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Birkendorf und seine Anfänge

Römer und Alemannen

 

Birkendorf liegt am Westrand  des Alpgaus, der seit altersher besiedelten Landschaft.  Ur- und Frühgeschichtliche Funde wurden hier keine verzeichnet, genauso wenig römische Funde.

Die gibt es östlich von uns. Bei Bettmaringen, Richtung Schwaningen befinden sich im Wald des Lindenbergs sechs urgeschichtliche Grabhügel. 1)  Des weiteren ist auf dem Berg zwischen Untermettingen und Obereggingen auf dem „Galgenbuck“ ein urgeschichtlicher  Grabhügel. 2)  Ein neolithisches Messer und eine Pfeilspitze wurden auf dem Stockenhof am Westhang des Steinatales gefunden. Die Fundstücke waren in privatem Besitz.  3) 

Hinweise auf die Römer gibt es  schon mehr: Ein Römischer Gutshof war in Ühlingen hinter dem Breitwiesenhof an der Gemarkungsgrenze zu Riedern 4)  ; zwischen Unter- und Obermettingen im „Rahrberg“ oder „Rabberg“ wurden Reste eines weiteren Gutshofs gefunden, 5)   Bettmaringen hatte einen römischen Wachturm 6)  ; auf den Höhen von Ober- und Untermettingen gibt es den Römerweg; und der Ortsteil „Muhren“ in Untermettingen, dürfte vom Wort her auf weitere römische Reste hinweisen. Der Schwerpunkt römischer Besiedlung war im Klettgau und Wutachtal an der römischen Straße von Zurzach nach Rottweil. Uns am nächsten liegt die römische Siedlung „Juliomagus“ bei Schleitheim SH.

Die Anfänge die Besiedlung in Birkendorf wurde wohl von den Alemannen gemacht. Um 1850 wurden am Südabhang des Bühls alemannische Gräber gefunden. Dr. Ernst Wagner, Direktor der Großherzoglichen Sammungen für Alterthums- und Völkerkunde in Karlsruhe erarbeitete eine beschreibende Statistik aller Fundstätten mit ihren Fundstücken im Großherzogtum Baden, aus urgeschichtlicher, römischer und alamannisch - fränkischer Zeit. In den Jahren 1881/82 führte Wagner in umliegenden Dörfer Befragungen durch. 7) 

Alemannengräber

aAlemannenfunde-wagner

Schaut man sich die Karten zu römischen Gutshöfen, 8)  das Teilstück der römischen Straßenkarte (Peutingeria) 9)  und Grabfunde der Völkerwanderungszeit 10)  an, dann stellt man fest, dass der Schwarzwald mit seinem rauen Klima von Siedlern gemieden wurde. Vereinzelte Jäger und Sammler mögen sich ab und zu hier kurz aufgehalten haben. Unermessliche Waldgebiete erstreckten nord-westlich unserer Gegend, die sich im Besitz hochadliger Familien befanden.

peutinger-skizze

römische Gutshöfe

Römische Gutshöfe in unserer Gegend

 

Grabfunde

Nach Helmut Maurer kam in diese Besitzverhältnisse Bewegung, als im 9. Jahrhundert an der Alb, eine dem heiligen Blasius geweihte Mönchszelle   begann, sich weiter zu entwickeln.  Diese Filiale des Klosters Rheinau wurde durch den Ungarneifall 925  zerstört und 950 von Reginbert von Seldenbüren als eigenständiges Kloster neu gegründet.  St.Blasien gewann ab dem  11. Jahrhundert als religiöses Zentrum große Bedeutung. Gleichzeitig wurde im Osten der Region, in Schaffhausen 1049 von den Nellenburgern das Kloster Allerheiligen gegründet, das rasch an Einfluss gewann.

Da im Mittelalter Klöster fast ausschließlich von Naturaleinkünften lebten, versuchten beide   an möglichst viel Landbesitz zu kommen. Dieses Bestreben wurde erleichtert, weil in dieser Zeit die Menschen durch „gute Taten“ für ihr „Seelenheil“ vorsorgen wollten. Am besten geschah das, durch fromme Stiftungen, indem man den Klöstern aus eigenem Besitz Güter schenkte. Helmut Maurer betont im Leitartikel der Festschrift zur 900-Jahrfeier Birkendorfs 1985 süffisant, dass der Hochadel sich gerne von Ländereien trennten, die nicht allzu viel einbrachten- also von unerschlossenen Waldgebieten am Ostrand des Schwarzwaldes. 11) 

Die Grenzen dieser Schenkungen wurden nicht allzu genau gezogen. Dadurch entwickelten sich zwischen beiden Klöster im Laufe der Zeit immer wieder Streitigkeiten, die auch schon mal vom Papst geschlichtet werden mussten.

