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Krone Igelschlatt

Das Gasthaus „Krone“ in Igelschlatt

1808 Antrag um die Wirts- und Backgenehmigung

 

Am 12. September 1808 bittet Josef Matt von Igelschlatt beim Amt Bettmaringen die Großherzogliche Regierung untertänigst um die Erteilung des Wirtsrechts und um die Backgerechtigkeit.

Nach dem Zeugnis des herrschaftlichen Vogtes sei  im Ort Igelschlatt ein Wirt, der zugleich das Backrecht hat unumgänglich notwendig.

 

Backen, führt Matt an, habe er bei seinem Vater, der Bäckermeister in Ühlingen war, gelernt. Deshalb wurde ihm das Backen, ohne zünftig zu sein, gestattet.

 

Schon am 8. November erhält Josef Matt die Genehmigung für seine Wirtschaft mit Bäckerei für 5 Jahre:

 

Freyburg den 8 ten Nov 1808

Die Großherzoglich – Badische Regierung

Des Oberrheins

An das Amt Bettmaringen

 

Auf den Bericht des Oberamtes Bettmaringen vom 26ten Okt. 1808 auf die diesseitige Verfügung vom 6ten Oktober R.No 10294 in Betreff die Bitte des Josef Matt von Igelschlatt um Erlaubnis Wirtschaft treiben und backen zu dürfen, wird hierdurch dem gedachten Jos. Matt die Erlaubnis Wein und Brandwein auszuschenken, auf alle Gattungen von Speisen verschleißen zu dürfen mit dem Recht zum Backen für den Hausbedarf und zum Verkauf gegen Entrichtung der derfalsigen Abgaben auf fünf Jahre erteilt und dem Amte aufgetragen, genau auf ihn, besonders wegen Güte, Gewichts, und Echtheit des Brots wachen zu lassen, ihn auch zu Beobachtung der übrigen Polizeigesetze anzuhalten. [1]

 

Am 17. Juli 1812 wird von Fidel Plattert  (Plattert ist mit „P“ ge-schrieben!)  die Verlängerung des Wirtschaftsrechts beantragt:

 

„Da ein die nämliche Gründe nach obwalten wie damals (1808),  so kann man die gefälligste Gewährung des Gesuches eine Erteilung des Wirtschafts Rechts wie es  seine Vorfahren Matt hatten, für ihn und seine Nachkommen wieder neu erteilen.[2]

 

Großherzogliches – Badisches Directorium des

Donau – Kreises.

Villingen den 23ten Juli 1812

Dem Fidel Plattert von Igelschlatt wird die nachgesuchte ständige Wirtschaft unter der Verbindlichkeit, das benötigte Bier auf dem herrschäftlichen Bräuhaus zum roten Haus abzulangen [??] erteilt.

 

Also darf die Wirtschaft weiter betrieben werden, aber mit der Auflage, das Bier bei der Rothaus Brauerei zu beziehen!!

 

1857 erwirbt Theodor Matt seine sämtlichen Liegenschaften von seinen Eltern Leopold Matt und dessen Ehefrau Barbara, geborene Fechtig durch Kauf.[3]

 

Um die Kapelle 18451859 im August heiraten Theodor Matt und Johann Durst aus Brunnadern. Sohn Franz Xaver Matt kam schon im März desselben Jahres zur Welt.

 

 

Am 20. März 1869 wird dem Theodor Matt, Wirt, das Igelschlatter Waschhaus auf unbestimmte Zeit überlassen. Er muss die Staats- und Gemeindeabgaben bezahlen und das Gebäude in gutem Zustand erhalten.[4]

 

 

Am 18. September 1869 wird in der Familie Matt das Altenteil  geregelt. Der „Alt-Wirt“ Leopold Matt , 61Jahre alt, zieht mit seiner Ehefrau Barbara, geb Fechtig zu seiner Tochter Maria Agathe Matt und deren Ehemann Siegfried Schäuble. In  einem Verpfründungsvertrag (Pfründe = Versorgung) werden die Einzelheiten genau geregelt. Von der Wohnkammer, über Stall und Keller, bis hin zu Benutzung des Abtritts.[1]

 

Am 5. Januar 1871 brennt die Igelschlatter Wirtschaft ab. Theodor Matt, der „Kronenwirt“[5] stellt den Antrag, bis zum Neuaufbau, die Wirtschaft im Hause seines Nachbarn Siegfried Schäuble weiter betreiben zu dürfen, was vom Amt und dem Gemeinderat in Birkendorf bewilligt wird.

