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buehl-nebel-2013 dez-12

 

"Sagenhafte" Wanderung um Birkendorf

Manchmal war was dran! Einiges ist wirklich passiert.

 

Wandert man jetzt im Herbst auf den Wegen um Birkendorf, so kann es schnell passieren, dass man von der früh anbrechenden Dämmerung überrascht wird. Manchem mögen dann die Sagen und Geschichten in den Sinn kommen, deren es um Birkendorf herum viele gibt. An langen Abenden wurden in den Spinnstuben und auf der warmen Ofenbank diese Geschichten oft erzählt und weitergegeben.

 

 

rombachhuette-heute-3

Auf den Wegen im "Rombach", einem Waldgebiet gegen Grafenhausen zu, kann man vielleicht das "Rombachwiibli" treffen, ein hübsche Birkendorfer Mädchen, das eine Liebschaft mit einem Junker vom nahen Schlosse Roggenbach hatte. Dieser mußte jedoch standesgemäß heiraten, mochte es aber nicht dulden, daß seine Liebe später vielleicht einem anderen gehören sollte. Er griff zu Pfeil und Bogen und erschoß seine Geliebte. Seither geht das Mädchen im Rombach um. "Ritter Kuno, was habe ich dir getan?" kann man sie rufen hören.

 

rombachwiibli_mit_Muehle

 

Eine andere Sage erzählt, daß das "Rombachwiibli" eine Bäuerin des "Rombachhofes" gewesen sei, die wegen des Verhältnisses mit ihrem Knecht ihren Mann mit vergiftetem Kaffee umbrachte. Der Knecht, der die Giftmischerei beobachtet hatte  riss aus. Die Bäuerin aber kann man jetzt immer noch auf einem Baumstumpf im Wald sehen, wie sie dort zur Strafe Kaffee mahlen muss.

Die Narrenzunft Birkendorf hat nach dieser Sage ihr Häs, das "Rombachwiibli" gestaltet:

 

Wandert man weiter und kommt ins "Wittemle" den Wald der an der Landstraße zwischen Birkendorf und Grafenhausen liegt, so könnte es sein, dass man mit dem "Wittemligeist" Bekanntschaft macht. Das "Wittemli" springt nachts den Leuten auf die Schulter oder auf den Wagen, so dass diese kaum noch von der Stelle kommen.


Im selben Waldgebiet kann man auch den "Grenzsteinrücker" hören, der fortwährend vor sich hinmurmelt: "Zehn Juchet wohl gewesen, wird meine Seele mir vergessen."


Näher an Birkendorf, im "Oberholz" zeigt sich ein "Mann ohne Kopf". Ein Wanderer hatte einst die Gelegenheit, diesen Geist zu erlösen. 100 mal sollte er beten: "Helf dir Gott", aber es waren nur 99, deshalb ist der Geist noch nicht erlöst.
 

Auf demselben Wege soll früher einem Burschen auf sein fröhliches Pfeifen hin ein zierliches weibliches Wesen erschienen sein, das bis ins "Weierle" vor ihm her tanzte und dann mit einem nie gehörten Geschrei und Geräusch verschwand.

 

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Gemälde von Helmut Albrecht , 1979

Auf unserem Weg sind wir wieder im Dorf angelangt. Aber auch hier gibt es "Sagenhaftes". Birkendorf hatte im letzten Jahrhundert eine leibhaftige Hexe. Die "Muni", eigentlich hieß sie Monika Siebler, soll an so manchen unerklärlichen Vorgängen im Dorf schuld gewesen sein. Dem Hirschenwirt stürzte einst ein Heuwagen über die steile Einfahrt hinunter und natürlich war die "Muni" in der Nähe. Einst galt die Wette, die "Muni" solle dem Säger die aufgestapelten Bretter übereinanderstürzen lassen. Und richtig, kaum nach zehn Minuten kam jemand aus der entfernten Säge im Schlüchttal und berichtete die Tatsache.

 

Dem Braumeister Berger waren öfters die Mähnenhaare der Pferde gezöpfelt und ganz verfilzt, so daß man sie kaum auseinanderbringen konnte. Die Pferde hätten in dieser Nacht gestampft und ausgeschlagen.  Dies Hätte die Hexe reitend getan. Wem die "Muni" morgens begegnete, dem passierte am selben Tag noch etwas Unangenehmes, glaubte man.

 

Monika Siebler starb 1890 im Birkendorfer Armenhaus im Vogelsang eines unnatürlichen Todes. Man nimmt an, dass ihre Kleider an der Erdöllampe Feuer fingen und sie so verbrannte. 

Hansjörg Gäng