BannerbildBannerbildBannerbildBannerbildBannerbild
Link verschicken   Druckansicht öffnen
 

Die Wirtschaft in Horben

Der Weiler hatte einmal seine eigene Gastwirtschaft

 

deckblatt

Die zitierten Texte, kursiv gedruckt,  stammen alle aus Urkunden des Landesarchivs Freiburg.

 

 

 

Der „Freistaat Horben“, wie er von seinen Bewohnern gerne genannt wird, hatte auch seine Gastwirtschaft.

 

1885 baute Gottlieb Clesle aus Oberdigisheim das Gebäude, das noch immer im Besitz der Familie Clesle ist. Der Zimmermann schrieb Clesle damals   mit G übers „Schürdoor“, er wußte es nicht besser.

 

jahreszahl

 

1873

 

      Im September 1873 beantragte Gottfried Clesle, Ziegler, beim Gemeinderat Birkendorf, in Horben eine Gastwirtschaft zu betreiben. Gottfried Clesle war einige Jahre zuvor zusammen mit der Familie Stengel aus Oberdigisheim (heute Ortsteil von Meßstetten) von der Schwäbischen Alb in den Schwarzwald nach Horben gezogen. 1873 war Gottlieb Clesle noch immer Bürger von Oberdigisheim

 

horbener höfe

Die beiden Häuser der Familien Clesle (links) und Stengel

 

Löblicher Gemeinderat in Birkendorf

 

                                               Das Gesuch des Gottlieb Clesle Ziegler

                                               Von Oberdigisheim Königreich Württem-

                                               Berg wohnhaft in Horben um die

                                               Erlaubnis zum Betrieb einer  Schankwirtschaft betr.

 

 

      Der unterzeichnete Bittsteller beabsichtigt in seinem eigenthümlich neuerbauten zweistöckigen Wohnhaus auf Gemarkung Horben oben an der Straße zwischen Bonndorf und Birkendorf stehend eine Schankwirtschaft zu betreiben, und erlaubt sich löblichem Gemeinderath das Gesuch um Ertheilung der hiezu erforderlichen Erlaubnis hiemit geziemend einzureichen. Zu meinem neu erbauten Wohnhaus ist hiezu hinreichend Platz vorhanden und zwar schon im unteren Stock welcher ausschließlich hiezu benütz werden kann. Ich halte mich auch zum Betrieb dieses Gewerbes hinlänglich befähigt, was meinen Leumund betrifft ist solcher dem Gemeinderat bekannt da ich schon seit längerer Zeit in Horben wohnhaft bi und wolle mir das hiefür erforderliche Zeugnis ausgestellt werden. Hiebei erachte ich zugleich für nötig auch um Erlaubnis zum Ausschank oder Verkauf von Branntwein nachsuchen zu müssen da bekanntlich sämtliche Wirthe in der Gemeinde Birkendorf hiezu die Erlaubnis haben und die Erlaubnis zum Ausschank oder Verkauf von Branntwein einem Bedürfnis des Publikums entspricht was in der kalten Jahreszeit der Fall ist.

 

 

 

Am 5. Oktober 1773 erteilte das Großherzogliche Bezirks Amt in Bonndorf die Erlaubnis zum Betrieb der Schankwirtschaft.

 

Ein Brand am 30. September 1884 zwang Gottlieb Clesle den Betrieb seiner Gastwirtschaft zu unterbrechen.

 

 

1886

 

Am 18. April 1886 stellte Clesle den Antrag zur Wiedereröffnung:

 

 

Bitte des Gottlieb Clesle

In Horben um Verleihung

Der Restauration betreffend

 

Verehrtester Gemeinderat Birkendorf

 

      Der Unterzeichnete beabsichtigt, den durch Brand vom 30. September 1884 unterbrochenen Betrieb seiner Restauration in seinem Hause an der Landstraße von Birkendorf nach Bonndorf wieder aufzunehmen, und bittet den Gemeinderat ergebenst, mein diesbezügliches Gesuch dem Ghz.Bez.Amt mit empfehlendem Antragen geneigtest vorlegen zu wollen.

      Wie wohldemselben noch bekannt sein wird hatte ich die Concession zum Wirtschaftsbetrieb von Oktober 1873 bis zum Brande im Jahre 1874 ohne daß je einmal eine polizeiliche Anzeige wegen meiner Wirtschaft gemacht worden wäre. Auch mein sonstiger Leumund wird mir vom Gemeinderat als tadellos bezeichnet werden müssen. Der Betrieb der Wirtschaft soll in gleicher Weise wie früher erfolgen nämlich in einem dem früheren ganz gleichen Lokal und mit Verabreichung von kalten Speisen, Bier, Wein und Brantwein.