 

Großherzogliches Bezirks Amt

Das Gesuch des durch Brand  Am 5ten d.M. verunglückten Theodor Matt Kronenwirt von Igelschlatt um Bewilligung sein Wirtschaftsrecht im Hause des Siegfried Schäuble in Igelschlatt bis zum Wieder Aufbau seines eigenen Wohnhauses ausüben zu dürfen   betr.

 

Wohldemselben ist bereits bekannt, wie durch den am 5ten  d.M.  in meinem Hofe und Ökonomiegebäude Ausgebrochene Feuer mein Wohnhaus und meine Hofreite bis auf einen kleinen Teil derselben ein Raub der Flammen geworden sind, wodurch ich und noch besonders bei gegenwärtiger rauher Winterszeit in die bedrängte und gewiss traurigste Lage versetzt worden bin,  die man sich nur denken kann. Ich beabsichtige im kommenden Frühjahr mit dem Wiederaufbau meins Hofes und Ökonomiegebäude zu beginnen, sobald dies die Witterung zuläßt und einstweilen bis ich wieder irgend Hoffnung habe das mir zustehende Wirtschaftsrecht in dem Hofe und Ökonomiegebäude des Siegfried Schäuble in Igelschlatt zu betreiben, wozu mir der Genannte Eigentümer seine Einwilligung erteilt hat.

Großherzoglichem Bezirksamt erlaube ich mir daher in meiner höchst traurigen und bedrängten Lage das Gesuch ergebenst vorzutragen, um wohlgefällige Bewilligung mein mir zustehendes Wirtschaftsrecht einstweilen im Hofgebäude des Siegfried Schäuble in Igelschlatt[6] ausüben zu dürfen, bis ich wieder im Besitz eines eigenen neuerbauten Wohnhauses gelangt sein werde. In besagtem Wohnhause sind die erforderlichen Räumlichkeiten vorhanden, und glaube ich auch es werden meinem Gesuch keine Hindernisse irgendeiner Art entgegen stehen

Igelschlatt den 13 Jänner 1871

                                               Theodor Matt

 

Ehemalige Krone, heute Hof Maier

(Bild: Gäng) So wurde nach dem Brand von 1871 die „Krone“ wieder aufgebaut. Links im Haus befand sich der „Tanzboden“ für Feste und im Keller wurde Bier gebraut. Der Schuppen rechts war das Igelschlatter Waschhaus, später der Sprungstall für den Farren. Das Gebäude lag an der ehemaligen Vicinalstraße, die 1967 nach rechts verlegt wurde.  Die alte Straße wurde zur Hofeinfahrt. Die Igelschlatter Kapelle rückte damit auch von der Straße weg.

 

Im April 1873 verzichten die Eheleute Leopold Matt von Igelschlatt auf ihre Leibgedingrechte an den Liegenschaften des Siegfried Schäuble Eheleute gegenüber der Waisen- und Sparkasse Bonndorf. [7]

 

Ein gute Auskommen scheint es auf der „Krone“ in Igelschlatt nicht gegeben zu haben, denn Theodor Matt muss wegen hoher Schulden und Verpfändungen sein Anwesen verkaufen.

Aus dem Versteigerungsprotokoll[8] vom 7. Dez. 1880 erfahren wir, dass Isidor Fechtig, „Hirschenwirt“ von Birkendorf und die Wittwe des Adolf Kaiser, Genofeva Kaiser, geb. Fechtig das Anwesen für 10.000 Mark ersteigern. Sie erwerben:
Ein zweistöckiges Wohnhaus mit Scheuer, Stallung und Schopf unter einem Dache, nebst einer kleinen Brauereieinrichtung[9], Das Gasthaus zur Krone mit Grund und Boden mit darauf ruhender Personalwirtschaftsgerechtigkeit.

