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Die Pfluger - Teil 1

kanzelkrone-vignette

 

 

Die Familie Pfluger

Kunstschreiner, Altarbauer, Bildhauer, Kunstglaser

und Klosterbrüder

 

Die Pfluger, Altarbauer, Bildhauer, Glaser und Klosterbrüder aus Birkendorf

In Vergessenheit geraten sind in Birkendorf die Pfluger, deren Familienmitglieder Schreiner, Altarbauer, Bildhauer, Glaser und Klosterbrüder waren. In der Birkendorfer Heimatgeschichte von Lehrer Oswald Hermann werden sie nicht erwähnt, was wohl daran liegen mag, dass in Verwaltungsunterlagen des Gemeindearchivs nur Namen  von Handwerkern erwähnt werden, aber nicht das, was sie geschaffen haben.

 

Hermann benutzte des weiteren Literatur, wie die „Zeitschrift für Oberrheinische Geschichte“, herausgegeben von Mone, dem Leiter des Generallandesarchivs Karlsruhe.

 

Vom Gündelwanger Pfarrer Albert Kürzel „Der Amts-Bezirk oder die ehemalige sanktblasianische Reichsherrschaft Bonndorf, Geschichtliche Beschreibung“, von 1861.

 

Mayer, „Das Heimatbuch für den Amtsbezirk Waldshut“.

 

A. Krieger, „Topographisches Wörterbuch von Baden“, Bd.1

 

Bader, „Zeitschrift für vaterländische Geschichte“

 

Und vor allem benutze Oswald Hermann Material aus dem Generallandesarchiv Freiburg.

 

Nirgendwo sind darin die Birkendorfer Pfluger aufzufinden!!

 

Wer sich mit Kirchen, ihrer Architektur und künstlerischen Ausstattung beschäftigt, wird in den Broschüren der Kirchen unserer Umgebung  immer wieder den Namen Pfluger lesen. Besonders in dem kleinen Führer von Friedrich Thöne „Kunst und Geschichtsstätten beiderseits des Hochrheins und im Südschwarzwald, Vom Rheinfall bis Säckingen und St. Blasien“ stößt man vielfach auf „die Kunstschreinerfamilie Pfluger aus Birkendorf“.

 

Ein weiterer großer Kenner der Pfluger ist der ehemalige Münsterbaumeister Dr. Paul Booz aus Freiburg, der sich intensiv mit der Wallfahrtskirche Todtmoos und den Pfluger auseinandergesetzt hat. Gerade in Todtmoos hatten die Pfluger vielfältig gearbeitet.

 

Wer waren nun die Pfluger in Birkendorf?

Zur Schreibweise des Namens: Im Berain von 1776 wird der Name als „Pfluger“ geschrieben. Im Taufbuch gibt es die Schreibweise „Pfluger“ und „Pflueger“. „Pflüger“ taucht in der Literatur manchmal auf, was auf das „ue“=“ü“ oder den falsch verstandenen Bogen auf dem „u“! zur Unterscheidung vom „n“ in der alten deutschen Schrift herrühren kann.

 

03-Konrad Pfluger Glaser, 299l_hecke

02-Joseph Pfluger Schreiner,  243_dorf

Im Berain, dem Grundbuch, der Gemeinde Birkendorf von 1776 findet man fünf Familien Pfluger; Konrad Pfluger, Glaser in der Hecke [heute das Eckhaus Hohlgasse,- Schwarzwaldstraße], Joseph Pfluger, Glaser an der „alten Strass“ [heute Lenzengraben, ehemaliges Doppelhaus Pöppel-Beck], 

 

Joseph Pfluger, Schreiner in der „Hundsgass“ beim Margarethenbrunnen [heute Hartmuth Kaiser, Horbener Straße], Franz Joseph Pfluger Meesmer, im Vogelgsang, an der Landstraß [existiert nicht mehr] und Alojisi Pfluger, Schreiner im Vogelgsang [heute Josef Morath, Im Winkel, das heutige Haus wurde nach einem Brand neu gebaut].