      Was dem Bedürfnis fragen betrifft, so möchte ich darauf aufmerksam machen, daß meine Wirtschaft ziemlich isoliert liegt und vom nächsten Orte eine halbe Stunde entfernt ist.

      Gegen Bonndorf ist die nächste Wirtschaft sogar über eine Stunde entfernt. In Anbetracht des Umstandes, daß ich die Concession bis zum Brande während 11 Jahren innehatte und durch den Brand immerhin noch bedeutenden Schaden im Geschäfte selbst hatte, bitte ich, die Wiedereröffnung meiner Wirtschaft befürworten zu wollen.

                                                           Horben, den 18. April 1886

                                                                       Gottlieb Clesle

 

 

 

 

 

Die Birkendorfer Wirte legten Einspruch ein:

 

     Der Ort Birkendorf hat zur Zeit 6 Wirtschaften im Betriebe u. ist im Verhältnis zu der kleinen Einwohnerzahl außer einer neuen zu errichtenden Wirtschaft ausreichend mit solchen versehen, glauben die unterzeichneten, daß von einem Bedürfnis keine Rede sein kann, Horben liegt sehr nahe bei Birkendorf, daß es jedem der dort angelangt gut möglich ist noch nach Birkendorf zu kommen.

Der zu errichtende Wirtschaftsbetrieb würde nur zu einem Schlupfwinkel für derartige Leute, wie Knechte pp (Diener) die in dem Orte selbst sich nicht getrauen dürfen die Wirtschaften zu betreten.

 

 

 

 

      Aus diesen Gründen und in Anbetracht daß es keineswegs ein Bedürfnis des Publikums ist, eine weitere Wirtschaft zu errichten, wird hiermit gegen die Ertheilung der Concession zu einem Witschaftsbetrieb in Horben Beschwerde erhoben.

                                               Birkendorf, den 29ten April 1886

                                                           Keßler zu Post

                                                           Fechtig zum Hirschen

                                                           Gänswein zum Kranz

                                                           Max Blatter Brauer

        

 

      Der Gemeinderat legte die Sache dem Bezirks Amt Bonndorf vor,  das veranlasste eine Überprüfung der Verhältnisse durch den Gendarmerieposten in Ühlingen:

 

      Anweisung an den Gendarmerieposten Station Uehlingen Die Wirtschaft in Horben zu beschreiben, Höhe, Fenster, Räume. Überprüfen ob die Aborte und Pissoires in gutem Zustand sind. Auch ist zu erfahren ob über den Leumund des Wirthes etwas Nachtheiliges bekannt ist.

 

 

    Uehlingen, 3. Juni 1886

 

                                                                                           Die Bitte des Gottlieb Clesle

                                                                                           In Horben um Verleihung

                                                                                           einer Schankwirtschaft

    betr.

 

      Dem Bezirke melde ich zu Folge Weisung Ghz.Bez.Amt vom 1.d.M. No.6864 gehorsamst, saß ich dem 2.d.M. mit Gendarm Dutt von der räumlichen Beschaffenheit des Wirtschaftslokals des Gottlieb Clesle in Horben Einsicht genommen und dabei gefunden daß das Lokal die Breithe und Höhe hat wie von dem Grunde neulich ist dasselbe mit 4 Fenster versehen ist 2 Meter 40 cm hoch, 6 m lang und 5 Meter breit.

      Der Abtritt ist in gutem Zustand hinter dem Hause am Platze der früheren, jedoch zur Zeit ohne Luftrohr. Clesle ist jedoch bereit, ein solches sofort anbringen zu lassen.

Nach meinen Erhebungen hat Clesle einen tadellosen Leumund und ist über das Verhalten desselben noch nichts Nachtheiliges bekannt geworden.

      Der Horbenhof  [:bzw. beide Höfe :] bilden eine Gemarkung und befinden sich im „Forst …..“ Zur Gemeinde Birkendorf gehören diese Höfe nur in der Polizeisache. Alle anderen Sachen wie Armensache  ………… haben dieselben unter sich zu tragen und haben dieselben auch bei Gemeinderatswahlen   …….. kein Wahlrecht in Birkendorf.

