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Ein Leben für die Glocken und sein Dorf

Glockengießer, Kunsthandwerker, Bürgermeister , Landwirt ....

Wer denkt in Birkendorf schon daran, wenn die Glocken läuten oder die Stunde schlagen hört, dass zwei der drei Glocken von einem Sohn des Dorfes stammen, der sie in seiner Werkstatt am Ende der Bühlstraße gegossen hat?

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Kolumban Schnitzer wurde am 2. Dezember 1818 als Sohn des Dominik Schnitzer geboren. Das Geburthaus ist das heutige „Kaiserhaus“ der Familie Hauser am Anfang der Bühlstraße. In einem Güterbeschrieb aus dem Jahre 1775 wird das Haus des Großvaters Konrad Schnitzer beschrieben, mit Badestubenrecht, Schmiede, Scheuer, Kraut- und Baumgarten.

 

Kolumban Schnitzer arbeitete wohl in der elterlichen Schmiede und machte in Blasiwald, im Ortsteil Strass eine Lehre beim Glockengießer Josef Muchenberger. Auf der von der Zunft vorgeschrieben Wanderschaft als Glockengießergeselle war Schnitzer längere Zeit in München und wanderte durch Ungarn.

 

Mit dem Bau eines Wohnhauses 1843 eröffnete er in Birkendorf eine eigene Werkstatt. Das Gebäude ist das letzte Haus auf der linken Seite Richtung Bettmaringen. Dort goss er mehr als 71 Glocken, aber auch Feuerspritzen, Geräte für Brauereien und auch gusseiserne Wegkreuze, die heute noch zahlreich in der Umgebung zu finden sind.

 

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Geburtshaus

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ehemalige Gießerei

 

In der ehemaligen Gießerei ist nichts mehr zu finden, was auf die Werkstatt hindeutet. Leider wurde im vergangenen Jahrhundert der „alte Krempel“ weggeworfen.

 

Die Birkendorfer Bürger wussten um die Fähigkeiten Kolumbans. 27 Jahre lang bekleidete er das Amt des Bürgermeisters. Er war bei der Gründung des Musikvereins behilflich. Im Jahre 1873 war er Gründungsmitglied der „Kreditgenossenschaft Birkendorf“ die unter dem Namen „Vorschussverein Birkendorf e.G.m.u.H“ die Bürger und Gewerbetreibenden unterstützte. Kolumban Schnitzer war bis zu seinem Tod Aufsichtsrat der Bank. 1922 wurde die Kasse zu „Volksbank Birkendorf“ umbenannt und fusionierte 1987 mit der Volksbank Hochrhein.

 

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1851 heiratete Schnitzer Rosalie Gantert aus Ühlingen. Sie hatten eine Tochter und drei Söhne: Der älteste 1853 geborene Sohn Berthold musste seine Glockengießerlehre in München aus gesundheitlichen Gründen abbrechen. Er arbeitete bis zu seinem Lebensende in der Gießerei seines Bruders. Der zweite Sohn Heinrich erlernte das Elektrohandwerk und ließ sich in Zürich nieder. Der jüngste Sohn Bernhard übernahm den elterlichen Betrieb. Da es ihm, wie allen seinen Brüdern, am nötigen Musikgehör mangelte, führte er die Glockengießerei nicht weiter. Den Werkraum gestaltete er zu einer mechanischen Werkstätte um.

 

Am 5. September 1896 wurde Kolumban Schnitzer vom Großherzog von Baden die silberne Verdienstmedallie des Lande verliehen, die er auf der Insel Mainau entgegennehmen durfte.

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Am 7. Juli 1901 verstarb Kolumban Schnitzer in seinem 84. Lebensjahr in einer Klinik in Zürich an den Folgen einer Bruchoperation. Er wurde am 14. Juli auf dem Birkendorfer Friedhof beerdigt. Beim Bau der Einsegnungshalle wurde das Grab Kolumbans entfernt. Der Grabstein ist leider nicht mehr erhalten.

 

 

 


 

Quellen zu diesem Text sind:

 

Konrad Sutter:                     Ein Leben für die Glocken, Südkurier, 2001

 

Hans Matt-Willmatt:              Durch Fleiß und Tüchtigkeit.. , Südkurier, 1971

 

Hans Matt-Willmatt:              Glockengießer und Landwir1, Alb-Bote, 1976

 

www.badische-seiten.de

 

Badische Zeitung:                Klettgauer Glockentag, BZ, 24. Mai 2008

 

Zeitungsbericht über die Beerdigung, Alb-Bote? 14. Juli 1901

 

Glockenatlas der Erzdiözese Freiburg