartschaft auf die gräflich-lupfschen Reichslehen Stühlingen; doch nach wechselvollem Geschick kam erst dessen Sohn, Max von Pappenheim, 1605 in den wirklichen Besitz der Landgrafschaft Stühlingen und verkaufte wegen Verschuldung 1609 das Amt Grafenhausen und den Birkendorfer Teil 1612 an Abt Martin I. ,ferner war er gezwungen, dem Stift St.Blasien nicht nur die hohe Forst-, Geleit-,  und landesgerichtliche Obrigkeit über die von Mörsperg erworbene Herrschaft Bonndorf käuflich zu überlassen, sondern auch die bisherigen sanktblasischen Niedergerichtsbarkeiten in der Landgrafschaft Stühlingen die Ämter: Blumenegg, Gutenburg, Bettmaringen und einem Teil seiner Herrschaft, wo Eigentum war. Diese Kaufhandlung wurde von Kaiser Matthias 1613 bestätigt, dadurch wurde der Abt von St. Blasien Graf der Herrschaft Bonndorf. Die Untertanen mussten1614 (16.3.) den Huldigungseid ablegen lt. Verordnung:

 

„… auch jede Mannesperson der Vogtei zu „Bürkendorf“ so sie das 15. Jahr ihres Alters erreicht, hat die Erb-Huldigung einem jeden Abten zu St. Blasien abzulegen desgl. die gesamten Untertanen zu Birkendorf zu fronen, wachen, Einquartierung, Kontributionen, Kriegsanlagen und andern Beschwerden gleich andern in der Herrschaft Bonndorf gesessenen Untertanen mitleiden und –tragen zu helfen, verbunden sind.“

 

Die ganze Herrschaft, welche von Freiherr zu Mörsperg über Erbmarschall von Pappenheim an St. Blasien gekommen war, bestand aus drei Teilen. Es waren dies:

            I. Das Gericht oder die fünf Flecken der Grafschaft Bonndorf

            II. Das Gericht oder Amt Grafenhausen.

            III. Der Birkendorfer Teil.

 

An diesen drei Orten wurden drei besondere Wochengerichte unter dem Vorsitz des Stabhalters und der Vögte abgehalten, vor welchem aller Fertigungen über Kaufhändel, Güterstreitigkeiten und anderes mehr gebracht wurden. Die Appelation (Berufung) von diesen Gerichten geschah zu St. Blasien am Hofgericht, von da nach Rottweil und an den Reichshof zu Wien oder das Kammergericht zu Speyer. Nach dem Pressburger Frieden 1805 fiel die Grafschaft Bonndorf an Württemberg. St. Blasien und seine übrigen Besitzungen an Baden. In einem späteren Staatsvertrag kam Bonndorf auch an Baden, und das Stift St. Blasien, desse Äbte 200 Jahre lang Grafen der Herrschaft von Bonndorf waren, wurde 1806, bzw. 1807 aufgehoben.