                                                                                                                  Hönner, Gendarm

 

 

 

      Das Bezirks Amt in Bonndorf gibt danach die Anweisung zum Genehmigen.  Am 7. Juni 1886 zeigt Bürgermeister Kolumban Schnitzer „gehorsamst“ an, dass Clesle seine Wirtschaft am 13. Juni 886 eröffne.

 

 

1903

 

      Am 12. Februar 1903 übernimmt Wilhelm Clesle die Wirtschaft von seiner Mutter, der Witwe des Gottlieb und will sie weiter führen:

      Der beabsichtigte Betrieb entspricht dem Bedürfnis des Publikums, da die vorliegenden Verhältnisse den Betrieb der Wirtschaft in jeder Weise rechtfertigen.

 

3. März 1903: Der Gemeinderat sieht zwar kein Bedürfnis für die Wirtschaft in Horben, hat aber nichts dagegen einzuwenden.

 

5. März: Das Amt in Bonndorf veranlasst die Gendarmerie Ühlingen zur eingehenden Überprüfung der Bedürfnisfrage.

 

9. März 1903. Gendarm Heiler von der Station Ühlingen äußert sich ausführlich, was zu einer sehr guten Momentaufnahme von Horben zur Jahrhundertwende gelingt:

 

 

 

 

 

Uehlingen; 9. März 1903

 

      Von der Station melde ich zufolge Befehls Sinn des vorseitigen Auftrags gehorsamst folgendes:

Horben liegt etwa 1 1\2 km  nördlich von Birkendorf an der Straße Birkendorf – Bonndorf. Es besteht aus 2 Gehöften, die z.Zt. von 9 Personen (im Ganzen) bewohnt werden. Neben Landwirtschaft wird auf dem einen Anwesen eine Ziegel- und Backsteinbrennerei, auf dem anderen die in Frage stehende Schankwirtschaft (:Wwe Clesle:) betrieben. Für die Bewohner Horbens allein wäre die btr. Schankwirtschaft kein Bedürfnis.

      Horben wird aber von einem ziemlich regen Verkehr berührt. Der Verkehr zwischen der Amtsstadt und sämtlichen Orten des diesseitigen Patrouillen Bezirks – Breitenfeld, Krenkingen, Aichen, Berau, Riedern, Hürrlingen, Uehlingen, Birkendorf – leitet sich fast ausschlißlich über Horben.

      Der Frachtfernverkehr ist zwar nicht bedeutend, wohl aber der Personenverkehr, insbesondere von Fußgängern wird jene Straße lebhaft begangen. Mancher der auf den Fußmarsch angewiesen ist, besonders, wenn er von Norden in Horben ankommt benutzt dankbar die gebotene Gelegenheit zu kurzer Rast und Erfrischung.

      Auch für die in den dicht angrenzenden Waldungen beschäftigten Waldarbeiter ist die Wirtschaft ein Bedürfnis. Durch den schon 30 jährigen Bestand der Wirtschaft ist es einem großen Teil der umwohnenden Bevölkerung zur lieben Gewohnheit, an schönen Sommersonntagnachmittagen nach Horben zu gehen um dort ein Schöppchen zu trinken.

 

Heiler, Gendarm, Station Uehlingen

 

 

 

Ghz. Bez. Amt Bonndorf , 23. März 1903

Gesuch des Wilhelm Clesle in Horben um Erlaubnis zum Betrieb einer Gastwirtschaft betr.

 

            Großh. Bezirksamt berichte ergebenst, daß zufolge Auftrags vom 14. d.M. N. 6254 um 21ten Einsicht von den betr. Wirtschaftslokalitäten genommen habe.

      Das von Stein erbaute und mit Ziegel gedeckte Wirtschaftsgebäude befindet sich an der Straße Bonndorf – Birkendorf. Es ist ein einziges Wirtschaftslokal vorhanden  4,60m lang 5,50m breit mit einer lichten Höhe von nur 2,30m. An dieses stößt ein kleines Nebenzimmer, Schanklokal 3,95 lang 1,90m tief. Weitere Fremdenzimmer sind nicht vorhanden. An den fünf vorhandenen Fenster in in genanntem Wirtschaftslokalen sind keine Ventilationen angebracht. Es sollten wenigstens zwei Oberflügel „Ventilationsklappen“ an Fenstern des Wirtschaftslokals abgebracht werden und eine im Nebenzimmer.

An der Zugangstreppe von der Straße aus soll ein einseitiges Geländer angebracht werden, ebenso ein Geländer vor der Treppe im Hausgang, welche zum Keller führt, da bei Dunkelheit läuft jemand herunterstürzen könnte.

