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Aberglauben in der Birkendorfer Geschichte

De Bartlestein und Birkendorf

 

„Mama, wo chömmed d'Chinder her?“ Diese etwas delikate Frage war in Birkendorf schon von Alters her gelöst. Man benötigte keinen Storch auch keine aufgeklärten Bienchen. Nein, „die Kinder kommen vom Bartlestein, einem hohen Felsen an der Schlücht, fünf Minuten vom Unterdorf entfernt und werden mit Weihwasser in den drei höchsten Namen begrüßt.“ Dies ist zu lesen in den Notizen des Birkendorfer Schulmeisters Weißhaupt von 1895.

 

 

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Der Bartlestein von der "Fabrik" her gesehen

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auf dem Bartlestein

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Informationstafel unterhalb des Bartlesteins

 

Die Taufe vollzog sich am folgenden Sonntag nach der Geburt. Mit Ledigen Müttern ging man streng ins Gericht: Uneheliche Kinder wurden früher werktags getauft, die Mutter musste mit Strohzöpfen vor der Kirche stehen. Später musste sie vor dem Bürgermeister erscheinen, von dem sie einen Verweis erhielt.

 

Wie würden sich die Kinder nun entwickeln? Wollte man gescheite Kinder, und wer will das nicht, so musste man ihnen den abgefallenen Mabel nach und nach zu essen geben. Kinder im Neumond geboren, würden Mondsüchtig werden, glaubte man. Wenn Säuglinge in den ersten Tagen unkontrolliert die Gesichtsmuskeln bewegen, nennt man das noch heute „gichterle“ oder „Gichter“. Früher sah man darin nichts Gutes und wandte daher den “Gichtersegen“ an, den man jeden Abend beten und dem Kind unter den Kopf legen sollte: „Helft, Jesus, Maria und Joseph und alle Heiligen Gottes helft! Es gingen drei wahre Gottesengel über den Berg Sinai. Da begegnete ihnen der Rast, der Brand und das stagente Gesicht. Die wahren Gottesengel sprachen: Wo wollt ihr hin?“ „Wohin anders als zu dem Diener Gottes N.N. von N.N.“ „Was wollt ihr bei ihm tun?“ Wir wollen ihn übergehen und zertrümmern und eine lange Weile antun!“ Die Wahren Engel Gottes sprachen: „Wir gebieten euch, ihr sieben und siebzigerlei Gichter und Gesüchter und wilde Schooß insgesamt, Wie ihr seid genannt worden, daß ihr aus diesem Menschen fahrt, aus dem Kopf und aus dem Hals, aus der Zunge und aus den Zähnen, aus den Ohren, aus den Augen, aus den Achseln und aus den Schultern, aus den Armen, aus den Händen und aus den Fingrn, aus den Hüften, aus den Beinen, aus den Füßen und den Zehen, aus der Zunge und aus der Leber, aus dem Herzen, aus den Nieren undaus der Milz, aus den Därmen und all seinem Geblüt, auf daß es die wieder wohl werde wie vorher. Das gebiete ich euch! Im Namen der  allerhöchsten Dreifaltigkeit, Gott Vater, Gott Sohn und Gott Heiliger Geist.Mach drei Mal das Kreuz und bete fünf Vaterunser für die armen Seelen, die an dieser Krankheit gestorben sind“.

 

Als in Birkendorf übliche Wiegenlieder notierte Weißhaupt die zwei folgenden:

 

„Hute, heite Wiegenstoß, s‘ ander Johr isch 's Büebli groß.“ Und

 

„Schlof Büebli schlof, im Garte sin zwei Schof, e schwarzes un e wießes, s‘ wieß isch mi un s‘ schwarz isch die, un wenn du schlofsch, sin beidi di, schlof Büebli, schlof.“

 

Bartlestein