 

Aloijsi Pfluger Schreiner, 455_vogelsang

[Die Kartenausschnitte geben nicht den Berain von 1776 wieder, sondern sind etwa 100 Jahre später entstanden. Nach ~1800  bis ~1870]

 

Blättert man im Taufbuch der Pfarrei Grafenhausen und verfolgt die Geburten der Pfluger in „Bürckendorf“ und im „Vogelgsang“, so findet man zwischen 1660 und 1796 108 Geburtseintragungen von Kindern der Pfluger. Danach gibt das Taufbuch keine Auskunft mehr. 1808 hat der Schreiner Joseph Pfluger aus Birkendorf in Tiengen in der Fahrgasse von Anton Eggensperger ein Haus gekauft.

 

Er wird noch als Schreiner für den Kadelburger Altar der Pfarrkirche genannt. In der Bürgerliste von 1856 taucht der Name Pfluger in Birkendorf nicht mehr auf.

 

 

 

Wo haben die Pfluger gewirkt?

Als Schreiner mit dem Schwerpunkt im Altarbau, und auch als Glaser von Kirchenfenstern, haben die Pfluger ausschließlich für die Kirche, das heißt, das Kloster St. Blasien gearbeitet.

 

Todtmoos:

 

07-todtmoos-probstei-10a

todtmoos-pfarrhaus-juli-16-02

todtmoos-kirche-juli-16-01

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In den Jahren 1733 bis 1779 waren beim Bau des Pfarrhauses, dem sogenannten Subprioriat, und in der Wallfahrtskirche Mitglieder der Pflugerfamilie tätig.

 

Im Schnell Kunstführer Nr.661, Todtmoos im Schwarzwald, 1983, werden sie mehrfach genannt:

 

„S.5: 1733 Pfarrhausneubau  Schreinermeister Lorenz Pfluger [muss ein Fehler sein, Lorenz wäre erst 14 Jahre alt gewesen, wahrscheinlich sein Vater Joseph Pfluger]

 

1757/58 Verglasungen: Jakob Pfluger, Birkendorf.

 

Neuer Hochaltar von Schreinermeister Lorenz Pfluger, Birkendorf

 

1770/78 "Verbesserung" der Altäre in den Kapellen. Orgelumbau mit neuem Gehäuse

 

Türen, Kanzel, Beichtstühle, Gestühl, Taufbecken beschafft (Joseph und Gabriel Pfluger, Birkendorf) und vermutlich auch die beiden Seitenaltäre mitsamt der Umgestaltung der Kapellenaltäre. Aus deren Werkstatt könnte auch das Gestühl gekommen sein. Ein Glaser Jacob Pfluger aus Birkendorf verglaste 1757/59 den modernisierten Todtmooser Chorraum neu.

 

S.8:     Die Pfluger (Pfluoger, Pflueger), eine verzweigte Kunstschreinerfamilie in Birkendorf, hatte zur Abtei St. Blasien gute Beziehungen. Zwei ihrer Söhne traten als Brüder in den Benediktinerkonvent ein: Sie leisteten als erfindungsreiche  Handwerker in den Klosterwerkstätten Beachtliches. Meister Lorenz Pfluger (*1719 Birkendorf-Vogelsang) lieferte 1748/49 die Schreinerarbeiten und Schnitzereien im Treppenhaus des Superioriatsgebäudes und erstellte 1757/58 den neuen Hochaltar in der Todtmooser Kirche. Weitere Altar- und Kanzelbauten in Gurtweil, Waldkirch und Bettmaringen nachweisbar.  Joseph Pfluger III und sein Sohn Gabriel Pfluger (*1737 Birkendorf, + 1791 St. Blasien) fertigten 1763/78  Einlegearbeiten im Fußboden des "Fürstenzimmers" (Pfarrhaus) und beim Kirchenumbau 1770/78 Türen, Orgelgehäuse, Kanzel, Taufsteindeckel. 