St.Blasien erschloss die Region ab dem 11. Jh. von Westen her. 983 wurde von König Otto II der Zwing und Bann des Klosters bestätigt, die Urkunde wurde später gefälscht. 1065 bestätigte Heinrich IV dem Kloster den Immunitätsbezirk in folgenden Grenzen:

Im Süden die Urbachmündung in die Alb, im Westen die Höhen des Blößling, im Norden der Feldberg und im Osten Schwarza und Schluchsee.

Von Osten her waren die Nellenburger für ihr Kloster Allerheiligen tätig. Als Zeichen ihrer Ansprüche wurde die Stadt Grafenhausen gegründet. Es entstand das Frauenkloster St.Fides. Einige Zeit hatte um Grafenhausen der Silberbergbau große Bedeutung.

Auf der Kartenskizze von Helmut Maurer wird die Interessenüberschneidung der beiden Klöster St.Blasien und Allerheiligen deutlich. Beide beanspruchten den Berg Staufen zwischen Mettma und Schwarza.

Im Generallandesarchiv in Karlsruhe befindet sich eine Urkunde, 1154-1164, nach der  Kaiser Friedrich I. Barbarossa dem Kloster St.Blasien die Rechte und Besitzungen, besonders den strittigen Berg Staufen bestätigen soll. Die Urkunde wurde nicht rechtskräftig. Der Rechtsstreit wurde erst später beigelegt. 12) 

Der Streit wurde Papst Innocenz II unterbreitet. Durch König Konrad II wurde der Streit  an das zuständige Gaugericht des Albgaugrafen Rudolf von Lenzburg verwiesen. 1150 sprach er den Berg dem Kloster St.Blasien zu. Doch erst unter Abt Werner (1170-1178) wurde der Streit beendet. 13) 

Die beiden Einflußbereiche beider Klöster zeigten sich auch bei den „Roggenbacher Schlösser“ im Steinatal und der benachbarten Burg Steinegg. Sie sind auch im Zusammenhang mit der Erschließung des Waldgebietes zu sehen, denn hier begegnet der Machtbereich der Herzöge von Zähringen, bzw des Klosters St. Blasien, dem der Grafen von Nellenburg, bzw. dem Kloster Allerheiligen. 14) 

Klosterbesitz

 

1)            Karte in der Sammlung der Archäologischen Landespflege in Freiburg,   Sammlung Bettmaringen

2)            Verzeichnis der Archäologischen Denkmäler, in der Sammlung der Archäologischen Landespflege in Freiburg, Sammlung Untermettingen

3)            Amtlicher Jahresbericht über die Ur- und Frühgeschichtlichen Funde in Baden, 1923,    Mein Heimatland, 12. Jg., 123

4)            Jürgen Trumm, Die römerzeitliche Besiedlung am östlichen Hochrhein,  Stuttgart 2002, Katalog 181, römisches Steingebäude, Im Hardt, ühlingen

5)            Trumm, Katalog 123, Obermettingen, Rahrberg oder Raberg, Schneckenhalde

6)            Albert Kürzel, Die ehemalige St. Blasianische Reichsherrschaft Bonndorf, Freiburg 1861 , S.166, „römische Bergwarte in Bettmaringen, von der das Auge alles Land von Bonndorf bid zum Randen übersah.“

                Trumm, Katalog 18, 19, 20

7)            Sammlung der Archäologischen Landespflege in Freiburg, Sammlung Birkendorf

8)            Die Römer in Baden-Württemberg, Stuttgart, 1976, Abb. 40, S. 139, Ausschnitt

9)            Ausschnitt nach der Peutingeria gezeichnet

10)          Helmut Maurer, Das Land zwischen Hochrhein und Randen im frühen und hohen Mittelalter,      Freiburg 1963, Karte 1, S.24

11)          Helmut Maurer in der Festschrift „900 Jahre Birkendorf, 1985, Die rätselhafte Ita von Birkendorf

12)          Das Tausendjährige St.Blasien, Ausstellungskatalog, 1983, Bd.I, S.46

13)          Die Chronik des Kreis Waldshut, Waldshut, 1956, S.82

14)          Rudolf Metz, Geologische Landeskunde des Hotzenwaldes, Lahr, 1980, 921,922