 

 

Leopold Matt stellte schon am 9. September 1880 den Antrag auf einen Familienheimatschein, um aus dem badischen Staatsverband entlassen zu werden.

 

Bericht der Gemeinde Birkendorf vom 19. September 1880 auf eine Anfrage des Bezirksamtes Bonndorf, die Bitte des Theodor Matt um Ausstellung eines Familienheimatscheins betreffend.

 

Auf amtl. Verfügung vom  10ten d. Monats No 9244 wird wohldemselben gehorsamst berichtet, dass Theodor Matt Familie aus dem Staatsverbande entlassen werden will und deshalb um Entlassung nachsucht. Indem er hier in schlimme Vermögensverhältnisse geraten und nun sein Glück in Amerika suchen will.

            Beim Sohn Xaver Matt ist die Absicht nicht vorhanden, dass derselbe um Entlassung nachsucht, um sich der Wehrpflicht zu entziehen.

 

                                               Birkendorf, 19. Sept. 1880  [10]

 

Noch im Jahre 1880 wandert Leopold Matt mit seiner Frau Johanna, und 5 Kindern, [Franz Xaver, Berthold, und  Elisabeth , Konrad, Maria], nach Amerika aus, wo sie in Utica im Staate New York einen Lebensmittelmarkt betreiben.

 

Franz Xaver  arbeitete in seinem erlernten Beruf in einer Brauerei und übernahm nach acht Jahren die „Westend Brauerei“ in Utica. (siehe den Text „Franz Xaver Matt“)

 

Die „Krone“ ist von den Fechtigs wohl noch kurz weiter betrieben worden. Der letzte Wirt soll sein bester Kunde gewesen sein, wusste Kurt Stulz zu berichten. Auf jeden Fall besitzt das Haus noch immer einen beeindruckenden Gewölbekeller. Der Schopf hinter dem Wohnhaus wurde in der Familie  noch lange „Tanzboden genannt“  Das Wirtschaftsrecht ist noch bis in die 60er Jahre vorhanden gewesen aber nicht genutzt worden.

Kellertüre          Kellergewölbe

Eingang zum Gewölbekeller der „Krone“ im heutigen Haus Meier

 

 


[1] Igelschlatter Akten im Gemeindearchiv Birkendorf

[2] Archiv Birkendorf, Igelschlatter Akten

[3] womit  belegt wäre, dass in der Krone gebraut wurde, Franz Xaver Matt, der erstgeborene von Theodor Matt hatt im Rothaus das Brauhandwerk gelernt und war zur Zeit der Versteigerung 21 Jahre alt. Der Gewölbekeller im heutigen Haus Meier ist noch vorhanden.

[4] Auswanderungsakte, Landesarchiv Freiburg

 


[5] Igelschlatter Akten im Archiv Birkendorf 1869 :Verpfründungs Vertrag zwischen Leopold Matt und seiner Tochter Maria Agatha Matt

[6] In diesem Antrag taucht erstmals der Name der Wirtschaft, „Krone“ in den Akten auf

[3] Siegfried Schäuble ist der Schwager von Theodor Matt

 

[7] Akten des GLA Karlsruhe

[8] GLA Karlsruhe

[9] Theodor Matt verkauft 1877 Liegenschaften von 9 ha an die staatliche Domäne. Im Kaufvertrag wird auf den Erwerb von seinen Eltern im Jahre 1857 und auf den Grundbucheintrag hingewiesen.

[10] Das Igelschlatter Waschhaus lag auf der linken Seite der Vicinalstraße gegenüber der Hofeinfahrt und hatte eine eigene Wasserleitung. Heute liegt es auf der rechten Seite, weil die Straße im Jahre 1967 verlegt wurde.