 

todtmoos-altar-juli-16-03

 

S. 16:  An der Rokokokanzel der Meister Pfluger weist das Bildprogramm auf die Pflichten des Predigers hin. ...Am unteren Abschluss hängt ein Pinienzapfen. Wie er den Samen ausstreut, so soll sich das Wort Gottes in den Boden senken  (oft bei Pflugerkanzeln zu sehen)

 

S.20    Die Altäre: Eigens für das Gnadenbild (1759 übertragen) schuf Lorenz Pfluger in breiter Säulenstellung den hölzernen Altaraufbau, auf dem Engelskinder einen fröhichen Reigen vollführen. ...

todtmoos-kanzel-juli-16-01

 

Die großen Barocknebenaltäre der Pflugerwerkstatt schwingen sich in Schrägstellung elegant in die Ecken vor dem Chorbogen ein. .... “

 

 

 

10-todtmoos-kirche-04d

 

 

 

 

Dr. Paul Booz hat in seiner Beschäftigung mit der Todtmooser Pfarrkirche und den Handwerkern im Archiv in Karlsruhe Belege gefunden:

 

 

 

 

Gabriel Pfluger

1778/79

Credenz für Opferkerzen

 

1779/80

Glaskasten in Nussbaum

 

1779/80

erhält 40 fl. 36 für Kirchentüren aus Hartholz und Taufsteindeckel

 

1779/80

macht und liefert einen komoden Kasten für die Praeamente

 

1797/80

Taufsteindeckel, Kirchentür, Vorzeichentüren
Chorstuhl, Kanzel

Joseph Pfluger

1762/63

macht mit 1 Gesellen per 27 Tage die Fruchtschütte im Haus

 

1762/63

Aufrichten und Abschlagenn des hl. Grabes

mit Sohn Gabriel Pfluger

1763/64

macht den "fournierten" Saalboden im Fürstenzimmer mit 2 Gesellen und 1 Lehrjung

 

1763/64

Sein nicht namentlich genannter Sohn arbeitet an einer Arbeit 37 Tage lang

 

1763/64

macht den Boden im Zimmer Nr.1, außerdem 4 andere Zimmerböden, sowie Bettgestelle, Kästen, Tische mit 2 Gesellen und 1 Lehrjung

 

1768/69

liefert 10 Krippenfiguren

 

1774/75

macht für die hiesige Vorkirche den neuen Orgelkasten, marmoriert und fasst ihn auch. Die Orgel wird dadurch geschlossen und vom Gedränge befreit. - 61 fl 6 
Fuhrlohn von Birkendorf - 3  fl 6
Tragelohn 1 fl
Stifte 25 x

Lorenz Pfluger

1748

hat die Obsicht über den Pfarrhausumbau
veranlasst den Holzschlag für Bauholz am 22. Juni 1748

 

1748

arbeitet an St. Anna Altar /Schnitzarbeit
beide Stukkaturaltäre in den Nebenkapellen erhöht
das kostbare Altarblättli der hl- Dreikönig aufgebutzt

 

1752/53

putzt ein silbernes Kreuz und macht 3 Convivientafeln versilbert

 

1756/57

macht ein Schreibpult und Bibliothekskästen, auch Kuchelkasten, Milchgestell und Mehlbett

 

1758/59

ist mit 2 Gesellen 8 Tage am Herrentisch Gast wegen Arbeiten am neuen Hochaltar

 

1758/59

In der Kost auf UL Frauen Rechnung
mit der Schreinergesellen

 

1761/62

ein neues hl. Grab samt zubehör wie Ämplein, anherolieferung und Aufschlagung   - 88 fl 19
einen neuen Himmel samt Stangen  - 19 fl 20
Wandleisten in den Chor, stark vergoldet mit schönen Spiegeln versehen

 

1763/64

liefert einen großen vergoldeten Leuchter mit drei Aufsätzen in den Chor
Außerdem 2 große böhmische Gläser in die beiden Reliquienkästen.
Stellt das hl. Grab auf und schlägt es wieder ab

 

1763/64

macht einen großen Rahmen, vergoldet und geschnitzt für einen Spiegel ins Zimmer Nr. 1

   

Lorenz Pfluger hat nach fester Abmachung jedes Jahr das Hl.Grab aufzumachen und wieder abzuschlagen

   

An Arbeit verfertigt er  Fenster, Türen, Speicher- und Kellertreppe, die Verkleidung und Balluster der Haupttreppe, den Uhrkasten, den er auch fasst. 

