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Die Birkendorfer Kirchenglocken

Teil 2: Während des 2. Weltkrieges wurden die Glocken vom Turm geholt

 

Im 2. Weltkrieg wurden die Birkendorfer Glocken vom Turm geholt und sollten in den Waffenschmieden verwendet werden.1

 

1942 musste die große Glocke „Maria-Magdalena“ mit ihren 1200 Pfund abgegeben werden.

 

Die Enkelin des Glockengießers Kolumban Schnitzer, Luise Schupp hat ihr zum Abschied am 16.3.1942 nachstehende Verse gewidmet: 2

12-Glocke vom Turm-3

 

rechts im Bild „S‘Maxe Hus‘, heute ist dort Rasen

 

 

                        Vom hohen Turme schwer und bang

                        tönt der Glocke Abschiedsklang;

                        sie singt heut ihren Grabgesang. –

 

                        Achtundneunzig Jahre lang

                        rief ich vom Turme oft freudig, oft bang,

                        verkündigte Freud und Leid

                        und mahnte zur Ewigkeit.

                       

                        Generationen sah ich geh’n und kommen,

                        mahnte Sünder und die Frommen

                        zum Gebet, zur Arbeit und zur Ruh,

                        rief mahnen allen Menschen zu.

 

                        Glockengießer Schnitzer, Kolumban

                        führte mich zur hohen Bahn.

                        Ich als harter, guter Guss,

                        rief ihm übers Grab den Scheidegruß.

 

                        Ich rief das Kind zur Kirche erstem Gang,

                        das Hochzeitspaar mit hellem Klang,

                        dem Wand’rer auf den letzten Wegen,

                        erflehte ihm des Himmels Segen.

 

                        Im Weltkrieg 26 Helden in fernem Grab

                        beklagte ich vom hohen Turm herab.

                        Mögen wohnen in ew’gem Frieden

                        nach hartem Kampf und Leid hienieden.

 

                        Und wieder kam der Krieg so blutig rot,

                        viele Deutsche starben den Heldentod.

                        Meine Klage dringt zum Sternenzelt

                        für deutsche Brüder, gefallen in aller Welt.

 

                        Doch auch ich blieb nicht verschont,

                        im hohen Turm, wo sonst der Friede wohnt;

                        ich musste hinuntersteigen zur Erde,

                        das ich Waffe gegen Deutschlands Feinde werde.

 

                        Vergesset nicht, dass ich rief so lange Zeit,

                        kurz ist das Leben, lang die Ewigkeit,

                        dort erst ist Ruh und Frieden

                        nach Streit und Leid hienieden.

 

                        Dies ist meine Bitte, zum Angedenken möge

                        Gott der Welt den Frieden schenken,

                        dass kommt der große Friedenstag,

                        das ist mein Wunsch beim letzten Glockenschlag.

 

                                                                       Luise Schupp, Birkendorf

 

 

 

In einem Text schreibt Hans Schwarz, Maurermeister aus Birkendorf: „Es wurde von uns allen im Dorf als eine göttliche Fügung angesehen, dass Julius Schnitzer ein Birkendorfer Bürgersohn nach Hamburg geheiratet hatte. Denn 1947, zwei Jahre nach dem Krieg fand er die Birkendorfer Glocke auf dem Glockenfriedhof im Hamburger hafen. Wie ein Lauffeuer verbreitete sich diese Nachricht in unserem Dorf, zumal der Finder der Glocke alles daran setzte, dass die Glocke wieder an ihren angestammten Ort zurückkehren konnte.“ 3

 

hans schwarz glocke grabgesang

 

 

 


 

1 Heimatgeschichte von Oswald Hermann, Lehrer in Birkendorf, S.68

 

2 Luise Schnitze, Heimatgeschichte von Oswald Hermann. S. 86/69

 

3 Hans Schwarz: „Sie sang ihren eigenen Grabgesang.“