       Die Abortanlage ist mangelhaft, da nur eine Abortstelle vorhanden ist und der Zugang zu dem Abort durch die Küche führt. Es sollte eine zweite Abortstelle errichtet werden mit besonderem Pissoireraum. Am zweckmäßigsten wäre es, wenn im 2. Stock ein zweiter Abort eingerichtet würde, über dem schon bestehenden und mit einem besonderen Zugang versehen.

      Zur Herstellung des Ganges könnte ein Teil von dem hinteren im ll. Stock befindlichen Zimmer verwendet werden oder einem Teil von der Heulege.

      Weitere Mängel habe nicht wargenommen

 

 

 

Ghz. Bez. Amt Bonndorf , 23. März 1903

Gesuch des Wilhelm Clesle in Horben um Erlaubnis zum Betrieb einer Gastwirtschaft betr.

 

            Großh. Bezirksamt berichte ergebenst, daß zufolge Auftrags vom 14. d.M. N. 6254 um 21ten Einsicht von den betr. Wirtschaftslokalitäten genommen habe.

            Das von Stein erbaute und mit Ziegel gedeckte Wirtschaftsgebäude befindet sich an der Straße Bonndorf – Birkendorf. Es ist ein einziges Wirtschaftslokal vorhanden  4,60m lang 5,50m breit mit einer lichten Höhe von nur 2,30m. An dieses stößt ein kleines Nebenzimmer, Schanklokal 3,95 lang 1,90m tief. Weitere Fremdenzimmer sind nicht vorhanden. An den fünf vorhandenen Fenster in in genanntem Wirtschaftslokalen sind keine Ventilationen angebracht. Es sollten wenigstens zwei Oberflügel „Ventilationsklappen“ an Fenstern des Wirtschaftslokals abgebracht werden und eine im Nebenzimmer.

            An der Zugangstreppe von der Straße aus soll ein einseitiges Geländer angebracht werden, ebenso ein Geländer vor der Treppe im Hausgang, welche zum Keller führt, da bei Dunkelheit läuft jemand herunterstürzen könnte.

Die Abortanlage ist mangelhaft, da nur eine Abortstelle vorhanden ist und der Zugang zu dem Abort durch die Küche führt. Es sollte eine zweite Abortstelle errichtet werden mit besonderem Pissoireraum. Am zweckmäßigsten wäre es, wenn im 2. Stock ein zweiter Abort eingerichtet würde, über dem schon bestehenden und mit einem besonderen Zugang versehen.

            Zur Herstellung des Ganges könnte ein Teil von dem hinteren im ll. Stock befindlichen Zimmer verwendet werden oder einem Teil von der Heulege.

            Weitere Mängel habe nicht wahrgenommen

 

                                                                                                                   Bonndorf 23. März 1903

                                                                                                                           Isele, Bau……..

 

Mit der Auflage, die Mängel zu beseitigen, wird die Genehmigung am 24.3.1903 wieder erteilt.

 

 

 

 

1927

 

      Mit dem Fußball kam wieder eine neues „Bedürfnis“ für die Horbener Wirtschaft. Sie wurde das Vereinslokal des FC Birkendorf, der 1927 aus der Taufe gehoben wurde. Der Wirt stellte ihnen eine Wiese als Sportplatz zur Verfügung. Das erste Spiel war gegen Grafenhausen, das man mit 2 zu 1 Toren besiegen konnte.

      Arbeitsdienst, Militärdienst und Krieg machten einige Jahre später einen geregelten Spielbetrieb unmöglich.

 

      1948 wurde der Verein erneut gegründet. 1949 wird nach heftigen Diskussionen der Sportplatz hinter das Gasthaus Hirschen in Birkendorf verlegt. Man erhoffte sich dadurch mehr Zuschauer.

 

 

1949

 

alte wirtschaft

 

 

 

Die Bewirtung in der Horbener Wirtschaft wird aufgegeben. Nur noch kleine bauliche Besonderheiten erinnern an die kleine Gaststätte, wie die Eingangsstufe zum irgendwann angebauten Nebenzimmer

 

Ein Schweinetrog auf der Stufe zur ehemaligen Wirtschaft!! - Ein Schelm, wer Böses dabei denkt!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

clesle-altgartenwirtschaft

Die Wirtschaft in Horben hat ihre besten Tage gesehen. Das Gebäude steht z.Zt. leer, hat aber noch immer einen gewissen Scharm einer Gartenwirtschaft.

 

 

 

 

Zur Seite des FC Birkendorf