 

 

 

Lenzkirch:

 

13-Eulogi im Einsatz-klein

Die Pfarrkirche St. Nikolaus. Nach dem Großbrand von 1813 konnte 1818 eine neue Kirche im damals modernen Weinbrennerstil eingeweiht werden. Die Pläne lieferte Kreisarchitekt Lumpp, ein Weinbrennerschüler. Die zerstörte Ausstattung wurde teilweise durch Gegenstände aus dem Depositorium des in der Säkularisation aufgehobenen Stiftes St. Johann in Konstanz ersetzt. Andere Ausstattungsstücke, wie Hochaltar, Nikolausbüste und Beichtstühle wurden von Bildhauer und Altarbauer Aloys Pfluger von Birkendorf geschaffen.  ....

12-pfluger-nikolaus

 

Zwei Figuren sind es, die in Lenzkirch auf die Pfluger als Bildhauer oder Figurenschnitzer hinweisen.

Eulogius wird jedes Jahr  beim Eulogiritt mitge-tragen. Er ist ein Werk von Aloys Pfluger, genauso die Büste des hl. Nikolaus, einer weiteren Prozessionsfigur der Lenzkircher.

 

 

 

14-kloster-grünwald

Grünwald:

 

„Die Pfluger bildeten eine verzweigte Familie, die in diesem Beruf weitum beschäftigt war. Vater Laurentius (Lorenz) fertigte z.B. um 1740 den neuen Hochaltar für die neuerbaute Klosterkirche Grünwald, einem kleinen Weiler bei Lenzkirch, und ein Josef Pfluger, von denen es gleichzeitig mehrere gab, schuf 1773 ebenfalls für das Paulinerkloster Grünwald 3 neue Altäre, 2 Beichtstühle und das Chorgitter nebst Laubwerk.  „

 

Durch Brandstiftung brannte Kirche und Kloster 1880 ab; lediglich die Kirche wurde auf den alten Grundmauern durch die Fürsten von Fürstenberg wieder aufgebaut.

 

[Leo-BW.de Paulinerkloster Grünwald]

 

 

 

Altglashütten: 

Zwei Figuren in Altglashütten, ein hl. Jakobus Maior und ein hl. Johannes der Täufer, weisen die gleiche Physiognomie auf wie die Figuren in Lenzkirch. Daher könnten auch diese beiden Figuren den Gebr. Pfluger zuzurechnen sein. Die beiden Figuren wurden vor einigen Jahren restauriert und wieder in der Kirche aufgehängt.

 

[Pfarrer Buchmüller]

 

 

 

Gurtweil:

 

gurtweil-kirche-juli-16-01

 

Im Kirchenführer der Pfarrkirche St. Simon und Judas Thaddäus von Konrad Sutter im Schnell Kunstführer Nr.1564 sind die Pfluger drei Mal genannt:

 

S.4

gurtweil-05.NEF

gurtweil-02.NEF

 

1740 Verträge mit Maurer Marte Schäfer, Zimmermann Johann Lenze, Schreiner Joseph Stritt, Grafenhausen und Glaser Jakob Pfluger aus Birkendorf (einzig erhaltene Schriften vom damaligen Kirchenbau)

 

1763 " ..., der neue von dem Bürckendorffer Lorenz [Pflueger] verfertigte hohe Altar aufgericht"  (St.Paul, Hss. 2/163d)

 

S.6

 

Bauleute und Künstler

 

Den Hauptaltar selbst verfertigte der Meisterschreiner Lorenz Pfluger (*1719) aus Birkendorf, jedoch erst 1763. Er schuf auch Altäre für Todtmoos, Waldkirch, Dillendorf und lieferte verschiedene Arbeiten in weitere Kirchen.   .....

 

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